Eine höhere Wahlpräferenz für die AfD und das BSW zeigt sich bei Befragten, die mit geringem kulturellen Kapital positioniert sind und über keine familiäre Migrationsgeschichte verfügen. Sie haben auch ein geringeres Vertrauen in die Demokratie und deren Werte als ihre Vergleichsgruppen, sie lehnen außerdem menschenfeindliche Einstellungen weniger deutlich ab und fühlen sich von allen Gruppen am wenigsten politisch selbstwirksam. Auch Schüler:innen der OSZ/ beruflichen Schulen zeigen in den Antworten auf die Sonntagsfrage eine höhere Absicht, die AfD und das BSW zu wählen oder sich bei einer Wahl zu enthalten, als diejenigen an anderen Schulformen. Die Ergebnisse zu diesen drei Gruppen lassen sich als Handlungsauftrag an Politiker:innen, Parteien und politische Bildung lesen, bessere Zugänge zu finden, vermehrt Angebote entlang der Interessen der Schüler:innen zu unterbreiten. Politische Bildung muss an denjenigen Schulen noch umfassender institutionalisiert und professionalisiert werden, die Schüler:innen mit diesen sozialen Merkmalen, vor allem mit einem geringen kulturellen Kapital und/oder Migrationsgeschichten, vermehrt besuchen: an den OSZ/beruflichen Schulen sowie Sekundarund Gemeinschaftsschulen, vor allem in der Sekundarstufe 1. Schließlich besucht ein großer Teil der Berufsschüler:innen bis Klasse 10 die Sekundar- und Gemein schaftsschulen und sie könnten hier frühzeitig von einer ansprechenden politischen Bildungsarbeit erreicht werden. 7.16 Ablehnung Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit: trotz Anerkennung von Vielfalt auch Handlungsbedarfe Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit(GMF) ist in der Mitte der Gesellschaft verankert und wird somit auch in Schule und Unterricht sichtbar. Zugleich handelt es sich hierbei um Orte, an denen einerseits Zuschreibungen, Vorurteilen und Stereotypen pädagogisch begegnet werden kann, andererseits Schüler:innen Vielfalt als gesellschaftliche Realität erleben. Hier können sie lernen, mit den aus Vielfalt und Pluralität entstehenden kontroversen Interessen, diversen Identitäten, Herausforderungen und Aushandlungsprozessen konstruktiv umzugehen. Die befragten Schüler:innen lehnen im Durchschnitt verschiedene Dimensionen Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit ab, am deutlichsten Antisemitismus. Dieser mache ihnen vor allem Angst. Des Weiteren lehnen sie Rassismus gegenüber Migrant:innen und Hetero-/Sexismus ab, es folgen antimuslimischer Rassismus, Rassismus gegenüber Asylsuchenden sowie Klassismus. Es zeigt sich insgesamt eine hohe Zustimmung zu migrationsbedingter Vielfalt, was sich vom aktuellen gesamtKernaussagen und Handlungsempfehlungen 343
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Demokratie macht Schule?! : Politische Bildung und Demokratiebildung an Berliner Schulen 2024/25
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