21.10.2002 “Terror in Paradise” Der Anschlag von Bali Hans-Joachim Esderts, FES Jakarta • Der Anschlag von Bali stürzt Indonesien in einer schwierigen Übergangsphase zur Demokratie in eine noch tiefere ökonomische und moralische Krise. Das internationale Ansehen des Landes ist erheblich beschädigt. • Nutznießer der Katastrophe sind diejenigen, die gegen eine offene Gesellschaft, politischen und religiösen Pluralismus und für die Wiederherstellung der autoritären Strukturen eintreten. Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechte drohen im Kampf gegen den Terror auf der Strecke zu bleiben. • Das sozial-ökonomische Umfeld Indonesiens ermöglicht es dem internationalen Terrorismus, Anhänger zu rekrutieren und Unterschlupf zu finden. Religiöse Eiferer und brutale„Gotteskrieger“ genießen Aktions-, Agitations- und Lehrfreiheit. • Fehlender politischer Wille, eine schwache Regierungsführung sowie mangelnde Effizienz und unzureichende finanzielle Ausstattung der Sicherheitskräfte ermöglichen die Operationen in- und ausländischer Terroristen und organisierter Krimine ller in Indonesien. • Die wirtschaftlichen Schäden der Anschläge für das Land und die Region sind immens und in ihrer vollen Höhe und Auswirkung noch nicht absehbar. Die Explosion einer aus hochwirksamem C4Sprengstoff gefertigten Bombe am 12. Oktober in Kuta/Bali war nicht die erste, die Indonesien erschütterte. Sie war aber die mit der verheerendsten Wirkung gegen soft targets, Balinesen und ausländische Touristen. Ihre Vorläufer waren die Anschläge auf das Büro des Generalstaatsanwalts im Juli 2002, das Bombenattentat auf den Botschafter der Philippinen einen Monat später und die Detonation einer Bombe in der Börse Jakartas vier Wochen danach, die 15 Menschenleben forderten. Anschläge auf Kirchen in Westjava, Kalimantan, Jakarta, Nordsumatra, Lombok etc. folgten. Diese früheren Anschläge richteten sich in erster Linie gegen einheimische religiöse bzw. rivalisierende Gruppen oder Infrastrukturen des Landes, nicht jedoch gegen Ausländer. Während man anfänglich dem Suharto-Sohn Tommy eine Beteiligung unterstellte, richteten sich schnell die Blicke auf das Militär, das aus der Destabilisierung der demokratischen Or dnung Vorteile ziehen könnte. Der damalige Präsident Wahid versuchte Reformen beim Militär durchzusetzen, um dessen dominierende Rolle im Sicherheitsbereich, in der Wir tschaft und in der Politik zu schwächen. Nach der Absetzung des Präsidenten Gus Dur sah seine Nachfolgerin und bisherige Vizepräsidentin Megawati Sukarnoputri in der Hilfe von dem Nationalen Indonesischen Militär(TNI) und der Polizei der Republik Indonesia(POLRI) ihre Chance, die politische Stabilität sowie kurzfristig auch die Sicherheitslage zu verbessern und bis zur nächsten Wahl in 2004 an - 1-
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