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Deutsch-chinesische Kooperationen in Bildung und Kultur : Austausch und Zusammenarbeit auf kommunaler Ebene
Entstehung
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Reihe von Schließungen auslöste. 99 Doch schon in ihrer An­fangsphase beeinträchtigten gänzlich anders gelagerte, ­interne Herausforderungen die Arbeit der Institute. Beide Entwicklungen führten in China zu Reformbestrebungen. Zunächst brachte die rapide internationale Ausbreitung der Konfuzius-Institute verschiedene Probleme mit sich, insbesondere im Hinblick auf die Qualifikation der aus China entsandten Kräfte. 100 Eine weitere Herausforderung in den Jahren nach Entstehung des ersten Instituts 2004 war, dass die bürokratischen Strukturen der zuständigen chinesischen Regierungsstelle Hanban nicht entsprechend der schnellen Zunahme der Institute mitwuchsen. So agierte Hanban in den letzten Jahren vor seiner Auflösung aus personeller Überforderung tendenziell entscheidungs­schwach und verwaltungsfokussiert. 101 Verbesserungsbe­darf wurde so schon früh deutlich; konkrete Reformbestre­bungen gab es dahingehend mindestens seit 2018. 102 Im Juli 2020 wechselte die Zuständigkeit für die Führung der Konfuzius-Institute von Hanban zu den neu gegründe­ten Einrichtungen CIEF und CLEC, die mit dem chinesi­schen Bildungsministerium affiliiert sind. 103 Die hastige Reorganisation geschah als Reaktion auf den zunehmend kritischen Diskurs sowie auf Vorwürfe zu großer Regie­rungsnähe. Hauptimpuls der Umstrukturierung war der Versuch, das Ende der Konfuzius-Institute in den USA und mehreren Ländern Europas abzuwenden. 104 Die kritische Wahrnehmung der Institute veränderte sich dadurch je­doch nicht. In mehreren Ländern kam es auch danach zu Schließungen und dem Ende von Kooperationen. In Europa wurde die Neuorganisation ohnehin vorwiegend als bloße Umetikettierung rezipiert. 105 Die Konfuzius-Institute sind jedoch nur ein Teil der zunehmend dezentralisierten und diversifizierten Strategie der internationalen Sprach- und Kulturförderung Chinas. 106 Die kooperative Aufstellung der Institute in den Gastgeber­ländern blieb von der Umstrukturierung unberührt, wohl aber hat die Organisationsreform die Verantwortlichkeit der chine­sischen Partneruniversitäten gestärkt; sie sind jetzt auf chi­nesischer Seite die ersten Ansprechpartner für die Institute. Universitäten stehen in der Xi-Ära allerdings mehr als zuvor unter ideologischem Druck. Zudem wurde in jüngerer Zeit CLEC Box 5 Das Center for Language Education and Cooperation (CLEC, 中外语言交流合作中心 ) ist neben der Chinese International Education Foundation(CIEF) eine wei­tere Nachfolgeinstitution der aufgelösten(Quasi-) Bildungsbehörde Hanban. CLEC ist eine mit dem chi­nesischen Bildungsministerium affiliierte öffentliche Institution( 事业单位 ). Es nutzt die Einrichtungen sei­nes Vorgängers Hanban und trägt die Gehälter der Sprach­lektor:innen, die einen nicht unerheblichen An­teil der Ausgaben eines Konfuzius-Instituts ausma­chen. 105 Nominell ist jedoch die CIEF Hauptförderin der Konfuzius-Institute. CLEC ist die zentrale Institution im Bereich der interna­tionalen Sprachförderung Chinas und für die Entwick­lung von Standards für den Sprachunterricht, die Durch­führung von Tests und Zertifizierungen(wie dem HSK), die Bereitstellung von Lehrmaterialien und die Lehrkräf­tequalifizierung verantwortlich. Zudem ist CLEC für Sti­pendien sowie Sprach- und Reiseprogramme zuständig. Mit deutschen Partnern arbeitet das CLEC etwa im Be­reich des Austauschs von Fremdsprachenassistenzkräf­ten sowie im Rahmen der»Chinese Bridge«- und»Sum­mer Camp«-Aktivitäten der Konfuzius-Institute zusam­men. Im Dezember 2024 wurde zwischen der Kultus­­ministerkonferenz und CLEC eine Gemeinsame Absichts­erklärung zur Verstärkung der Zusammenarbeit im Be­reich der Partnersprache an Schulen unterzeichnet. auch die Parteikontrolle in chinesischen Universitäten struk­turell verstärkt. 108 In der Praxis hängt die Qualität der Zu­sammenarbeit auch vom fachlichen und organisatorischen Profil der jeweiligen chinesischen Partner­universität ab. 109 Finanzierung Grundsätzlich sah das kooperative Modell der Konfuzius­Institute eine Finanzierung zu gleichen Teilen durch Han­ban und den Partner im Gastgeberland vor, teils durch die 99  Die höchste Zahl von Schließungen gab es in den USA: Bis Juni 2024 wurden dort 112 Konfuzius-Institute geschlossen, neun existieren weiterhin. Auch in europäischen Län­dern nicht jedoch in Deutschland wurden Institute geschlossen, darunter sämtliche in Schweden. Vgl. Flittner(2020); Li(2024), S. 1–2, 8–11. 100  Vgl. Hartig(2016), S. 108, 110, 176–177; Repnikova(2022), S. 18–19. 101 Vgl. die Einschätzung des deutschen Sinologen Michael Kahn-Ackermann in: Böge(2020); siehe hier auch: Zhu/ Li(2023), S. 498. 102  Vgl. Zentralregierung der Volksrepublik China(2007); Zentralregierung der Volksrepublik China(2018a). 103  Registrierungs- und Verwaltungsbehörde für die CIEF ist laut Website das Ministerium für zivile Angelegenheiten, Aufsichtsbehörde ist das Bildungsministerium. Vgl. Chinese Interna­tional Education Foundation(2020). Das CLEC ist nach eigenen Angaben mit dem chinesischen Bildungsministerium affiliiert. Vgl. Center for Language Education and Cooperation(o. D.). 104 Vgl. Repnikova(2022), S. 18; Zhu/ Li(2023), S. 494, 502. Die These, dass die Organisationsreform lediglich eine geplante bürokratische Umstrukturierung der politischen Administration war, ist nicht völlig überzeugend: Zum einen führte die offenbar schlecht vorbereitete Implementierung zu teils erheblichen Schwierigkeiten in den Instituten vor Ort, z. B. bei Gehaltszahlungen, was für die Hast der Maßnahme spricht. Zum anderen stehen dem Aussagen von Bildungspraktiker:innen mit Einblicken in die Situation von Han­ban entgegen. Es ist jedoch möglich, dass bereits existierende, nicht implementierte Reformüberlegungen in die Reorganisation eingeflossen sind. Vgl. Lulu(2022), S. 2. 105  Vgl. Deutscher Bundestag(2021a), S. 2; Ohlberg(2021); Urhova(2024). Auch die South China Morning Post sprach von einem»Rebranding«, vgl. Zhuang(2020b). 106 Vgl. Li(2024), S. 14–19; Anheier/ Knudsen/ List(2023), S. 37. 107  Vgl. Li(2024), S. 14–17. 108  Vgl. ChinaFile(2024); Ting(2024). 109  Li(2024), S. 16. Konfuzius-Institute 23