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Solidarität im 21. Jahrhundert : die Familie - soziales Kapital einer menschenwürdigen Gesellschaft ; Dokumentation einer Konferenz der Friedrich-Ebert-Stiftung am 6. Juni 2002 in Bonn
Entstehung
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69 Wie kann eine neue Bürgergesellschaft entstehen? Wie bekommen wir die und welche Hindernisse stehen dem entgegen? Natürlich viele. Allgemeine, moderne liegen in der Auflösung jener Orte und Institutionen, die traditionell Gesellschaften zusammengehalten und psychische Verankerung vermittelt haben, nämlich Familie und auch räumliche, sinnliche Arbeitszusammenhänge. Der Hinweis von Renate Schmidt ist natürlich richtig, dass nicht nur faktisch sehr viele Menschen nach wie vor in traditionellen Familien leben, sondern auch immer mehr darin leben wollen. Dennoch: spürbare, konkrete gegenseitige Anerken­nungen, Abhängigkeiten und Interdependenzen, die ein wohlverstande­nes Eigeninteresse an der Rücksichtnahme auf andere und den Verant­wortungssinn für größere Zusammenhänge begünstigen könnten, neh­men ab. Immerhin, dass Selbstständigkeit wie Sorge, rationale Argu­mentation wie Empathie für ein gelungenes Zusammenleben ebenso erforderlich wie möglich sind, dass sie anstrengen, aber auch gelingen, sogar beglücken können, dass Zuverlässigkeit nicht nur drückende Pflicht, sondern auch befreiende Sicherheit bedeuten kann. Orte, dies zu erfah­ren, werden mit der Erosion der Familie und dauerhafter Arbeitsverhält­nisse selten. Wo also können wir die neuen Bürgertugenden einüben, erleben und leben? Wie gewinnen wir speziell in Deutschland jenes ruhige Selbst­vertrauen, jene auf eine Gefühlskultur angewiesene Empathie, jene Ich­Stärke, die wir so dringend benötigen, da wir doch eine Vergangenheit vielfacher Regimebrüche, komplizierter Verstrickungen in Verbrechen, Verrat und Verlogenheiten hinter uns haben. Wir haben zwar durch Fleiß, Tüchtigkeit und Pflichtbewusstsein und materiellen Wohlstand diese Vergangenheit gleichsam abgehängt, aber psychisch noch lange nicht zugunsten einer offenen Selbstprüfung, einer solidarischen Versöhnlich­keit, eines ruhigen, neuen Selbstvertrauens und empathischer Gemein­samkeit verarbeitet und überwunden. Noch immer sind bei uns genaues Hinhören auf die andere Person oder gemeinsames Lernen nicht beson­ders gefragt, schon gar nicht die Regel, sondern eher das Rechthaben. Veränderungen oder Korrekturen früherer Positionen, die Absage an Vergangenes münden nicht in allgemeinere Zweifel, nicht in wohlwollend prüfende oder skeptische Offenheit gegenüber auch eigenen, ehemaligen