Druckschrift 
Deutsch-chinesische Kooperationen in Bildung und Kultur : Austausch und Zusammenarbeit auf kommunaler Ebene
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

die Teilnehmenden eröffnen 20 als auch übergeordnete politi­sche Zielsetzungen realisieren. Der internationale Bildungs­­austausch ist im politischen Kontext mit unterschiedlichen Fragen verbunden: Was trägt Austausch als Handlungsfeld der Bildung für das Land bei? Was trägt Austausch als Handlungsfeld der Außenpolitik zum Gelingen der Be­ziehungen zu anderen Ländern bei? Politische Zielsetzungen In ihrer China-Strategie betont die deutsche Bundesregie­rung die Wichtigkeit deutsch-chinesischer Austauschfor­mate:»Zur Stärkung der bilateralen Beziehungen und zum Ausbau von China-Kompetenz unterstützt die Bundesre­gierung Kooperationen von Hochschulen und Forschungs­einrichtungen, die Mobilität von Studierenden, Wissen­schaftlerinnen und Wissenschaftlern, die Berufsbildung, den Jugend- und Fachkräfteaustausch sowie den Aus­tausch zur Jugendhilfe.« 21 Der Ausbau von China-Kompe­tenz war in Deutschland bislang politisch federführend beim Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) angesiedelt. 22 China-Kompetenz und alles, was dazu beiträgt, wird als Voraussetzung für einen erfolgrei­chen Umgang mit China beschrieben. Die Bundesregie­rung spricht sich für den Bildungsaustausch mit China als Teil einer umfassenden, interkulturelle Kompetenzen ein­schließenden China-Kompetenz aus, die sich nicht nur auf die Vermittlung von politischem Wissen über die Volksre­publik beschränkt:»Wir setzen uns für mehr Austausch zwischen deutschen und chinesischen Jugendlichen, Stu­dierenden und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern ein, um China-Kompetenz durch zwischenmenschliche Kontakte zu unterstützen.« 23 Schulaustausch ist als Teil der Bildungsbiografie von Ju­gendlichen nicht nur ein Aktionsfeld der Bildungspolitik (auf innenpolitischer Ebene), sondern kann zugleich als ge­sellschaftlich-kultureller Austausch im außenpolitischen Kontext gesehen werden. 24 Die in der Praxis relativ subtile Unterscheidung basiert auf unterschiedlichen Zielsetzun­gen. Außenpolitisch dient Austausch der Stabilisierung der Beziehungen zwischen Ländern:»Ein offener wissenschaft­licher Austausch, lebhafte zivilgesellschaftliche Kontakte und ein florierender Kulturaustausch nützen sowohl Deutschland als auch China.« 25 In diesem Kontext ist Aus­tausch ein Instrument der Diplomatie und Bildungsaus­tausch Teil der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik als »dritter Säule« der Außenpolitik: 26 »Parlamentarische und zi­vilgesellschaftliche Kontakte sowie Kultur- und Bildungs­austausch sind zentrale Bestandteile unserer bilateralen Be­ziehungen zu allen Ländern und wichtig für deren Breite, Tiefe und Stabilität.« 27 In China zielen die bildungspolitischen Reformbestrebun­gen darauf ab, das Land zur Unterstützung der»Renais­sance der großen chinesischen Nation« als»Bildungs­macht«( 教育强国 ) 28 zu etablieren(s. Abb. 1, S. 5). Das Au ­genmerk liegt dabei auf der Hochschulbildung, auch um China zu einem»bedeutenden Bildungszentrum in der Welt« 29 zu machen. Doch auch der Bildungsaustausch ge­nerell wird bei der für die voranschreitende Modernisie­rung als nötig erachteten»Öffnung des Bildungswesens nach außen« ­( 育对外开放 ) 30 strategisch mitgedacht, wo­bei insbesondere auf die Förderung des Sprachenlernens fokussiert wird. Die Internationalisierung auch mithilfe des Bildungsaustauschs soll nach dem Willen der höchsten Partei- und Staatsorgane auch an der Außen­darstellung Chinas und der Verbreitung seiner Perspektive mitwirken: Ein bedeutender Inhalt der Öffnung des Bil­dungswesens sei es,»Chinas Erzählung und Chinas Stim­me gut zu verbreiten« 31 . Durch diese Formulierung, die ei­ner Rede Xi Jinpings von 2013 entlehnt ist, wird die Inter ­nationalisierung der Bildung in das politische Diskurs­system Chinas unter Xi integriert. 32 So geht es nach dem Willen der chinesischen Führung darum, auch dem Bil­dungsaustausch eine Rolle bei Chinas Selbstdarstellung zuzuteilen. Dezentral organisierte Schulaustausche ste­hen dabei jedoch nicht im Fokus. Die jüngsten, bereits 2014 vom chinesischen Bildungsministerium spezifisch für 20  Vgl. im Kontext des Internationalen Jugendaustauschs: Poli(2014), S. 5. 21  Die Bundesregierung(2023), S. 23. 22 »China gewinnt zunehmend an Bedeutung als Partner, Wettbewerber und systemischer Rivale. Vor diesem Hintergrund wächst auch in Deutschland der Bedarf an Personen mit China-Expertise stetig. Für eine erfolgreiche Kooperation mit internationalen Partnern sind gegenseitiges Verständnis und kultursensibler Umgang erforderlich. China-Kompe­tenz umfasst neben Sprachkenntnissen auch interkulturelle Kompetenz. Des Weiteren zählen Verständnis über rechtliche Rahmenbedingungen sowie politische, wirtschaftliche, kulturelle und historische Zusammenhänge dazu. Das BMBF fördert den Ausbau von unabhängiger China-Kompetenz bei Schülerinnen und Schülern, Studierenden, Auszubilden­den und beruflichem Bildungspersonal sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern.« Bundesministerium für Bildung und Forschung(2023). Seit dem Regierungswechsel 2025 hat das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt(BMFTR) Aufgaben des BMBF übernommen. Der Bildungsbereich wurde dem Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend(BMBFSFJ) zugeteilt. 23  Die Bundesregierung(2023), S. 61. An anderer Stelle heißt es:»Ein möglichst breiter Austausch der Zivilgesellschaften sollte das Fundament der bilateralen Beziehungen ­bilden.« Ebd., S. 11. 24  Im außerschulischen Jugendaustausch kommt noch eine gesellschaftspolitische Komponente hinzu. Vgl. Thimmel, S. 6. 25  Die Bundesregierung(2023), S. 20. 26  Vgl. Maaß(2015), S. 47; Auswärtiges Amt(2021). 27  Die Bundesregierung(2023), S. 22. 28  Bildungsministerium der Volksrepublik China(2023); Zentralregierung der Volksrepublik China(2025). 29  Bildungsministerium der Volksrepublik China(2023). 30  Zentralregierung der Volksrepublik China(2016). 31 Ebd. 32  Vgl. Godehardt(2020), S. 13; Bandurski(2021). 12 Friedrich-Ebert-Stiftung e.V.