7.2(Kein!) gleicher Zugang zu politischer Bildung und Politikkompetenz nach Klasse 10: große Diskrepanz zwischen allgemeinbildenden und OSZ/beruflichen Schulen Besonders drastisch ist der Unterschied angebotener politischer Bildung nach Klasse 10 zwischen den allgemeinbildenden und den OSZ/beruflichen Schulen. Über fast alle Fragen hinweg zeigt sich eine strukturelle, soziale, politische Ungleichheit. Trotz der nur vorsichtig möglichen Rückschlüsse auf die tatsächliche Umsetzung des Bezugsfachs der politischen Bildung an den OSZ/beruflichen Schulen lässt sich sagen, dass diese an keiner anderen Schulform quantitativ und qualitativ so prekär aufgestellt ist. Die Schüler:innen an den OSZ/beruflichen Schulen berichten in der Mehrheit von lediglich ein bis zwei Stunden 116 oder gar keinem Politikunterricht, 117 während es drei bis fünf Stunden an den allgemeinbildenden Schulen in der gymnasialen Oberstufe sind. Der geringere Stundenumfang mag auch die Wahrnehmung der Schüler:innen an den OSZ/beruflichen Schulen beeinflussen, dass ihr Unterricht weniger problemorientiert, exemplarisch oder handlungsorientiert sei und damit weniger den politikdidaktischen Prinzipien entspreche, dafür aber langweiliger, oberflächlicher und komplizierter sei. Sie geben auch seltener an, in der Schule über Politik zu diskutieren. Dies ist insofern berichtenswert, als relevante(statistische) Zusammenhänge existieren zwischen politischen Diskussionen und Selbstwirksamkeit(r = 0,44, n = 943) sowie dem Be dürfnis, sich über Politik zu informieren(r = 0,43, n = 1.085) und diese beeinflus sen zu können(r = 0,38, n = 1.084). Darüber hinaus nehmen die befragten Schüler:innen an den OSZ/beruflichen Schulen nur teilweise eine Förderung domänenspezifischer Kompetenzen wahr – und durchgehend in etwas geringerem Umfang als die Schüler:innen der Klassen 9–10. Dies steht im auffälligen Gegensatz zu einer fast durchgehend starken Wahrnehmung der Kompetenzförderung in der gymnasialen Oberstufe. Somit profitieren die Befragten an den OSZ/beruflichen Schulen nicht von einem Mehr an Stunden des Politikunterrichts wie in der gymnasialen Oberstufe an den allgemeinbildenden Schulen und damit möglichen positiven Effekten, die damit 116 Da in der Regel in Blöcken unterrichtet wird, ist bei der Angabe„eine Stunde“ davon auszugehen, dass es sich um eine Doppelstunde handelt. 117 Dies kann damit erklärt werden, dass der Unterricht in den beruflichen Bildungsgängen zum Beispiel auch als Block oder epochal angeboten wird, oder es handelt sich um Schüler:innen, die das Fachabitur an einem Oberstufenzentrum machen und Politik nicht als Grund- oder Leistungskurs gewählt haben. Schüler:innen, die in der gymnasialen Oberstufe keinen Kurs Politikwissenschaft wählen und damit auch keinen Politikunterricht haben, gibt es natürlich auch an den allgemeinbildenden Schulen. Kernaussagen und Handlungsempfehlungen 317
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Demokratie macht Schule?! : Politische Bildung und Demokratiebildung an Berliner Schulen 2024/25
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