Druckschrift 
Konstitutionelle Monarchie in Nepal in Gefahr?
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

Juni 2001 Konstitutionelle Monarchie in Nepal in Gefahr? Alfred Diebold, FES Kathmandu Am 1. Juni wurde der nepalesische König Birendra, die Königin Aishwarya und weitere Angehöri­ge der Königsfamilie im Palast in Kathmandu getötet und verletzt. Ein Angehöriger des Königshauses, Rajiv Shahi, macht den verstorbenen König Dipendra für die Tat verantwortlich und nennt ihn einen Mörder. Dipendra habe zuerst König Birendra, dann seine Familienangehörige und zuletzt sich selbst getötet. Thronfolger Dipendra, der am 2. Juni zum König ernannt wurde, verstarb am 3. Juni. Der jüngere Bruder des getöteten Königs, Gyanendra, tritt die Nachfolge von Dipendra an. Die Bevölkerung akzeptiert den neuen König nur zögerlich, hauptsächlich wegen seinem Sohn, Paras Shah, der charakterlich nicht als Thronfolger geeignet erscheint. Es wird befürchtet, dass die maoistische Untergrundbewegung, gestärkt aus den Ereignissen her­vorgehen könnte. Premierminister Koirala wird es schwer haben, politische Stabilität dem Land zurück zu geben. Der neue König bekennt sich zur konstitutionellen Monarchie. Eine Untersuchungskommission beginnt mit ihrer Arbeit am 8. Juni. Vom Ergebnis der Kommission wird es abhängen, ob das Land zur Ruhe kommt und die konstitu­tionelle Monarchie in Nepal gefestigt werden kann. Was geschah am Freitag, dem 1. Juni, im Kö­nigspalast von Kathmandu wirklich? Ist es denkbar, dass der Thronfolger Dipendra(29) im Alleingang seine Eltern König Birendra(56) und Königin Aishwarya(52), den jüngsten Bruder des Königs Dihendra, seine Schwestern Shruti und Jayanti, seinen Bruder Nirajan, die zwei Schwestern von König Birendra kaltblü­tig erschossen und weitere Mitglieder der Kö­nigsfamilie getötet und verletzt hat? Erste Meldungen der Agenturen am Abend nach der Tat um 21 Uhr boten bereits die Erklä­rung: Der Kronprinz wollte Devyani Rana(22), die Tochter eines früheren Ministers und einer indischen Adligen heiraten. Die Königin sei dagegen gewesen. Aus Uneinsichtigkeit und Verzweiflung habe er beim gemeinsamenbendessen fast seine gesamte Familie erschos­sen. Nach dem Blutbad soll der Kronprinz zum Familientempel im Palast gegangen sein und sich dort in den Kopf geschossen haben. Erst am 6. Juni konnte man in der internatio­nalen Presse die Berichte eines Augenzeugen lesen. Nach Aussagen von Rajiv Shahi, einem Militärarzt, der mit einer Tochter des jüngsten Bruders des getöteten Königs Birendra verhei­ratet ist, und an dem Familientreffen im Palast anwesend war, hatte tatsächlich der Kron­prinz Dipendra in einem betrunkenen Zustand die Tat verübt. In Einzelheiten beschreibt die Washington Post, wie er mit einer Uzi­Maschinenpistole und einer M-16 vorgegan­gen ist. In Armeeuniform bekleidet, hatte der Kronprinz zuerst seinen Vater getötet und danach 15 Minuten lang mit den Waffen um sich geschossen. Gutes Zureden seiner Mutter und seines jüngeren Bruders, endlich mit dem Amoklauf aufzuhören, hatten nichts genutzt, auch sie wurden zu Opfern. Shahi nannte Di­pendra einen Mörder. Noch gibt es keine offi­zielle Bestätigung für den Hergang der Tat und noch ist nicht ganz sicher, ob Dipendra sich selbst umgebracht hat.