umfasste dabei die Kooperationsbereiche Bildung, Kultur, Medien, Sport und Jugend. Der Dialogmechanismus fokussierte allerdings kaum auf schulische Austausche, sondern im Kinder- und Jugendbereich vor allem auf berufliche Bildung, Sprachunterricht, Studierende und außerschulischen Jugendaustausch. 45 Derartige Mechanismen werden auch als Beitrag zum Ausbau und zur Homogenisierung der externen Kommunikation Chinas gesehen. 46 Die Umsetzung übergreifender politischer Ziele in die Bildungspraxis geschieht allerdings nicht linear, denn Schulaustausche sind kostspielig, detailreich und mit hohem Arbeitsaufwand verbunden; Ergebnisse lassen sich kaum direkt steuern oder nachprüfen. Dies mag – vor allem vor dem Hintergrund des chinesischen Verständnisses von»kultureller Sicherheit« 47 (s. Abb. 1, S. 5) – ein Grund sein, dass der Austausch in China trotz des politischen Segens durch Strategiedokumente bislang nur sehr selektiv staatlich gefördert wird. Die Rolle des Bundes, der Länder und überregionaler Initiativen In Deutschland wird der Jugendaustausch als Handlungsfeld der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik zwar teilweise durch zentrale Programme und Institutionen gestaltet, seine Wirksamkeit entfaltet er aber vor allem dezentral durch eine Vielzahl von initiativ handelnden Akteuren. Die übergeordneten politischen Zielsetzungen mögen für die am Austausch Beteiligten in der Umsetzung nicht im Vordergrund stehen, schlagen sich im Idealfall jedoch in Form finanzieller und organisatorischer Förderung nieder. Maßnahmen des Jugendaustauschs mit China verteilen sich in Deutschland auf drei Bereiche: Schulaustausch, außerschulischer Jugendaustausch und(meist langfristiger) Individualaustausch. 48 Die internationale außerschulische Jugendarbeit liegt in der Zuständigkeit des Ministeriums für Frauen, Senioren, Familien und Jugend (BMFSFJ). 49 Die Initiative und Durchführung schulischer Austauschmaßnahmen ist in Deutschland naturgemäß Sache der Schulen – in Gestalt von Schulleitungen, Lehrkräften oder Koordinator:innen. Die politische Zuständigkeit liegt demnach in erster Linie bei den Bildungsministerien der Länder. Zentraler politischer Akteur für die Förderung des internationalen Austauschs im Schulbereich ist der Pädagogische Austauschdienst(PAD) des Sekretariats der Kultusministerkonferenz(s. Box 2, 13). Er ist im Auftrag der Länder tätig, seine Programme richten sich jedoch zuvorderst an Teilnehmer:innen in Partnerstaaten und werden insofern als Teil der AKBP großenteils vom Bund finanziert. Für den deutsch-chinesischen Schulaustausch ist vor allem das 2008 gegründete Programm»Schulen: Partner der Zukunft« (PASCH) relevant, das sich an Teilnehmende in Deutschland und Partnerländern wendet(s. Box 3, S. 15). Als vom Auswärtigen Amt finanzierte Initiative setzt PASCH Ziele der AKBP um. 50 Neben dem PAD in Deutschland sind für den Schulbereich auch das Goethe-Institut und die Zentralstelle für das Auslandsschulwesen(ZfA) an der Umsetzung in China beteiligt. Im zivilgesellschaftlichen Bereich trat die Stiftung Mercator jahrelang als bedeutende Förderin des deutsch-chinesischen Schulaustauschs auf. Der von ihr 2014 aufgelegte Schulpartnerschaftsfonds war neben der PASCH-Initiative eine der beiden großen überregionalen Fördermöglichkeiten. Anfang 2020 gründete die Stiftung gemeinsam mit dem Goethe-Institut das Bildungsnetzwerk China(BNC), um die Vermittlung von China-Kompetenz an deutschen Schulen auszubauen. 51 Der deutsch-chinesische Schulaustausch war ursprünglich als ein zentrales Aufgabengebiet des BNC angekündigt 52 . Die Finanzierung ist von jeher ein Kernproblem deutschchinesischer Schulaustausche 53 – wie von außereuropäischen Austauschen generell –, das sich seit der CoronaPandemie noch verschärft hat. 54 Das Gros der Kosten wird durch den Eigenbeitrag der Eltern erbracht sowie darüber hinaus durch schulinterne Möglichkeiten von Förderverein bis Kuchenverkauf. Schüler:innen aus Haushalten, die bestimmte staatliche Leistungen wie Bürgergeld beziehen, können über das Bildungs- und Teilhabepaket des Bundes 55 , das durch die Kommunen umgesetzt wird, eine Kostenübernahme erhalten – jedoch im Allgemeinen nur, wenn der China-Austausch im Fahrtenkonzept der Schule bzw. im Schulprofil verankert ist. Die überregionalen Förderungen aus den Mitteln des Auswärtigen Amtes und der Stiftung Mercator, die beide über den PAD beantragt werden konnten, waren bislang 45 Vgl. Hanns-Seidel-Stiftung(2017), S. 4–5; Herrmann(2017). 46 Vgl. Hu(2024). 47 Vgl. Bildungsministerium der Volksrepublik China(2020), Abschnitt 2.2. 48 Vgl. Frenzel/ Stepan(2019), S. 16–17. 49 Das BMFSFJ(seit Mai 2025: BMBFSFJ) stellte seit 2006 Mittel für den deutsch-chinesischen Austausch durch das Sonderprogramm China im Kinder- und Jugendplan des Bundes(KJP) bereit, z. B. für Träger in den Bereichen Sport oder kulturelle Bildung. Vgl. Wünsch(2016); Portal der Kinder- und Jugendhilfe(o. D.). 50 Vgl. Schulen: Partner der Zukunft(o. D.). 51 Vgl. Bildungsnetzwerk China(o. D.b). 52 Stiftung Mercator(2020). 53 Vgl. Frenzel/ Stepan(2019), S. 36. 54 Vgl. Frenzel/ Do(2024), S. 65; Austausch macht Schule(2021). 55 Vgl. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend(o. D.); Frenzel/ Do(2024). 14 Friedrich-Ebert-Stiftung e.V.
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Deutsch-chinesische Kooperationen in Bildung und Kultur : Austausch und Zusammenarbeit auf kommunaler Ebene
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