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Deutsch-chinesische Kooperationen in Bildung und Kultur : Austausch und Zusammenarbeit auf kommunaler Ebene
Entstehung
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Bereitstellung von Sachwerten. 110 Zusätzlich generieren Konfuzius-Institute in unterschiedlichem Maße eigene ­Einnahmen durch Sprachkurse und andere Aktivitäten, da auch sie der Tendenz internationaler Kultureinrichtungen zur Marktorientierung unterliegen. 111 Seit der Auflösung von Hanban tritt die CIEF auf der chinesischen Seite als Hauptsponsor auf; darüber hinaus erhalten die Institute auch Gelder von ihren chinesischen Partnern(meist Uni­versitäten) sowie vom CLEC. Insgesamt ist die Quelle der Finanzierung auf chinesischer Seite unklar, da Zweifel dar­an bestehen, dass die CIEF als junge Stiftung finanziell gut genug ausgestattet ist, um die Konfuzius-Institute weltweit unterhalten zu können. 112 Schwindende Spielräume Ende Oktober 2021 fand der Vorfall 113 einer»auf chinesi­schen Druck abgesagten« 114 Sachbuch-Präsentation in zwei deutschen Konfuzius-Instituten ein großes Medienecho. 115 Zwei deutsche Journalisten hatten eine Biografie Xi Jin­pings verfasst. Die Vorgänge um die geplante(und schließ­lich auch durchgeführte) Vorstellung im Rahmen der Mar­ketingkampagne für das Buch wurden vor allem im Kontext von Wissenschaftsfreiheit, chinesischer Einflussnahme und Chinas geopolitischen Machtbestrebungen diskutiert. Geplant war ursprünglich eine gemeinsame Online-Lesung der Konfuzius-Institute Hannover und Metropole Ruhr (Duisburg). Nachdem deren chinesische Partneruniversitä­ten Bedenken geäußert hatten, wurde die Veranstaltung in die Trägerschaft des Instituts für Ostasienwissenschaften der Universität Duisburg-Essen übergeben, aber nicht ab­gesagt. Zudem hatte sich der damalige chinesische Gene­ralkonsul in Düsseldorf eingeschaltet, der zwar keine insti­tutionelle Weisungsbefugnis gegenüber dem Konfuzius-In­stitut besaß, aber offenbar trotzdem über die nötige Autorität verfügte, um die Veranstaltung als Angebot der Konfuzius-Institute zu unterbinden. Infolge des durch eine Pressemeldung des Buchverlags ausgelösten Medienechos gaben die beteiligten deutschen Partneruniversitäten der Konfuzius-Institute in Hannover und Duisburg eigene, sich von den Instituten abgrenzende Pressemeldungen 116 heraus und sprachen jeweils eine ei­gene Einladung an die Autoren aus. Am Ende fanden statt der einen geplanten Veranstaltung der beiden Konfuzius­Institute zwei Lesungen an deren deutschen Partneruni­versitäten statt. Zwei schon länger vereinbarte Präsentati­onen des Buches an den Konfuzius-Instituten in Leipzig und Freiburg wurden wie geplant abgehalten. Mit ihren chinesischen Partneruniversitäten führten die Kon­fuzius-Institute im Nachgang Gespräche zur Aufarbeitung. Deutsche wie chinesische Mitarbeiter:innen vor Ort hatten die Veranstaltung im Vorfeld als für das Programm der Insti­tute geeignet eingeschätzt. Der Vorfall zeigt exemplarisch die zunehmend schwierige Dynamik, der das Personal der Konfuzius-Institute bei der inhaltlichen Gestaltung unter­liegt. Im Allgemeinen wird die Programmplanung selbst­ständig von der deutschen Direktion durchgeführt und an­schließend mit der chinesischen Partneruniversität abge­stimmt. Die Ereignisse haben jedoch offengelegt, dass sich beide Seiten in diesem komplexen deutsch-chinesischen Ar­beitsumfeld vor dem Hintergrund systemischer und geopoli­tischer Differenzen in schwindenden Spielräumen bewegen. Für die Konfuzius-Institute in Deutschland hatte die In­tervention aus China schwerwiegende Folgen. Es nutzte nichts, dass die betroffenen Institute in Pressemitteilungen auf die Unabhängigkeit ihrer Programmgestaltung hinwie­sen, 117 die hier zum ersten Mal von der chinesischen Seite infrage gestellt worden sei: Andere kommunale Akteure wie Schulen oder Nachbarschaftszentren gingen auf Dis­tanz. Aufgrund des Eingriffs in die Programmplanung des Konfuzius-Instituts Hannover von chinesischer Seite legte die deutsche Direktorin ihren Posten nieder. Seit 2022 ha ­ben zudem sechs weitere Hochschulen die Kooperation mit Konfuzius-Instituten beendet, ­darunter auch die Leib­niz-Universität Hannover, die sich trotz einer von ihr be­auftragten externen Evaluierung mit positivem Ergebnis für eine organisatorische Trennung entschied. 118 Das Konfuzius-Institut Metropole Ruhr in Duisburg formu­lierte auf Initiative der deutschen Seite in mehreren Ge­sprächsrunden mit den chinesischen Partnern die ­Kooperationsvereinbarung und Satzung im Nachgang neu. 119 Aus chinesischen Diplomatenkreisen wurde gegen­110  Diejenigen Institute, deren deutsche Partnerhochschulen die Kooperation beendeten, haben damit eine wesentliche Einnahmequelle verloren. Vgl. Li(2024), S. 19. In Entwicklungsländern trägt China hingegen oft sämtliche Kosten. Vgl. Yang(2023), S. 11. 111  Vgl. Knudsen(2021a), S. 4. 112  Vgl. Li(2024), S. 16–18. 113  Der Vorfall ist eines von zwei konkreten Beispielen, die meist zur Illustration von Vorwürfen gegen die Konfuzius-Institute herangezogen werden. Der andere Vorfall betrifft das Verhalten der Hanban-Delegation unter Leitung von Xu Lin auf der EACS-Konferenz im Juli 2014 in Braga(Portugal). Vgl. hierzu: European Association for Chinese Studies (2014a); European Association for Chinese Studies(2014b). 114  Vgl. Börsenblatt(2021). 115  Auswahl der Medienbeiträge:»China verbietet Lesungen an deutschen Unis«, bild.de, 23.10.2021;»Konfuzius sagt«, Süddeutsche Zeitung, 26.11.2021;»Xi Jinping lächelt nicht«, Die Zeit, 27.10.2021;»Chinas Arm in Hannover«, taz, 27.10.2021;»Skandal um China-Zensur«, bild.de, 27.10.2021;»Pekings langer Arm in Deutschland«, welt.de, 27.10.2021;»Konfuzius-Institute in der Kritik«, DW, 28.10.2021;»Kritik am Kaiser unerwünscht«, FAZ, 29.10.2021;»Pekings Lehrplan«, Die Zeit, 20.1.2022. 116  Vgl. Leibniz-Universität Hannover(2021); Wittek(2021). 117  Vgl. Konfuzius-Institut Metropole Ruhr(2021); Leibniz-Konfuzius-Institut Hannover(2021). 118  Vgl. Leibniz-Konfuzius-Institut Hannover(2023). 119  Vgl. Konfuzius-Institut Metropole Ruhr(2023). 24 Friedrich-Ebert-Stiftung e.V.