4 Konfuzius-Institute Die geopolitisch zunehmend raumgreifende Ausrichtung chinesischer Politik unter Xi Jinping – einhergehend mit deutlich verstärkter Parteikontrolle im Land – hat in Deutschland und Europa zu einer Neubewertung des Verhältnisses zu China geführt. Seitdem systempolitische Unterschiede und geopolitische Spannungen den politischen und öffentlichen Diskurs prägen, schlägt sich die Verunsicherung über das deutsch-chinesische Verhältnis auch in verschärfter Kritik an den Konfuzius-Instituten nieder. Deren Bewertung ist untrennbar mit der Haltung zu China verbunden. Partner, Wettbewerber, Systemrivale oder gar Sicherheitsrisiko – die Konfuzius-Institute sind zur politischen Chiffre geworden. Die bestimmende Perspektive im politischen und medialen Diskurs bewertet die Konfuzius-Institute vor allem als Instrumente zur Durchsetzung chinesischer strategischer Interessen. Die Institute und ihre Arbeit werden zumeist in Bezug auf befürchtete Einschränkungen der akademischen Freiheit, chinesische Propaganda und Einflussnahme thematisiert. Seit 2020 werden sie unter der Rubrik»Politische Einfluss nahme« in den Verfassungsschutzberichten erwähnt. 85 Dabei sind Arbeitswirklichkeit und Beitrag der Institute bei genauerer Betrachtung durchaus komplexer. Das vorliegende Kapitel versucht, dieser Komplexität gerecht zu werden, indem es neben geopolitischen und sicherheitspolitischen Sichtweisen auch kulturdiplomatische und bildungspolitische Perspektiven berücksichtigt. Zudem werden Interessen und Handlungsmöglichkeiten der deutschen Seite einbezogen, um den Wert der Konfuzius-Institute als Kooperationen – nicht als»chinesische Institute« – zur Diskussion zu stellen. Konfuzius-Institute in Deutschland 86 Konfuzius-Institute sind eine globale bildungs- und kulturpolitische Initiative des chinesischen Staates, die von der (Quasi-)Bildungsbehörde Hanban( 国家汉语国际推广领导小组 办公室 / Office of Chinese Language Council International) bzw. seit 2020 ihren Nachfolgeinstitutionen CIEF( 中国国际中 文教育基金会 / Chinese International Education Foundation) und CLEC( 中外语言交流合作中心 / Center for Language Edu cation and Cooperation) organisiert und zu einem großen Teil finanziert wird. Kernaufgabe der Konfuzius-Institute ist der Sprachunterricht sowie der Kultur- und Bildungsaustausch. 87 Gegenwärtig existieren in Deutschland 19 Konfuzi us-Institute(s. Abb. 4, S. 20), die zwischen 2006(Berlin) und 2017(Bonn) gegründet wurden. 17 der Institute sind einge tragene Vereine nach deutschem Recht, zwei sind gemeinnützige GmbHs. Die Institute in Deutschland wurden in der Regel auf Basis eines Rahmenvertrags zwischen Hanban und je einer chinesischen und einer deutschen Hochschule gegründet. 88 In einem typischen Finanzierungsmodell werden die Kosten für das Lehrpersonal, einschließlich des chinesischen Vize-Direktorats, Aktivitäten und Lehrmaterialien aus China bezahlt, während die deutsche Partneruniversität die Räume(mit allen damit verbundenen Kosten) sowie Verwaltungspersonal stellt. 89 Aktuell werden jedoch nur noch zehn Konfuzius-Institute in Deutschland als Kooperationen dieser Art geführt. Seit 2020 haben neun deutsche Hoch schulen die Kooperation mit den ursprünglich von ihnen mitgegründeten Konfuzius-Instituten beendet. Dies hat jedoch nicht zur Schließung dieser Institute geführt. Konfuzius-Institute als kommunale Akteure Konfuzius-Institute sind oft innerhalb der örtlichen Kulturszene vernetzt und führen beispielsweise Veranstaltungen mit Museen oder Stadtbibliotheken durch. Auch in inoffizielle China-Netzwerke sind sie – sofern vorhanden – eingebunden. Verschiedene kommunale Akteure haben Anteil an der Arbeit der Institute: Teils sind Kommunen in Trägervereinen oder deren Beiräten als Mitglieder vertreten(z. B. in Freiburg und Nürnberg) oder treten als Kooperationspartner auf(z. B. in München und Erfurt). Wirtschaftsvertreter:innen vor Ort sind häufig ebenfalls in den Vereinen präsent(z. B. die Firma Siemens in Nürnberg-Erlangen). Das Audi-Konfuzius-Institut Ingolstadt ist nach einem seiner Hauptsponsoren benannt, während im Stadtstaat Bremen die Wirtschaftsbehörde zu den Gründungspartner:innen g ehört. 85 Vgl. u. a. Bundesministerium des Innern und für Heimat(2024), S. 322–323. 86 Dieser Abschnitt basiert in Teilen auf der Studie: Kommunen: Kernstück deutscher China-Politik. Entwicklungen und Zukunftsperspektiven, Kapitel 4 und 5. 87 Vgl. Hanban(o. D.), Kapitel 1, Absatz 1, 5 und 11; Hartig(2016), S. 174, 176. 88 Partnerorganisationen im Gastgeberland müssen laut Satzung der Konfuzius-Institute nicht zwangsläufig Hochschulen sein:» Any corporate entity outside of China capable of facilitating language instruction, conducting educational and cultural exchange activities, and meeting the requirements for application as stated in this Constitution and By-Laws may apply to the Confucius Institute Headquarters for the permission to establish a Confucius Institute.« Hanban(o. D.), Kapitel 1, Absatz 9. 89 Vgl. Hartig(2016), S. 106. 20 Friedrich-Ebert-Stiftung e.V.
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Deutsch-chinesische Kooperationen in Bildung und Kultur : Austausch und Zusammenarbeit auf kommunaler Ebene
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