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Wege, Umwege und Dritte Wege zu einem sozialen und demokratischen Europa
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Eurokolleg 44(2000) Wege, Umwege und Dritte Wege zu einem sozialen und demokratischen Europa Von Michael Dauderstädt Die europäische Integration wenig sozial und noch weniger demokratisch Europas Sozialdemokratie nur zögerlich europäisch Dritte und andere Wege aus Europas verschiedenen Krisen Von der Standortkonkurrenz zum Politikwettbewerb Steinige Wege zur Wohlfahrtsunion Mehrebenendemokratie wagen! Zusammenfassung: 1. Die langjährige Dominanz liberaler (und konservativer) Politik und die ein­seitige Betonung der Marktintegration haben in Europa ein Defizit an demo­kratischer Kontrolle, insbesondere der Marktprozesse, verursacht. Die soziale Rolle der Union Vollbeschäftigung, so­zialer Ausgleich ist trotz einiger Ergän­zungen, vor allem seit dem Vertrag von Amsterdam 1997, relativ unterentwik­kelt. Dies wiegt um so schwerer, je un­befriedigender das Ergebnis der markt­gesteuerten Entwicklung ist, wenn also Arbeitslosigkeit, Armut und Ungleichheit zunehmen. 2. Diese Entwicklung reflektiert auch den relativ geringen Einfluss der euro­päischen Sozialdemokratie auf den Inte­grationsprozess. Deren Einwirkungspo­tential war anfänglich durch starke Euro­paskepsis und unterschiedliche natio­nale Prioritäten reduziert. Dabei waren die Unterschiede zwischen den Partei­en in den „nationalpolitischen“ Fragen größer als in den „klassenpolitischen“ (Beschäftigung, Verteilung). Je mehr Sozialdemokraten national die Macht innehatten, desto weniger kooperierten sie auf europäischer Ebene. Diese Ge­fahr droht auch dem jüngsten Versuch einer gemeinsamen Strategie, dem „Dritten Weg“. 3. Diese gemeinsame Strategie ist aber weitgehend eine Fiktion. Denn Europas gemeinsame Krise von Massenarbeits­losigkeit und Überlastung der Sozialpo­litik trifft die einzelnen Mitgliedstaaten dank ihrer unterschiedlichen Strukturen unterschiedlich. Entsprechend differen­ziert fallen die nationalen Krisenstrate­gien aus. Ende der 90er Jahre sind über­all Fortschritte sichtbar. Fast alle Län­der haben die Arbeitslosigkeit, ihre Haushaltsdefizite und die Staatsquote abgebaut. Die Vielfalt der dabei verfolg­ten Wege zeugt vom immer noch vor­Reihe Eurokolleg 44(2000) 1