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Deutsch-chinesische Kooperationen in Bildung und Kultur : Austausch und Zusammenarbeit auf kommunaler Ebene
Entstehung
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Akteure und Initiativen in China In China werden Schulaustausche nicht direkt zentralstaat­lich gesteuert. Wesentliche Akteure sind die beteiligten Schulen. Dort sind Parteistrukturen vorhanden, deren Auf­gabe, bildungspolitische Vorgaben der Partei im Schulsys­tem zu vertreten und zu verantworten, in den letzten Jahren bekräftigt wurde(s. Abb. 1, S. 5). Über die Bildungsbehörden hinaus existiert für den Schulaustausch keine eigene Orga­nisation mit zentraler Zuständigkeit und Vertretungsan­spruch. In der Bildungspraxis werden Schulaustausche bis­lang vergleichsweise schwach reguliert und ebenso wenig gefördert. Der Anstoß für einen Schulaustausch geht über­wiegend von den Schulen aus, etwa weil Eltern die Rele­vanz des Austauschs mit einem Zielland wie Deutschland als künftigem Studienstandort sehen. Chinesische Päda­gog:innen führen Schulaustausche mit deutschen Partnern meist entweder aufgrund eines Sprachprofils durch, etwa weil ihre Schule Teil des PASCH-Netzwerks ist, oder mit Blick auf die Berufs- oder Studienorientierung ihrer Schü­ler:innen. Darüber hinaus nannten sie in einer Befragung den Aufbau einer gelingenden Kommunikation, die Hori­zonterweiterung der Schüler:innen und den Aufbau von in­terkulturellem Verständnis als Ziele eines Austauschs. 65 Staatliche(nicht jedoch private) Schulen müssen für den Austausch eine Genehmigung bei der für sie zuständigen Bildungsbehörde beantragen, 66 je nachdem ob sie einer Kommune, Provinz oder der Staatsregierung zugeordnet sind. So kann die Aufsicht beispielsweise bei der städtischen Bildungskommission( 教育委员会 ) liegen. Auch innerschuli­sche Genehmigungsprozesse sind deutlich aufwendiger als in Deutschland. Antrags- und Genehmigungsprozeduren so­wie Beschränkungen können ein Problem darstellen nicht nur in Bezug auf Kosten und Aufwand der Visa-Erteilung. Eine auch in Deutschland viel beachtete Entwicklung sind die in letzter Zeit verschärften Reisebeschränkungen in ­Bezug auf private Auslandsreisen für Angestellte des öf­fentlichen Sektors in China, darunter auch Lehrkräfte. 67 Austauschbegegnungen werden jedoch in der Regel mit ­eigens beantragten Dienst-Reisepässen durch­geführt, so­dass keine erheblichen Auswirkungen auf den Schulaus­tausch zu erwarten sind. Der chinesische Staat hat den dezentralen Austausch in Schulen bislang nicht finanziell unterstützt, sodass die Fi­nanzierung für chinesische Schulen(ähnlich wie für deut­sche) häufig ein substanzielles Problem darstellt. 68 Einige chinesische Schulen nutzen jedoch Angebote deutscher Einrichtungen, etwa der PASCH-Initiative. Mehrere Konfuzius-Institute bieten Sommer- oder Herbst­camps für deutsche Schüler:innen an, die im Allgemeinen jedoch nicht im Schulverband stattfinden und daher aus deutscher Sicht dem außerschulischen Jugendaustausch zuzuordnen sind. Diese Kurzreisen werden meist im Rah­men des Programms»Chinese Bridge« durch das CLEC oder chinesische Partneruniversitäten 69 gefördert. Darüber hin­aus spielen zentralisierte Ansätze, wie es sie zwischen den USA und China zuletzt im Zuge der Bestrebungen zum Ausbau des People-to-People-Austauschs gab, 70 im deutsch-chinesischen Schulaustausch bisher keine Rolle. Deren Signalwirkung ist im Kontext der öffentlichen Diplo­matie Chinas ein Hauptziel. Hier deutet sich für den Schul­austausch unter Umständen eine Wende an, denn die im Hinblick auf die USA begonnene chinesische Initiative»YES Young Envoys Scholarship« erhält einen europäischen Ab­leger. 71 Das Programm soll von der China Education Asso­ciation for International Exchange(CEAIE) durchgeführt werden und richtet sich an junge Wissenschaftler:innen, Studierende und Schüler:innen der Sekundarstufe. Nicht nur Individual- und Gruppenaufenthalte, sondern auch Schul­austausche sind als Teil des Förder-Portfolios angekün­digt. 72 Die Initiative ist darauf ausgerichtet, Jugendliche und junge Erwachsene für Aufenthalte nach China zu bringen. Ein weiterer Schritt in diese Richtung ist die Erweiterung der versuchsweisen Visafreiheit für China, die nun explizit auch für Austauschbesuche( 交流访问 ) gilt. 73 Die aufwendige und teure Prozedur der Visa-Beantragung war für deutsche wie chinesische Schulen seit Langem eine Belastung, die für die deutsche Seite nun zumindest vorübergehend beseitigt ist. 74 Herausforderungen und Mehrwert aus deutscher Sicht Das Hauptproblem bei der Durchführung von deutsch-chine­sischen Schulaustauschen ist die Finanzierung. Von der durch Teuerung und den Wegfall von Fördermöglichkeiten ausgelösten existenziellen Krise sind alle außereuropäischen internationalen Schulaustausche in Deutschland betroffen, wie die Initiative»Austausch macht Schule« in ihrer Fürsten­rieder Erklärung hervorhebt:»Der Jugend- und Schüleraus­tausch ist im kommenden Haushaltsjahr[2024] von existen ­ziellen Kürzungen betroffen.[] In diesem Kontext[ist es] besonders wichtig,[] die gesellschaftliche Wirkung inter ­65  Vgl. Yu(2020), S. 10–11. 66  Vgl. ebd., S. 10–11, 16. 67 Vgl. McMorrow/ Liu/ Yu/ Li(2024). 68 Vgl. Hu/ Yu/ Song(2023), S. 359–360. 69  Vgl. u. a. Konfuzius-Institut München(o. D.); Leibniz-Konfuzius-Institut Hannover(2025). 70  Vgl. Muscatine Community School District(2024); Xinhua(2023). 71  Vgl. Abteilung für Bildungswesen der Botschaft der Volksrepublik China in der Bundesrepublik Deutschland(2024). 72  Vgl. China Education Association for International Exchange(o. D.a); China Education Association for International Exchange(o. D.b). 73  Vgl. Außenministerium der Volksrepublik China(2024b). 74  Der häufige Fall, dass Schüler:innen mit Pässen aus nicht visabefreiten Ländern, wie etwa Syrien, Probleme bei der Visavergabe erleben, ist von der Maßnahme nicht berührt. 16 Friedrich-Ebert-Stiftung e.V.