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Gewerkschaften und Rechtspopulismus in Europa : Länderstudie Finnland
Entstehung
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EUROPÄISCHER GEWERKSCHAFTSDIALOG GEWERKSCHAFTEN UND RECHTSPOPULISMUS IN EUROPA Länderstudie Finnland Oula Silvennoinen Februar 2023 GEWERKSCHAFTEN IN FINNLAND Die Gewerkschaftsgeschichte Finnlands reicht bis in das späte 19. Jahrhundert zurück, als in den 1880er-Jah­ren in den Industriezentren des Landes die ersten Ar­beitergewerkschaften gegründet wurden. Es war kennzeichnend für die frühen Arbeitergewerkschaf­ten, dass die Arbeitgeber*innen ihre Interessen domi­nant vertreten konnten. Die ersten Gewerkschafts­führer*innen waren entweder selbst Arbeitgeber*in­nen oder gehörten den gebildeten Schichten an. Sich gewerkschaftlich zu organisieren, zielte hier vor allem auf einen gemäßigten Reformismus ab, der das Kon­fliktpotenzial auf dem Arbeitsmarkt entschärfen und die Arbeiter*innen daran hindern sollte, sich für sozi­alistische Politik zu interessieren. Doch diese Form von konzilianter Gewerkschaftsbil­dung wurde bald schon von einer neuen Welle der Gewerkschaftsbewegung überrollt. Im letzten Jahr­zehnt des 19. und im ersten Jahrzehnt des 20. Jahr­hunderts entstanden landesweit sozialistische Ge­werkschaften. Dieser Prozess gipfelte 1907 in der Gründung von Suomen Ammattijärjestö , dem ersten Dachverband der Industriegewerkschaften. Die Ge­werkschaften stützten sich auf Marx Konzept des Klassenkampfs und nahmen arbeitsmarktpolitisch von Anfang an eine sozialistische Haltung ein. Dem­entsprechend bauten sie eine enge Beziehung zur wichtigsten politischen Kraft des finnischen Sozialis ­mus auf, der Sozialdemokratischen Partei Finnlands. Mit dieser Grundausrichtung war der Konflikt mit den Arbeitgebern vorprogrammiert, die befürchteten, es könnte sich sozialistisches Gedankengut ausbrei­ten. Im Gegenzug begannen die Arbeitgeber*innen schon früh, eigene Arbeitgeberverbände zu organisie­ren und konkrete Schritte zur Koordinierung von Ge­genmaßnahmen gegen gewerkschaftliche Organisie­rung und Arbeitskonflikte in die Wege zu leiten. Dazu gehörten Lohnabsprachen in der Industrie und ge­meinsam koordinierte und in Umlauf gebrachte Lis­ten mit bekannten Unruhestifter*innen, Agitator*in­nen und Streikenden. Mit dem finnischen Bürgerkrieg von 1918 erreichte die frühe Phase der Auseinandersetzung ihren end­gültigen Höhepunkt. Inspiriert und ermutigt durch den bolschewistischen Putsch in Russland, machte der radikale Flügel der Sozialdemokraten in Finn­land sich daran, mithilfe der paramilitärischen Ro­ten Garden, in denen das Personal der bestehenden Gewerkschaften stark vertreten war, die Macht zu übernehmen. Gegen sie erhoben sich die nichtsozia­listischen Weißen mit ihren eigenen paramilitäri­schen Einheiten, den Bürgerwehren. In der Folge wurden die Roten Garden vernichtend geschlagen. Viele ihrer Kader flohen nach Sowjetrussland und es setzte eine Welle des weißen Terrors gegen die ver­bliebenen Rotgardist*innen ein. In Moskau kam es im August 1918 zur Gründung der finnischen Kom ­munistischen Partei. 1