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Deutsch-chinesische Kooperationen in Bildung und Kultur : Austausch und Zusammenarbeit auf kommunaler Ebene
Entstehung
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über der deutschen Direktion mehrfach Bedauern über das unangemessene Agieren ausgedrückt. Die Universität Duis­burg-Essen teilte im Juni 2023 mit, dass die Kooperation mit dem Konfuzius-Institut Metropole Ruhr fortgesetzt würde. 120 bekräftigen oder zu entkräften. Stattdessen sollen implizite wie explizite Konzeptualisierungen der Konfuzius-Institute überblicksartig dargestellt werden. Die zitierte Literatur er­hebt dabei keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Perspektiven auf die Konfuzius-Institute Zwei grundlegende Probleme erschweren die Beschreibung und Wahrnehmung der Konfuzius-Institute. Zum ­einen agieren sie als internationale Kulturinstitute am Schnitt­punkt von Kultur und Außenpolitik und stehen damit vor dem globalen Dilemma dieser Einrichtungen. 121 Während in demokratischen Staaten noch von einem Spannungsfeld der Intentionen von Kulturschaffenden und staatlichen Geldgebern gesprochen werden kann, schlägt in autokrati­schen Systemen wie dem chinesischen die Balance eindeu­tig zugunsten der politischen Seite aus. 122 Dennoch gehört der Kulturaustausch explizit zum Auftrag der Konfuzius-In­stitute und lässt sich nur bedingt instrumentalisieren. Die Schwierigkeit, die Arbeit der Institute zwischen Soft Power, Propaganda, Kulturdiplomatie und weiteren Kategorisie­rungen konzeptionell zu erfassen, bezeichnet der Sinologe Falk Hartig als das»Theorie-Rätsel«. 123 Die Unmöglichkeit, die kaleidoskopische Sicht auf die Konfuzius-Institute in einer alleingültigen Perspektive festzuhalten, begründet sich zudem mit den»vielen Viel­fältigkeiten« internationaler kulturdiplomatischer Institu­tionen, die als Mehrebenensysteme verschiedene Natio­nalstaaten, Koordinationslevel und Akteure beinhalten. 124 Für die Konfuzius-Institute gilt dies aufgrund ihrer koope­rativen Struktur umso mehr. Bisherige Analysen fassen das Arbeitsprinzip der Institute jedoch in der Regel als Top-down-Struktur auf, die mittels lückenloser Parteikon­trolle funktioniert. Handlungsoptionen von Akteuren auf der Arbeitsebene erscheinen in dieser Sichtweise natur­gemäß irrelevant. 125 Die Perspektive der Stakeholder vor Ort wird im Diskurs über die Konfuzius-Institute dement­sprechend bislang kaum strukturell berücksichtigt. 126 Im Folgenden wird versucht, die relevanten Perspektiven aus dem Diskurs zu destillieren. Dabei geht es nicht darum, Kritik oder Vorwürfe, etwa in Bezug auf mangelnde Trans­parenz oder die Thematisierung von Menschenrechten, zu Soft Power und Propaganda Eine vorherrschende Perspektive betrachtet die Konfuzi­us-Institute im Kontext von Chinas Streben nach Soft Power. Diese eine politische Zielsetzung implizierende, aber nicht per se wertende Sichtweise bestimmte den Diskurs im Westen bis etwa 2019. 127 Im chinesischen Kontext trat das Konzept der Soft Pow­er etwa seit 2005 auf; die chinesische Kulturdiplomatie wurde seit Mitte der 2000er-Jahre gezielt verstärkt. 128 Dazu gehörte auch der Aufbau der Konfuzius-Institute. Bis zum Ende der Ära Hu Jintaos 2012 spielte Soft Power in der chinesischen Auslegung des Begriffs als Macht­ressource zum»Ausbau der kulturellen Attraktivität« 129 eine große Rolle(bei gleichzeitiger Zurückhaltung in Rhetorik und Auftreten). Die kulturelle Anziehungskraft im Ausland hatte dabei auch eine innenpolitische Funk­tion, die unter Xi Jinping noch an Bedeutung gewonnen hat: Der innerchinesisch propagierte Diskurs über Chinas Ansehen in der Welt soll zur Abschirmung gegen das Eindringen westlicher Ideale in China beitragen. 130 Hanban vermied den Ausdruck»Soft Power« in Bezug auf die Konfuzius-Institute und betonte stattdessen, wie spä­ter die CIEF, deren Auftrag als Kultur- und Bildungsinstitu­tionen, wohl aus der Befürchtung heraus, als aggressiv oder»politisch« wahrgenommen zu werden. 131 Der auch als»Propaganda-Chef« bezeichnete damalige Vorsitzende der Central Commission for Guiding Cultural and Ethical Progress( 中央精神文明建设指导委员会 ) des Zentralkomitees der KPCh, Li Changchun, bezeichnete die Konfuzius-Insti­tute 2007 hingegen als wichtigen Weg, Chinas Kultur in die Welt zu tragen, den Sprach- und Kulturaustausch mit dem Ausland zu fördern sowie als wichtigen Baustein im Gesamtbild von Chinas Außenpropaganda( 外宣 ). 132 Den Auftrag der Institute formulierte er dabei nicht als das Senden rigider Botschaften, sondern als Sprachförderung und Kulturaustausch. Die Bedeutung des Begriffs»Propa­120  Vgl. Bergmeister(2023). 121  Vgl. Knudsen(2021a), S. 2–3. 122  Vgl. die Einschätzung des deutschen Sinologen Michael Kahn-Ackermann in: Böge(2020). 123  Vgl. Hartig, S. 111. 124 Zhu/ Li(2023), S. 491, 507. 125 Vgl. u. a. Lulu(2022); Soffel/ Shi-Kupfer(2020/2023). 126 Vgl. Hartig, S. 112; Zhu/ Li(2023), S. 492. 127 Vgl. Li(2024), S. 1–2; Repnikova(2022), S. 11; Zambrin(2024), S. 477, 479, 481; Zhu/ Li(2023), S. 499. 128  Vgl. Yang(2023), S. 2. 129  Godehardt(2020), S. 23–24; siehe auch: Zambrin(2024), 470. 130 Vgl. Yang(2023), S. 2; Anheier/ Knudsen/ Todd-Tombini(2024), S. 20. 131  Vgl. Hartig(2016), S. 102; Repnikova(2022), S. 12–13. 132  Vgl. Zentralregierung der Volksrepublik China(2007). Konfuzius-Institute 25