Zusammenfassung Austausch und Zusammenarbeit in Bildung und Kultur tragen wesentlich zur Ausgestaltung der komplexen deutschchinesischen Beziehungen bei, insbesondere in den kommunalen Außenbeziehungen. In vielen Rathäusern wird die Bedeutung des Bildungsbereichs im Rahmen von deutsch-chinesischen Kommunalbeziehungen sehr hoch eingeschätzt. Kommunen sehen Bildungsaustausche als essenzielles Format zur Etablierung von Kommunikationskanälen mit langfristigem gesellschaftlichem und politischem Nutzen und als Beitrag zu mehr China-Kompetenz. China-Kompetenz ist eine grundlegende Handlungsfähigkeit im Umgang mit chinesischen Akteuren. Damit ist sie mehr als eine Summe von Kenntnissen und Fähigkeiten. Je nach Kontext können Wissensaspekte, interkulturelle und sprachliche Kompetenzen unterschiedlich gewichtet sein. Im Idealfall entsteht im Zusammenspiel von Teilkompetenzen eine Handlungskompetenz, die Handlungsbereitschaft und Reflexionsfähigkeit einschließt. Bildung(insbesondere Schul- und Erwachsenenbildung) sollte auch jenseits der kommunalen Ebene nicht aus dem Denken über China-Kompetenz ausgespart werden, weil ChinaKompetenz in der Breite der Bevölkerung benötigt wird und nicht nur in einzelnen Sektoren wie Politik oder Wirtschaft. Bildungsaustausch und-zusammenarbeit sind elementar wichtig für den Aufbau von China-Kompetenz und für die aktive Gestaltung der bilateralen Beziehungen, denn gerade hierdurch werden neben Wissen interkulturelle und kommunikative Kompetenzen erworben, die langfristig zu Verständigung und Konfliktprävention beitragen können. Gerade angesichts geopolitischer Spannungen wäre ein Ausbau entsprechender Angebote sinnvoll und folgerichtig. Tatsächlich geht die Entwicklung jedoch in die gegensätzliche Richtung: der Ausbau des schulischen Chinesischunterrichts stagniert auf niedrigstem Niveau und der deutschchinesische Schulaustausch ist durch stark gestiegene Kosten und den Wegfall von Förderungen existentiell bedroht. Die finanziellen Fördermöglichkeiten für den deutsch-chinesischen Schulaustausch müssen daher wieder verbessert werden. Geschieht dies nicht, geraten insbesondere Schulaustausche mit fernen Ländern wie China zu Instrumenten sozialer Selektion. Zudem bedarf es im Umgang mit Verunsicherungen einer konstruktiven schulischen und gesellschaftlichen Diskussionskultur sowie einer soliden Wissensbasis nicht nur in Bezug auf aktuelle China-Themen, sondern auch grundsätzlich, wenn es um den Beitrag des Bildungs- und Kulturaustauschs zu mehr China-Kompetenz geht. Akteure in der Politik und im Bildungssystem sind dabei gleichermaßen gefordert. Konkret kann in Kommunen, Ländern und darüber hinaus die Ausrichtung von Runden Tischen und anderen Austauschformaten wertvolle Unterstützung leisten. Während der Schulaustausch dezentral und überwiegend direkt zwischen deutschen und chinesischen Schulen organisiert wird(manchmal mit Unterstützung der lokalen Verwaltung), sind Konfuzius-Institute Bildungs- und Kultureinrichtungen, die strukturell eng mit dem chinesischen Staat verbunden sind. Sie werden im öffentlichen Diskurs vorwiegend als Einflussinstrumente zur Durchsetzung strategischer Interessen Chinas betrachtet – in Deutschland vor allem in Hinblick auf die Risiken von Hochschulkooperationen. Bildungspolitische und kulturdiplomatische Sichtweisen bleiben dabei häufig unberücksichtigt. Doch Konfuzius-Institute sind in ihrer Arbeitspraxis zuvorderst Institutionen der Sprachförderung und des Kulturaustauschs, keine Forschungseinrichtungen. Sie leisten somit grundsätzlich einen Beitrag zum Aufbau von China-Kompetenz, der angesichts fehlender Alternativen in Deutschland nicht kurzfristig zu ersetzen ist. Zudem etabliert die tägliche Zusammenarbeit zwischen deutschen und chinesischen Partnern im Rahmen des kooperativen Modells der Konfuzius-Institute feste Dialogkanäle. Der kritische öffentliche Diskurs um die Konfuzius-Institute kann Anstoß dazu geben, dass deutsche Partner den Modalitäten der Kooperation mehr Aufmerksamkeit widmen und sich vor allem ihre eigenen Zielsetzungen und Interessen darin bewusst machen. Das Potenzial der Institute auszuschöpfen, verlangt von den deutschen Vertragspartnern Verantwortung und bewusstes Handeln. Die Sicht auf die Konfuzius-Institute sollte daher systemischer sein und neben geopolitischen Spannungen und Rivalitäten auch den Wert und die Ziele der Kulturdiplomatie sowie realistische Kapazitäten zum Ausbau von China-Kompetenz in Deutschland einbeziehen. Der gesellschaftliche Beitrag der Konfuzius-Institute für China-Kompetenz fällt umso größer aus, je mehr die deutsche Seite sich auf Grundlage eigener Zielsetzungen engagiert. Kommunen, Hochschulen und andere deutsche Akteure sollten sich deshalb mit klar formulierten eigenen Interessen eher stärker als weniger in Kooperationen mit Konfuzius-Instituten einbringen, um die beträchtlichen Gestaltungsmöglichkeiten in der Kooperation voll auszuschöpfen. Der Ausbau von China-Kompetenz wird aller Voraussicht nach auch in Zukunft in Deutschland nicht flächendeckend und in großem Stil geschehen. Strategische Weichenstellungen sind daher nötig, um vorhandene Ansätze zu stützen. Gerade weil China eine große Herausforderung ist, verdienen Chancen in der Bildungszusammenarbeit daher mehr Aufmerksamkeit, denn Kultur- und Bildungsaustausch legen das Fundament für eine kritisch-konstruktive Auseinandersetzung mit China. Zusammenfassung 3
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Deutsch-chinesische Kooperationen in Bildung und Kultur : Austausch und Zusammenarbeit auf kommunaler Ebene
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