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Deutsch-chinesische Kooperationen in Bildung und Kultur : Austausch und Zusammenarbeit auf kommunaler Ebene
Entstehung
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wichtige ergänzende Finanzierungsquellen. Diese Form der Unterstützung durch staatliche und zivilgesellschaft­liche Akteure hat jedoch in den letzten Jahren drama­tisch nachgelassen. 56 Seitdem diese Mittel nur noch sehr eingeschränkt zur Verfügung stehen, klafft im Netz der finanziellen Unterstützung des deutsch-chinesischen Schulaustauschs eine empfindliche Lücke. 57 Wurden durch das PASCH-Programm vor der Pandemie jährlich etwa 100 Schulreisegruppen in beide Richtungen mit Zu ­schüssen gefördert, sahen die Planzahlen für 2024, auch aufgrund von überproportionalen Mittelkürzungen, nur noch eine Förderung von 19 Gruppen vor. 58 Der PAD führt den Rückgang zudem auf ein verändertes Austauschver­halten als Folge der Corona-Pandemie zurück. Der Schul­partnerschaftsfonds Deutschland-China förderte pro Jahr etwa zehn bis 14 Gruppen aus Deutschland mit einem substanziellen Zuschuss. Er wurde im Zuge der strategi­schen Neuausrichtung der Stiftung Mercator mit Ablauf des Jahres 2023 jedoch eingestellt. 59 Die finanzielle Förderung des Schulaustauschs durch die Länder fällt, wenn es sie überhaupt gibt, sehr unter­schiedlich aus. 60 Mitunter kann die Förderung nur bean­tragt werden, wenn die chinesische Partnerschule in ei­ner Partnerprovinz des jeweiligen Bundeslandes liegt. Zudem hat sich die Situation des Chinesisch-Unter­richts in den letzten Jahren nur in einzelnen Ländern substanziell verbessert. 61 Das Thema China-Kompetenz, obwohl ein Bildungsthema, wird von einem Teil der Länder offenbar dem Bund überlassen. Immerhin kam Anfang Dezember 2024 zwischen der Ständigen Konfe ­renz der Kultusminister der Länder(KMK) und dem chi­nesischen Center for Language Education and Coopera­tion(CLEC) die schon länger erarbeitete Gemeinsame Absichtserklärung zur Unterzeichnung, die darauf ab­zielt,»die bereits erzielten Erfolge der Bildungszusam­menarbeit auf allen Ebenen zu festigen und zu vertie­fen und die Förderung der Partnersprache in Deutsch­land und China weiter voranzutreiben« 62 . Das letzte deutsch-chinesische»Großereignis« im Bildungs­austausch war das Deutsch-Chinesische Jahr für Schüler- und Jugendaustausch 2016. 63 Seitdem haben sich die Vorzeichen der bilateralen Beziehungen geändert; eine ähnliche gemein­same Initiative wäre derzeit schwer vorstellbar. Zentral orga­Die PASCH-Initiative Box 3 Die Initiative»Schulen: Partner der Zukunft«(PASCH) wurde 2008 vom Auswärtigen Amt ins Leben gerufen. PASCH ist ein Projekt mit Leuchtturmfunktion, das we­sentliche Ziele der Auswärtigen Kultur- und Bildungs­politik umsetzt. Die Initiative möchte Interesse und Neugier für Deutschland wecken, junge Menschen zum Deutschlernen motivieren und ein weltweites Netzwerk von Schulen schaffen. Das Auswärtige Amt fördert und koordiniert die Initiative, welche von der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen(ZfA), dem Goethe-Insti­tut, dem Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) und dem Pädagogischen Austauschdienst der Kultusministerkonferenz(PAD) umgesetzt wird. China ist weltweit das Land mit den meisten PASCH­Schulen. Im Dezember 2024 waren es 133: 45 Schulen, die das Deutsche Sprachdiplom der Kultusminister­konferenz anbieten, 82 vom Goethe-Institut betreute Fit-Schulen mit Deutschunterricht sowie sechs Deut­sche Auslandsschulen. Bei Schulpartnerschaften und Schulaustauschen un­terstützt PASCH Lehrkräfte und Schüler:innen aus Deutschland und dem jeweiligen Partnerland durch Fahrtkostenzuschüsse. Die Fördersätze für China be­tragen 100 Euro für chinesische Teilnehmer:innen und 150 Euro für deutsche Teilnehmer:innen(Stand: 2025). Programmkostenzuschüsse und Kosten für Anbah­nungsreisen der Lehrkräfte können aufgrund von Mit­telkürzungen nicht mehr gezahlt werden. Für das Jahr 2024 war die Förderung von 19 Gruppen aus beiden Ländern geplant im Jahr 2019 waren es noch 98. Der PAD führt dies nicht nur auf Mittelkürzungen, sondern auch auf ein verändertes Austauschverhalten als Folge der Corona-Pandemie zurück. Quellen: PAD, PASCH nisierte Prestigevorhaben sind entgegen ihrer erklärten Ziel­setzung zudem oft wenig nachhaltig und gehen sogar gro­ßenteils an Praktiker:innen im Bildungsaustausch vorbei. 64 56  In weit geringerem Maße existieren weiterhin überregionale Fördermöglichkeiten: Obwohl die zunehmende innereuropäische Ausrichtung des internationalen Schulaustauschs näherliegende Ziele favorisiert, können über das EU-Programm»Erasmus+« in gewissem Umfang auch Austausche mit China gefördert werden auch wenn es kein Programmland ist. Das entwicklungspolitische Schulaustauschprogramm ENSA von Engagement Global fördert im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Ent­wicklung(BMZ) weiterhin einzelne China-Austausche, solange das Land auf der DAC-Liste steht. In der Berufsbildung unterstützt das BMBF seit 2017 Auslandspraktika durch das Programm»AusbildungWeltweit« auch in China. 57  Auch andere für den deutsch-chinesischen Austausch relevante Programme für unterschiedliche Zielgruppen sind seit 2024 von Mittelkürzungen bedroht oder betroffen: ­»MercatorGo!« und der»Multiplikator:innenaustausch Deutschland-China«(Mittelgeberin: Stiftung Mercator) sowie Fortbildungskurse in Deutschland für chinesische Deutsch­lehrkräfte und das Internationale Preisträgerprogramm(Mittelgeber: Auswärtiges Amt). 58  Vom PAD zur Verfügung gestellte Zahlen(August 2024). Zu den Fördermodalitäten siehe: Pädagogischer Austauschdienst(o. D.). 59  Bereits bewilligte Beträge konnten auch 2024 noch abgerufen werden. Vgl. Bildungsnetzwerk China(o. D.a); Deutscher Bundestag(2024), Frage 19. 60 Vgl. Frenzel/ Stepan(2019), S. 21. 61 Vgl. Frenzel/ Do(2024), S. 53–54. 62 Kultusministerkonferenz/ Center for Language Education and Cooperation(2024), S. 1. 63  Vgl. Der Bundespräsident(2016); Zentrum für Chinesisch-Deutschen Kulturell-Gesellschaftlichen Austausch der Tongji-Universität(2017), S. 2–3. 64 Vgl. Frenzel/ Stepan(2019), S. 15; Zhuang(2020a), S. 10. Schulaustausche 15