6 Fazit und Empfehlungen Die Rolle der Kommunen Wissen allein schafft weder Handlungsfähigkeit noch Handlungsbereitschaft. Im Umgang mit chinesischen Akteuren braucht es darüber hinaus vor allem interkulturelle und möglichst auch kommunikative Kompetenzen. Vertreter:innen der Kommunen kennen ihre Bedarfe und betonen zugleich, dass China-Kompetenz im kommunalen Kontext auch durch Erfahrung aufgebaut wird. Ein wesentlicher Baustein sind dabei Begegnungserfahrungen durch Kooperationen, durch gesellschaftlich-kulturellen Austausch und Kontakt mit Menschen der chinesischen Diaspora in Deutschland. All dies wird in Kommunen mit China-Engagement sowohl administrativ als auch zivilgesellschaftlich ermöglicht. Kommunale Außenbeziehungen vollziehen sich zu einem wesentlichen Teil durch Kultur- und Bildungskooperationen, die teils durch Mittlerorganisationen und Initiativen des Bundes und der Länder wie das Goethe-Institut und den Pädagogischen Austauschdienst(PAD) mitgestaltet werden. In vielen Rathäusern wird die Bedeutung des Bildungsbereichs im Rahmen von deutsch-chinesischen Kommunalbeziehungen sehr hoch eingeschätzt. Kommunen sehen Bildungsaustausche als präventives Format zur Etablierung von Kommunikationskanälen mit langfristigem gesellschaftlichem und politischem Nutzen und als Beitrag zu mehr China-Kompetenz. Viele Kommunen flankieren den Schulaustausch ideell durch verschiedene Unterstützungsangebote sowie nach Möglichkeit finanziell. Angesichts schwindender überregionaler Förderungen und zunehmender Unsicherheiten sind Kommunen daher wichtige Akteure mit wachsender Bedeutung im deutsch-chinesischen Schulaustausch. → Wo keine finanzielle Unterstützung für den Schulaustausch geleistet werden kann, wächst die Bedeutung ideeller Hilfestellung. Neben den Kommunen sind hier auch die Länder gefragt, etwa durch Formate zur Vernetzung von Stakeholdern. → Sprachförderung sollte ein wichtiger Inhalt von Kommunalbeziehungen sein, insbesondere im Jugendbereich – für mehr China-Kompetenz und lebendige Beziehungen. Deutsch-chinesischer Schulaustausch Bildungspraktiker:innen im internationalen Jugend- und Schulaustausch verweisen auf den Mehrwert dieser Begegnungen, die neben der persönlichen und sozialen auch eine politische Dimension aufweisen. Dies gilt vor allem für den deutsch-chinesischen Austausch, der mit Fokus auf die Lebenswirklichkeit einer außereuropäischen Kultur und Gesellschaft zudem besondere sprachliche und interkulturelle Lernzuwächse verspricht. In langfristigen Schulpartnerschaften bemühen sich beide Seiten um eine funktionierende Beziehung und bauen somit eine Kommunikation auf, die angesichts wachsender Verunsicherung immer wichtiger wird. Das Hauptproblem bei der Durchführung von deutschchinesischen Schulaustauschen ist die Finanzierung. Von der durch Teuerung und den Wegfall von Fördermöglichkeiten ausgelösten existenziellen Krise sind alle außereuropäischen internationalen Schulaustausche in Deutschland betroffen. Insbesondere der deutsch-chinesische Schulaustausch – ein früher Ansatzpunkt für China-Kompetenz in der Biografie – droht zum Elitenprojekt zu werden. → Die finanziellen Fördermöglichkeiten für den deutschchinesischen Schulaustausch müssen wieder verbessert werden. Geschieht dies nicht, geraten insbesondere Schulaustausche mit fernen Ländern wie China zu Instrumenten sozialer Selektion. → Im Umgang mit Verunsicherungen bedarf es einer konstruktiven schulischen und gesellschaftlichen Diskussionskultur und soliden Wissensbasis, nicht nur in Bezug auf aktuelle China-Themen, sondern auch wenn es um den Sinn des Bildungs- und Kulturaustauschs geht: China-Kompetenz in der Politik und in der Bildung findet nicht in getrennten Welten statt. Kommunen und Länder ebenso wie weitere Akteure können hier durch die Ausrichtung von Runden Tischen oder ähnlichen Formaten wertvolle Unterstützung leisten. Konfuzius-Institute in Deutschland Der öffentliche und politische Diskurs um die KonfuziusInstitute wird derzeit vorrangig aus der Perspektive von Geopolitik und Systemrivalität geführt. Bildungspolitische und kulturdiplomatische Sichtweisen bleiben meist unberücksichtigt. Doch Konfuzius-Institute sind in ihrer Arbeitspraxis zuvorderst Institutionen der Sprachförderung und des Kulturaustauschs. Die Vermittlung von ChinesischKenntnissen ist ein gemeinsames Interesse von Deutschland und Europa mit China. Fazit und Empfehlungen 37
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Deutsch-chinesische Kooperationen in Bildung und Kultur : Austausch und Zusammenarbeit auf kommunaler Ebene
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