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Solidarität im 21. Jahrhundert : die Familie - soziales Kapital einer menschenwürdigen Gesellschaft ; Dokumentation einer Konferenz der Friedrich-Ebert-Stiftung am 6. Juni 2002 in Bonn
Entstehung
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62 Traditionen der Bürgergesellschaft Aus welchen Traditionen schöpfen wir, wenn wir aktuell vom Bürger und der Bürgergesellschaft sprechen? Mit welchen neuen Herausforderungen müssen wir sie konfrontieren? Wie müssen wir die Bürgergesellschaft fort­entwickeln, um diesen Herausforderungen gerecht zu werden? Mit wel­chen Hindernissen sollten wir dabei rechnen? Und was folgt schließlich daraus für die Zukunft einer sozialen Demokratie? Diesen fünf Fragen möchte ich im Folgenden nachgehen. Meine Antworten immer nur Ver­suche werden in die Forderung nach einer Politik münden, die die Förderung einer neuen Familie ins Zentrum ihrer Bemühungen um die Bürgergesellschaft und eine zukunftsträchtige soziale Demokratie stellt. Ich will zunächst zwei unterschiedliche Traditionen von Bürgergesellschaft kurz umreißen. Freiheit, Gleichheit, Selbstständigkeit nicht Brüderlichkeit habe ich gesagt Selbstständigkeit, diese drei Begriffe wird man wohl auf jeden Fall mit der Bürgergesellschaft assoziieren, wenn man sie im Kontext politischer Orientierungen betrachtet. Allerdings treffen unter diesem gemeinsamen Dach durchaus gegensätzliche Traditionsstränge aufein­ander, die sich auch in dem seit Jahren andauernden und von den USA ausgehenden Streit zwischen Liberalen und Kommunitaristen heraus­schälen. Der eine Strang hat sein Zentrum in der Hochschätzung individueller Frei­heit oder Autonomie, der andere, häufig als Republikanismus bezeichnet, in der Forderung nach Pflicht und Gemeinwohlbezogenheit des Indivi­duums. Beide Stränge scheinen auf den ersten Blick scharf entgegen­gesetzt zu sein, nicht nur, weil die Kommunitaristen den Liberalen in der aktuellen Diskussion vorwerfen, eine Gesellschaft des desintegrierenden, ja destruktiven Egoismus zu rechtfertigen, in der die Freiheit nur noch in pervertierter Form erscheint und ihre moralische Qualität völlig verloren hat, weil die Individuen sie ohne Verantwortungssinn als private Belie­bigkeit praktizierten, sondern auch, weil es in der Tat für die Verbindung von Freiheit und Gleichheit, das Herzstück bürgerlicher Demokratie, idealtypisch zwei durchaus unterschiedliche Vorstellungen gibt, die auf erhebliche Differenzen im Menschenbild zurückgehen.