Brennpunkt IRAK Dr. Ali Jarbawi Das Irak-Dossier und Palästina: Reflektionen und Auswirkungen Vielerorts, vor allem in der Nahostregion, wurden Seufzer der Erleichterung hörbar, als die Resolution 1441 des VN Sicherheitsrats zur Suche nach Massenvernichtungswaffen im Irak verabschiedet wurde. Sie hat das Schreckgespenst eines Krieges, für den die USA seit einigen Monaten die Trommeln rühren, vorläufig abgewehrt- ein Krieg, der unter dem Vorwand eines weltweiten Kampfes gegen den„Terror“ infolge der Ereignisse vom 11. September 2001 angezettelt werden sollte. Während dieser Monate herrschte tiefe Besorgnis in der Welt angesichts der immer schärferen amerikanischen Drohrhetorik gegen den Irak, welche von kontinuierlichen Truppenverstärkungen in der Region begleitet wurde. Die herrschenden arabischen Systeme machten sich am meisten Sorgen wegen der ansteigenden Spannung und der sich verschärfenden Gegensätze in der Region. Ein Krieg gegen den Irak hätte möglicherweise einem unkontrollierbaren Zustand der Anarchie Tür und Tor geöffnet. Die arabischen Völker wollen generell keinen amerikanischen Krieg gegen den Irak. Im Grunde ihrer Herzen werfen sie ihren regierenden politischen Systemen vor, einem von den Gegnern der arabisch-islamischen Gemeinschaft angegriffenen Land den nötigen Beistand verweigert zu haben. Dieser Vorwurf vertieft die ohnehin vorhandene chronische Unzufriedenheit der arabischen Völker mit ihren konservativen und despotischen Regimen. Diese Regime haben es weder fertig gebracht, die minimalen Voraussetzungen für rationales und rechtschaffenes Regieren zu schaffen, eine echte und wirksame politische Beteiligung zu gewährleisten noch akzeptable Wachstums- und Entwicklungsraten für ihre Gesellschaften zu erzielen. Wenn dem Unmut erst einmal Tür und Tor geöffnet sind, wird es selbstverständlich schwierig, selbige schnell wieder zu schließen. Die Auswirkungen können hier dann schnell den Schneeballeffekt haben, den die arabischen Regierungen seit jeher zu verhindern suchen. Aber die amerikanische Kampagne gegen den Irak hat diese Systeme in eine höchst unangenehme Position, sozusagen zwischen Hammer und Amboss getrieben: den Hammer des unmittelbaren öffentlichen Drucks durch die USA, welcher von ihnen verlangt, deutlich und uneingeschränkt der amerikanischen Haltung Folge zu leisten, und den Amboss des inneren arabischen Aufbegehrens, welches zu Beginn noch zaghaft, nun langsam aber stetig lauter und vehementer dagegen hält. Die Lage in der arabischen Region hatte sich durch die Eröffnung des Irak-Dossiers seitens der USA sehr angespannt- ein Zustand, der in sich selbst zahlreiche gegensätzliche und explosive Gefahren birgt. Keiner konnte sich den Ausgang des zu erwartenden Krieges vorstellen, was wohl der Hauptgrund für die wachsende Besorgnis und Spannung in der Region war. Die Richtung, die ein einmal ins Rollen gekommener Schneeball nehmen würde sowie seine Ausmaße und Wirkungen waren nicht vorauszusehen. Deswegen stellt die UN-Resolution bezüglich des Iraks eine allgemeine- wenn auch nicht dauerhafte- Entspannungspause für die Arabische Welt dar. Denn das irakische Dossier ist noch nicht abgeschlossen. Viel eher scheint es durch die Die Maßnahmen der Friedrich-Ebert-Stiftung zum Brennpunkt IRAK werden vom Referat Naher/Mittlerer Osten und Nordafrika koordiniert. Informationen zum Thema finden Sie unter www.fes.de/brennpunkt
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