7.10 Politische Handlungs- und Mitgestaltungsmöglichkeiten an Schule: Entwicklungspotenziale Bei der Förderung politischer Handlungs- und Mitgestaltungsmöglichkeiten an Berliner Schulen besteht Luft nach oben. Für den Politikunterricht selbst offenbart sich dies sowohl bei den Fragen nach den didaktischen Prinzipien(Handlungsorientierung) als auch nach der wahrgenommenen Kompetenzförderung. Die Schüler:innen stimmen zurückhaltender zu, wenn nach simulativen politischen Handlungsmöglichkeiten(zum Beispiel Debatten, Rollenspiele, Talkshows) oder auch realen politischen Handlungsmöglichkeiten(zum Beispiel mit Politiker:innen in Kontakt treten, Leserbrief/E-Mail formulieren) gefragt wird. Zugleich verzeichnet bei der Erfassung des Schulklimas das Item„Meine Schule ist für mich ein Ort, an dem ich aktiv mitgestalten kann“ die geringste Zustimmung von allen Aussagen. Zwischen knapp 9 % und knapp 38 % der befragten Schüler:innen ge ben an, von Formaten der Mitbestimmung und-gestaltung in ihrer Schule nichts zu wissen. Dass diese Aspekte in der demokratischen Schule gestärkt werden sollten, unterstreichen einerseits die Angaben der befragten Schüler:innen, dass sie sich hinsichtlich politikbezogener Aktionen insgesamt nur teilweise politisch selbstwirksam empfinden(vgl. Kap. 6.3.3). Andererseits verweisen Untersuchun gen darauf, dass Partizipationserfahrungen, beispielsweise in der Schule, insgesamt positiv auf weitere Partizipation und Bereitschaft dazu wirken können (Quintelier/van Deth 2014). Dabei sollte aber„Scheinpartizipation“ vermieden und echte Mitgestaltung bei Fragen, die die Schüler:innen direkt betreffen(zum Beispiel Unterrichtsinhalte, Methoden, Zusammenleben in der Schule), ermöglicht werden(vgl. Kap. 6.2.3), welche möglicherweise strukturelle Grenzen kritisch hinterfragt und nach Veränderungen für mehr Mitbestimmungs- und Gestaltungsmöglichkeiten sucht. Nicht zuletzt ist Schule einer der wenigen Orte – in Zeiten von Filterblasen und Segregation –, an denen(junge) Menschen in vergleichsweise(sozial, ökonomisch, kulturell, religiös) heterogenen Gruppen miteinander Aushandlungsprozesse und soziales Miteinander gestalten(lernen) können. Neben der Professionalisierung von Lehrkräften liegt die Verantwortung für eine erfolgreiche demokratische Schulentwicklung und ein demokratisches Schulklima (SWK 2024) bei Schulleitungen und auf ministerialer Ebene. Es bedarf Rahmenbe dingungen für die Umsetzung von Teilhaberechten(Mitgestaltung) wie auch von Schutzrechten(Schutz vor Diskriminierung, Mobbing, seelischer Gewalt). Ein demokratisches Schulklima sollte als ein entscheidender Indikator für die Qualität von Schulen verstanden werden. Das heißt, diese Dimension muss entlang von Kriterien auch bei Qualitätsanalysen wie Schulinspektionen verpflichtend einbezogen werden. Kernaussagen und Handlungsempfehlungen 333
Druckschrift
Demokratie macht Schule?! : Politische Bildung und Demokratiebildung an Berliner Schulen 2024/25
Entstehung
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten