Programm der Sächsischen Volkspartei, beschlossen auf der Landesversammlung in Chemnitz 1866
Vorbemerkung des Herausgebers
Der preußisch-österreichische Krieg von 1866 stellte die deutsche Arbeiterschaft vor die Entscheidung, ob sie sich auf den Boden dieser durch eine»Revolution von oben« geschaffenen Zustände stellen wolle oder nicht. Im Gegensatz zum ADAV, der trotz vieler Vorbehalte prinzipiell die Chancen der neuen Gegebenheiten auszunutzen suchte, lehnten August Bebel und Wilhelm Liebknecht weiterhin jede Art von obrigkeitsstaatlich oktroyierter Reichseinheit ab und sprachen sich für eine demokratische Einigung in großdeutschem Rahmen aus. Dieser Standpunkt wurde besonders deutlich im sog. Chemnitzer Programm der Sächsischen Volkspartei, die unter ihrer Führung am 19. August 1866 von Delegierten sächsischer Arbeitervereine(mehrheitlich aus den Arbeiterbildungsvereinen, in der Minderheit ADAVer), aber auch bürgerlichen Demokraten gegründet worden war. Diese Partei schloss sich der Deutschen Volkspartei an, weil sie eine Zusammenfassung aller demokratischen Kräfte gegen die preußische Reaktion für nötig erachtete, und verzichtete(im Gegensatz zum ADAV) auf die Konstituierung als selbständige Arbeiterpartei, obwohl sie überwiegend aus Arbeitern bestand. Nach dem Organ des Lassalleschen Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins»Freie Zeitung«(Nr. 38/39 vom 17. Oktober 1868, S. 156; Art.»Fortschrittlich-reactionäre Agitation«) fehlt in der hier abgedruckten Fassung des»Demokratischen Wochenblattes« der Satz: »Die Lösung der sozialen Frage sei nur möglich durch Gründung von Produktiv-Assoziationen nach den Prinzipien Ferdinand Lassalles.« Diese Diskrepanz ist leider nicht mehr zu klären.