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Solidarität im 21. Jahrhundert : die Familie - soziales Kapital einer menschenwürdigen Gesellschaft ; Dokumentation einer Konferenz der Friedrich-Ebert-Stiftung am 6. Juni 2002 in Bonn
Entstehung
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67 =PF Während so Konflikte und Unsicherheiten zunehmen, wachsen die Anforderungen an den demokratischen Staat, Lösungen durchzusetzen. Und der ist im Gegenteil dazu immer weniger in der Lage. Die Hand­lungsspielräume demokratischer Politik werden wegen der Komplexität der Regelungen auch derer, auf denen sie aufbauen müsste und we­gen der gegenseitigen Abschottung und Uneinsichtigkeit organisierter Interessen und gesellschaftlicher Teilsysteme immer enger. Wir brauchen uns bloß die Gesundheitspolitik anzugucken. Darüber könnte man ver­rückt bei werden. Gleichzeitig werden die politischen Institutionen schwächer und verlieren dadurch an Vertrauen. Die Menschen werden einerseits immer abhängiger von wohlfahrtsstaatlichen Maßnahmen und andererseits vom Staat zunehmend und aus einsichtigen Gründen enttäuscht. Steigende Anforderungen Es sieht nicht gemütlich aus mit der Zukunft der vermeintlich um den Staat zentrierten Demokratie. Was tun? Ist die Bürgergesellschaft ein Re­zept, mit den genannten Herausforderungen fertig zu werden, weil von ihr neue Verhaltensimpulse ausgehen und sie den Staat entlastet? Fasst man die aktuellen Herausforderungen, die ich genannt habe, zusam­men, so wird deutlich, dass wir als Bürger immer höheren Anforderungen an Selbstständigkeit, Verständigungsbereitschaft und-fähigkeit, Offenheit und Zuwendung genügen müssen, wenn wir Freiheit und sozialen Zusammenhalt weiterhin verbinden, wenn wir nicht in autoritäre Muster, die gleichsam wieder Ordnung schaffen würden, zurückfallen wollen. Bürgerschaft kann nicht einfach kognitiv gelernt, nicht einfach antrainiert werden, sondern bedarf einer psychischen Verankerung, die zuallererst die Energie vermittelt, so zu handeln, wie es das Bilderbuch der Bürger­fragen beschreibt. Sie erfordert psychische Dispositionen, vor allem Selbst­und Fremdvertrauen, Selbstsicherheit, Offenheit im psychoanalytischen Drei-Instanzen-Modell könnte man sagen: Ich-Stärke, die wir vor allem in unseren frühen Sozialisationserfahrungen gewinnen oder verlieren und die ihre Bestätigung im Alltag braucht.