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Deutsch-chinesische Kooperationen in Bildung und Kultur : Austausch und Zusammenarbeit auf kommunaler Ebene
Entstehung
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1 Einleitung und Methode In der komplexen Ausgestaltung der bilateralen Beziehun­gen zur Globalmacht China genießt der über Jahrzehnte gewachsene Bildungs- und Kulturaustausch einen wichti­gen Stellenwert. Die vorliegende Publikation untersucht diesen Bereich insbesondere mit Blick auf die kommunale Ebene als Weiterführung des Projekts Kommunen: Kern­stück deutscher China-Politik 1 . Im Zentrum stehen dabei Fragen nach politischen Zielsetzungen auf deutscher und chinesischer Seite sowie nach dem Mehrwert der Koope­rationen für den Ausbau von China-Kompetenz und für die bewusste Gestaltung der bilateralen Beziehungen auf gesellschaftlicher Ebene. Kulturaustausch und Bildungskooperationen sind Teil der operativen China-Politik in den Kommunen. Was auf der kommunalen Ebene stattfindet, kann zugleich mit der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik(AKBP) des Bun­des, der Länder und mit Chinas Kulturdiplomatie verbun­den sein. Dies führt zu einer Vielzahl unterschiedlicher Ausprägungen, etwa im zivilgesellschaftlichen Vereins­wesen oder der Erwachsenenbildung. Hier soll der The­matik anhand von zwei Fallbeispielen nachgegangen werden, die strukturell gewissermaßen an unterschiedli­chen Enden des Spektrums stehen: Schulaustausch und Konfuzius-Institute. Sofern die(Auswärtige) Kultur- und Bildungspolitik nicht aus Debatten um Geopolitik und Systemrivalität ausge­klammert wird, besteht im gegenwärtigen deutschen Chi­na-Diskurs eine Tendenz, sie gleichsam mit Haut und Haa­ren der Logik dieser» high politics« einzuverleiben. Dies ist als Reaktion auf die umfassende strategische Ausrichtung chinesischer Politik, einschließlich der Außenkulturpolitik, nachvollziehbar. Schließlich soll Auswärtige Kulturpolitik als Mittel der Außenpolitik deren Ziele umsetzen. Moderne Auswärtige Kulturpolitik basiert auf dem Prinzip des Kulturaustauschs eines gegenseitigen Sendens und Empfangens. Sie dient dadurch nicht nur der Wertevermitt­lung, sondern auch der Krisenprävention durch die Ausbil­dung interkultureller Kommunikationsfähigkeit. Kultur- und Bildungsaustausch sind Zukunftsinvestitionen, die Risiken mindern können, weil sie langfristig das Verstehen und die Verständigung erleichtern. In der gegenseitigen Kulturdiplomatie mit Staaten wie Chi­na, die(auch) als Systemrivalen aufgefasst werden, entsteht dadurch auf beiden Seiten eine interne Spannung, da die Auswärtige Kulturpolitik ein Instrument darstellt, dessen Handlungsgrundsatz der Kulturaustausch im Kern kaum instrumentalisierbar ist. Die politische Nutzbarmachung kann das gesamte Projekt gefährden. Dieser grundsätzliche Aspekt verdient im praxispolitischen Umgang mit deutsch­chinesischen Bildungskooperationen mehr Beachtung. Methode Auf Grundlage umfassender Recherchen wurden zum einen Primärquellen(z. B. Webauftritte sowie deutsche und chine­sische Politikdokumente und Statements), Forschungs­literatur und der Pressediskurs gesichtet, zum anderen Hin­tergrundgespräche mit Akteur:innen aus Kommunalverwal­tungen, Konfuzius-Instituten, Mittlerorganisationen, Schulen sowie weiteren relevanten Einrichtungen des Bildungsbe­reichs geführt, aufbauend auf über 80 semistrukturierten Hintergrundgesprächen für die Vorgängerstudie. In die Aus­wertung und Analyse wurden zudem Erkenntnisse und Infor­mationen aus mehreren Netzwerkveranstaltungen aufge­nommen. Die Daten zum Schulaustausch basieren überwie­gend auf einer Erhebung des Bildungsnetzwerks China und des Fachverbands Chinesisch von 2023, an der die Autorin beteiligt war. 1 Vgl. Frenzel, Andrea/ Godehardt, Nadine/ Pantekoek, Stefan/ Schulze, David(2024): Kommunen: Kernstück deutscher China-Politik. Entwicklungen und Zukunftsperspektiven, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung. 4 Friedrich-Ebert-Stiftung e.V.