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Demokratie macht Schule?! : Politische Bildung und Demokratiebildung an Berliner Schulen 2024/25
Entstehung
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6.3 Politische Einstellungen der Schüler:innen 6.3.1 Interesse an Politik: insgesamt groß mit bekannten Diskrepanzen Die Frage nach dem politischen Interesse ist ein erstes Indiz dafür, inwiefern Politik eine Relevanz für die Befragten hat. Angenommen wird, dass mit dem politischen Interesse auch die Partizipationsbereitschaft positiv zusammenhängt(vgl. Weßels 2024; Verba/Schlozmann/Brady 1995). 54 Die sozialpsychologisch ausgerichtete Partizipationsforschung geht davon aus, dass, wenn Personen sich für Politik inte­ressieren, sie sich auch politisch informieren(vgl. Kap. 6.3.3), darüber austauschen (Kap. 6.3.2) und möglicherweise aktiv werden(Kap. 6.3.4). Insofern ist ein Ziel von politischer Bildung und Demokratiebildung, Interesse zu wecken. Dies wird beispielsweise mit der Berücksichtigung politikdidaktischer Prinzipien verfolgt (vgl. Kap. 6.1.5), um intrinsisch im Unterricht für ein bestimmtes Thema zu moti ­vieren. Politisches Interesse selbst ist auch ein Aspekt der Politikkompetenz, neben Einstellungen und Selbstwirksamkeit(Detjen et al. 2012), beziehungsweise ein Aspekt der civic literacy(Alscher/Ludewig/McElvany 2022). In der vorliegenden Studie konnten die Befragten auf einer vierstufigen Skala angeben, wie stark sie sich im Großen und Ganzen für Politik interessieren (1 =[Ich bin] gar nicht interessiert bis 4 =[Ich bin] stark interessiert). Die Mittel ­werte können zu den KategorienGar nicht bis wenig interessiert(MW bis 2,4) sowieInteressiert bis stark interessiert(MW ab 2,5) zusammengefasst werden. In der Gesamtkohorte zeigt sich im Durchschnitt ein großes Interesse an Politik (MW = 2,8, vgl. Tab. 37). Die Befragten der ISS/GemS in den Jahrgangsstufen 9–10 sowie die Befragten der OSZ/beruflichen Schulen geben im Mittel ein etwas ge­ringeres Interesse an(MW = 2,5/2,7) als die Gymnasialschüler:innen der Klassen 9–10(MW = 2,8). In der gymnasialen Oberstufe zeigen sich die befragten Schü ­ler:innen beider allgemeinbildender Schulformen überdurchschnittlich interessiert (MW Gymnasium = 3,3, MW ISS/GemS = 3,4). Das größere Interesse der Schüler:in ­nen in der gymnasialen Oberstufe lässt sich zumindest in Teilen nicht nur mit dem zunehmenden Alter, sondern möglicherweise auch mit der Kurswahl Politikwissenschaft erklären. Auch wenn sich die Ergebnisse nicht mit denen der Vorgängerstudien direkt vergleichen lassen, 55 scheint das Interesse der Schü­54  Vgl. hierzu Kap. 6.3.4. In dieser Studie zeigt sich erstaunlicherweise kein enger Zusammenhang. 55  So wurde die Skala beispielsweise von einer fünfstufigen in eine vierstufige umgewandelt, um die Tendenz zur Mitte auszuschließen. 138 Friedrich-Ebert-Stiftung e.V.