27 2.2. Wachsende Freizeit – weniger Ehrenamtliche: Warum? So klar die hier vorgestellten Fakten und Tendenzen sind, so unklar ist ihre Bewertung. Denn der allgemein konstatierte sÉêäìëí íê~Çáíáçå~äÉê=_áåÇìåJ ÖÉå kann zum einen als hçåëÉèìÉåò der gesellschaftlichen Entwicklung in Richtung auf fåÇáîáÇì~äáëáÉêìåÖ und Pluralisierung von Lebenslagen gedeutet werden, zum anderen aber auch als sÉêÇêìëë=~å= ÇÉê= îÉêÄ~åÇJ äáÅÜÉå=_ Ω êçâê~íáëáÉêìåÖ=ìåÇ=sÉêÄÉêìÑäáÅÜìåÖ= der Vereine. 16 In jedem Falle haben wir bei der Bewertung unser neues Verhältnis zur Freizeit zu berücksichtigen, dem Bereich also, in dem vor allem das Ehrenamt ausgeübt wird. In der Antike und auch noch im Mittelalter gab es für die arbeitenden Menschen nicht den Gegensatz von freier Zeit und Arbeitszeit. Vielmehr gab es den Klassengegensatz zwischen den nicht-arbeitenden freien Menschen und den arbeitenden Menschen bzw. den Sklaven, den lebenden Werkzeugen(griech. organon). Die Freiheit der freien Leute bestand darin zu Ü~åÇÉäå, d.h. Politik zu machen oder Krieg zu führen oder religiösen Aufgaben nachzukommen oder Sport zu treiben. Alle diese Tätigkeiten galten als j Ω≈ áÖJd~åÖ, wobei Muße hier noch die frühere Bedeutung von„können“ und nicht von„müssen“ hatte. 17 Auf keinen Fall gehörte zu diesen Tätigkeiten, ein Gewerbe oder ein Handwerk zu betreiben, d.h. zu Hause(im çáâçë) zu~êÄÉáíÉå oder etwas ÜÉêòìëíÉääÉå. 18 Mit dem Aufkommen der bürgerlichen Gesellschaft wird das Arbeiten zum notwendigen Element eines freien Bürgers. Der Freiheitsgedanke wird jedoch noch für die freie Zeit aufbewahrt und im unentgeltlichen Ehrenamt konkretisiert: Unentgeltlich eben deshalb, weil nur ein solcher 16 Vgl. Wolfgang Streeck, Vielfalt und Interdependenz. Überlegungen zur Rolle von intermediären Organisationen in sich ändernden Umwelten, in: KZfSS, 39. Jg., 1987, Heft 3, S. 471-495, S. 482. 17 Vgl. Thorstein Veblen, Theorie der feinen Leute. Eine ökonomische Untersuchung der Institutionen, Frankfurt a.M. 1986(1899). 18 Vgl. Hannah Arendt, Vita activa oder Vom tätigen Leben, München 2 1981 (1958).
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Solidarität im 21. Jahrhundert : die Familie - soziales Kapital einer menschenwürdigen Gesellschaft ; Dokumentation einer Konferenz der Friedrich-Ebert-Stiftung am 6. Juni 2002 in Bonn
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