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Solidarität im 21. Jahrhundert : die Familie - soziales Kapital einer menschenwürdigen Gesellschaft ; Dokumentation einer Konferenz der Friedrich-Ebert-Stiftung am 6. Juni 2002 in Bonn
Entstehung
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65 das der eigenen nicht entgegensteht. Ich zitiere John Locke:Alle Men­schen nämlich sind das Werk eines einzigen, allmächtigen und unendlich weisen Schöpfers. Dies führt Locke als Grund dafür an, das gleiche Recht auf Freiheit heiße nicht völlige Autonomie, heiße nicht Zügellosigkeit. Freilich das sollte man nicht bagatellisieren liegt der Hauptakzent die­ses Bürgerverständnisses auf dem individuellen Freiraum und auf dem negativen Verbot zu schädigen, nicht auf dem positiven Gebot zu helfen oder sich zu kümmern. Und nicht nur aufgrund der kapitalistischen Pro­duktions- und Wirtschaftsweise, die auf der Verfolgung von Privat­interessen und von daher eo ipso strukturell der Instrumentalisierung von Menschen beruht sie erscheinen darin notwendig funktional als Pro­duktionsfaktoren, sondern auch wegen dieses ideell individualistischen Akzents bereitet es einer libertären nicht einer liberalen Einstellung den Boden, die die auch staatlich-strukturell zu realisierende Mäßigung des Privatinteresses und die Gemeinwohlorientierung aus dem Auge verliert. Überdies baut dieses liberale Bürgerverständnis auf eine eher eng rational begriffene, natürliche Vernunft, die auf die argumentative Ermittlung von Gerechtigkeit und Gemeinwohl zielt und andere Antennen fairer Verständigung, wie zum Beispiel emotionale Empathie, also Ein­fühlungsvermögen, weniger expliziert, allerdings keineswegs ablehnt, wie Adam Smiths qÜÉçêó=çÑ=jçê~ä=pÉåíáãÉåíë belegt. Zu fragen ist daher, ob das liberale Konzept einer Bürgergesellschaft angesichts der geschicht­lichen Entwicklungen und heutiger Herausforderungen genügt. Zunehmende Konfliktpotenziale Und damit komme ich zum nächsten Schritt. Ich versuche zu sprinten. Es geht um zunehmende Konfliktpotenziale und Unübersichtlichkeiten der Konfliktlinien, auch unerfüllbare Erwartungen an staatliche Politik. Viel­fach wurde in den letzten Jahren auf die Paradoxie hingewiesen, dass ausgerechnet nach dem Untergang des Kommunismus die überlebende Demokratie ihrerseits in zunehmende Krisen gerät. Diese Krisen entstehen aus drei wesentlichen Tendenzen oder Faktoren: 1) einer Zunahme von normativen, sozialen und politischen Konflikten,