und Bildungsarbeit schon seit Langem stark kontrolliert und reglementiert, nicht zuletzt durch das 2017 in Kraft ge tretene Gesetz zur Regulierung ausländischer Nichtregierungso rganisationen. Zudem sind im Zuge der extremen Versicherheitlichung unter Xi Jinping grundsätzliche Verdächtigungen dieser Art gegen Ausländer:innen bereits üblich. 175 Umso mehr weckt die Replik Befürchtungen im Hinblick auf die Zukunft der gegenseitigen Kulturdiplomatie, bei der auch Deutschland eigene politische Ziele verfolgt. Die Bedeutung von Soft Power durch Kulturdiplomatie ist gerade in Zeiten geopolitischer Spannungen und Rivalitäten wichtiger denn je:»Es mag verlockend sein zu glauben, dass die Bedeutung von Soft Power dadurch abnehmen wird, doch das Gegenteil ist der Fall. Obwohl militärische und wirtschaftliche Macht in[…] Konflikten eine bedeuten de Rolle spielen werden, werden der ideologische Charakter dieser Auseinandersetzungen(die oft als ›Kampf zwischen Autokratie und Demokratie‹ dargestellt werden) und die Notwendigkeit gegenseitigen Verständnisses und Vertrauens letztlich die Bedeutung der Außenkulturpolitik und die Relevanz von Soft Power im weiteren Sinne erhöhen.« 176 Kooperationen mit Konfuzius-Instituten aktiv gestalten Risikoabwägung im Umgang mit chinesischen Akteuren ist und bleibt auch in Bezug auf die Konfuzius-Institute wichtig. Sie sollte aber mit einer ebenso gründlichen Chancenabwägung einhergehen: Die verhältnismäßig wenigen Sinologien und chinabezogenen Studiengänge in Deutschland forschen und bilden künftige China-Expert:innen aus. Es gehört jedoch nicht zu ihren Aufgaben, einer breiteren Öffentlichkeit erste Begegnungen mit Chinas Kultur und Sprache zu ermöglichen. Sprachunterricht (meist im Grundstufenbereich), Kulturveranstaltungen und Austauschprogramme der Konfuzius-Institute setzen genau dort an. In verschiedenen Konfuzius-Instituten finden Veranstaltungen zu politischen oder gesellschaftlichen Themen statt. Während dabei vereinzelt auch Narrativen ein Forum gegeben wird, die in weiten Teilen der deutschen Sinologie und»China-Community« kritisch gesehen werden 177 , bemühen sich andere Institute darum, kein belangloses Chinabild zu vermitteln, etwa in Freiburg, Trier und in Leipzig, wo 2021 die Vortragsreihe 100 Jahre Kom munistische Partei Chinas – woher und wohin? mit Vortragenden von mehreren deutschen Universitäten und dem Mercator Institute for China Studies abgehalten wurde. 178 Die Institute in Heidelberg, Göttingen und Bonn unterstützen die Organisation von Tagungen zur Chinesisch-Didaktik, die sonst kaum finanziell durchführbar wären. 179 Darüber hinaus bieten die Vortragsprogramme vieler Institute einer interessierten Öffentlichkeit Zugänge zu künstlerischen, technologischen und weiteren Themen, die selten in anderen Diskursen vertieft werden. Die Institute erfüllen also niedrigschwellig einen Bildungsauftrag, der – unabhängig davon, wie man seine Ausführung im Einzelnen bewertet – in Deutschland anderweitig kaum abgedeckt wird. Darüber hinaus bieten sie als Kooperationsformat auch einen etablierten Kanal für Austausch und Kommunikation mit der chinesischen Seite und schaffen Wissen über die Gestaltung und Substanz chinesischer Kultur- und Bildungsaußenpolitik. Deutsche und chinesische Mitarbeiter:innen gestalten die inhaltliche Ausrichtung gemeinsam. So kommunizieren und verhandeln sie in der täglichen Zusammenarbeit deutsche und chinesische Positionen immer wieder neu. 180 Als Anlaufstelle eines interessierten, vorwiegend nicht akademischen Publikums befriedigen Konfuzius-Institute einen gesellschaftlichen Bedarf. Die erworbenen Kenntnisse und erlebten Begegnungen schaffen zumindest eine Früh- oder Vorstufe von China-Kompetenz. Vor allem solange es in Deutschland nicht genügend Alternativen gibt, sollte dieser Beitrag nicht leichter Hand verworfen werden. Stattdessen stellt sich die Frage, wie sich der künftige Umgang konstruktiv gestalten lässt. Gegenwärtig gibt es drei typische Szenarien für den Umgang deutscher Hochschulpartner mit den Instituten: 1. Reaktiver Umgang: Als Reaktion auf das veränderte Verhältnis zu China und die damit einhergehende Kritik an den Kooperationen wird die Zusammenarbeit formal beendet. Drohender Reputationsschaden kann zu dieser Abstoßungsreaktion beitragen. Die betroffenen KonfuziusInstitute arbeiten mit geringerem Budget; die Verantwortung für die inhaltliche Programmplanung kann auf die chinesische Seite übergehen, sofern kein starkes Engagement des Trägervereins oder keine Personalkontinuität in der Leitung der Institute besteht. Wahrscheinliche Folge: Weniger Systemleistungen in Bezug auf China-Kompetenz, Kulturaustausch und Kommunikationskanäle. 2. Passiver Umgang: Trotz des veränderten Verhältnisses zu China und der damit einhergehenden Kritik an den Kooperationen wird die Zusammenarbeit aufrechter175 Vgl. Frenzel/ Godehardt/ Pantekoek/ Schulze(2024), S. 11–12. 176 Anheier/ Knudsen/ List(2023), S. 5:»While it may be tempting to think that the importance of soft power will be diminished as a result, the opposite is true. Although mili tary and economic power will play a significant role in[…] conflicts, the ideological nature of these struggles(which are often framed as a ›struggle between autocracy and demo cracy‹) and the need for mutual understanding and trust will ultimately enhance the importance of ECP[External Cultural Policy] and the relevance of soft power more broadly.« 177 Vgl. Alpermann, Björn(2024); Konfuzius-Institut an der Freien Universität Berlin(2024). 178 Vgl. u. a. Konfuzius-Institut an der Universität Freiburg(2024); Konfuzius-Institut Leipzig(2021); Konfuzius-Institut Trier(2024). Siehe hierzu auch: Schlüter(2024). 179 Vgl. Guder(2024). 180 Vgl. Die Bundesregierung(2023), S. 61:»Durch die zunehmende Bedeutung Chinas wächst der Bedarf an Menschen mit China-Expertise. Dazu gehören u. a. Sprachkompetenz, interkulturelle Kompetenz und landeskundliche Fachkompetenz, Wissen um die Ziele des globalen Engagements Chinas und praktische Erfahrung in der bilateralen Zusammenarbeit im Kontext des chinesischen politischen Systems«[Hervorhebung der Autorin]. Siehe hierzu auch: Schlüter(2024). 32 Friedrich-Ebert-Stiftung e.V.
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Deutsch-chinesische Kooperationen in Bildung und Kultur : Austausch und Zusammenarbeit auf kommunaler Ebene
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