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Deutsch-chinesische Kooperationen in Bildung und Kultur : Austausch und Zusammenarbeit auf kommunaler Ebene
Entstehung
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halten. Die deutsche Hochschule grenzt sich jedoch so weit wie möglich von der Arbeit des Konfuzius-Instituts ab. Inhaltliche Aushandlungsprozesse finden kaum statt. Das Institut wird sich selbst überlassen. Wahr­scheinliche Folge: Weniger Systemleistungen in Bezug auf China-Kompetenz, da keine echte Verantwortung für die Gestaltung der Kooperation übernommen wird. 3. Aktiver Umgang: Angesichts des veränderten Verhält­nisses zu China und der damit einhergehenden Kritik an den Kooperationen wird die Zusammenarbeit wei­terhin bewusst gestaltet. Es werden relevante Schwer­punkte gesetzt, beispielsweise im gesellschaftlich-poli­tischen oder sprachdidaktischen Bereich. Eine einge­hende Prüfung der Kooperation in Bezug auf den Mehrwert für die Hochschule kann jedoch auch zum Aufgeben der Kooperation führen. Wahrscheinliche Folge bei fortgesetzter Kooperation: Mehr Systemleis­tungen in Bezug auf China-Kompetenz, Kulturaus­tausch und Kommunikationskanäle, vor allem in qua­litativer Hinsicht. Bei den deutschen Stakeholdern der Konfuzius-Institute neben den Hochschulen sind dies Kommunen, Unter­nehmen und weitere kommunale Akteure hat der Dis­kurs ereits zu mehr Auseinandersetzung geführt und das Bewusstsein für nötige Transparenz und mögliche Ri­siken verstärkt. Häufig, aber nicht zwangsläufig, hat dies zu einer Distanzierung geführt. Eine Alternative wäre, dass die deutsche Seite ihr Engagement mit der Zielset­zung einer fruchtbaren Kooperation verstärkt. Der öffent­liche Diskurs um die Konfuzius-Institute kann bei aller Pauschalität Anstoß dazu geben, dass deutsche Partner den Modalitäten der Kooperation mehr Aufmerksamkeit widmen und sich insbesondere ihre eigenen Zielsetzun­gen und Interessen bewusst(er) machen. Das Potenzial der Institute auszuschöpfen, verlangt von deutschen Ver­tragspartnern mehr Verantwortung und weniger Gleich­gültigkeit, etwa bei der Besetzung von Direktionsposten und dem Einbringen in den Trägerverein. Auch Trägerver­eine selbst können eine aktiv gestaltende, nicht nur ver­waltende Rolle spielen, wenn die deutsche Seite sich ent­sprechend einbringt. Die Kritik der letzten Jahre hat dazu beigetragen, dass einige Konfuzius-Institute sich in ihrem Webauftritt klar zur Freiheit von Lehre und Forschung positionieren und auch darüber hinaus deutlich um Transparenz bemüht sind. So haben die Institute in Bonn, Heidelberg, Leipzig und Stralsund ihre Vereinssatzungen veröffentlicht; das Konfuzius-­Institut Metropole Ruhr in Duisburg hat seine nach dem»­ Lesungsvorfall« neu verhandelte Kooperati­onsvereinbarung online gestellt. In Trier sind sowohl Ver­einbarung als auch Satzung auf der Website nachzule­sen. Insbesondere die Institute in Hannover, Heidelberg und Nürnberg-Erlangen stellen ihre Organisationsstruktur und Arbeitsprämissen ausführlich dar. Es ist wünschens­wert, dass sich weitere Insti­tute diesen transparenten Umgang als Beispiel nehmen. Den chinesischen Partnern muss deutlich kommuniziert werden, dass die Institute als Vereine oder gemeinnützi­ge GmbHs in Deutschland nach deutschem Recht und demokratischen Regeln funktionieren. China legt Wert auf den Erhalt der Institute; chinesische Universitäten haben sich bisher aus keinem Institut zurückgezogen. Dies gibt der deutschen Seite Sicherheit in der Koopera­tion, zumal keine deutsche Hochschule auf die Verbin­dung mit einem Konfuzius-Institut angewiesen ist der Umstand, dass innerhalb weniger Jahre neun Hochschu­len die formale Zusammenarbeit beenden konnten, un­terstreicht dies. Klar ist aber auch: Die Kooperation innerhalb der Konfu­zius-Institute wird selten frei von Herausforderungen sein. Eine systemische Sicht, die neben dem Blick auf geopolitische Spannungen und Rivalitäten auch Bedeu­tung und Ziele der Kulturdiplomatie sowie realistische Kapazitäten zum Ausbau von China-Kompetenz in Deutschland einbezieht, kann jedoch einen veränderten Blick auf die Konfuzius-Institute bewirken. In diesem Sin­ne kann es sich lohnen, wenn sich Hochschulen, Kommu­nen und andere deutsche Akteure eher mehr als weniger in die Kooperationen mit den Konfuzius-Instituten ein­bringen. Der Bedarf auch für diese Dimension von China­Kompetenz ist vorhanden. 34 Friedrich-Ebert-Stiftung e.V.