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Statistenrolle oder Konfliktpartei? : Israel und die Irak-Krise
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Brennpunkt IRAK Winfried Veit Statistenrolle oder Konfliktpartei? Israel und die Irak-Krise 1. Israelische Interessen und Befürchtungen Israels Position in der Irak-Krise ist so vielschichtig, wie die kaum eines anderen Landes: - es steht fest an der Seite der USA, wird von diesen jedoch um Zurückhaltung gebeten; - es gibt keine gemeinsamen Grenzen und keine akuten Konflikte zwischen beiden Ländern(bis auf die zukünftige Gefahr einer nuklearen Aufrüstung des Irak), und dennoch gilt Israel als eines der ersten Ziele eines irakischen Gegenschlags im Falle eines US-Angriffs; - der blutige Konflikt Israels mit den Palästinensern erschwert das amerikanische Vorgehen gegen den Irak und trägt zur Schwächung der gemäßigten arabischen Regime bei, an deren Stabilität(vor allem Ägyptens und Jordaniens) jedoch Israel wie die USA gleichermaßen interessiert sind; - ein amerikanischer Angriff auf den Irak und eine mögliche Eskalation des israelisch-palästinensischen Konflikts könnten zu einer Explosion im gesamten Nahen Osten führen. In Israel unterstützen alle politischen Lager von rechts bis links die amerikanische Haltung in der Irak-Krise. Darüber besteht auch Konsens in einer breiten Öffentlichkeit, auch wenn mit einem irakischen Angriff möglicherweise mit biologischen oder chemischen Waffen gerechnet werden muß. Aus israelischer Sicht stellt die vom irakischen Diktator Saddam Hussein betriebene nukleare Aufrüstung(neben der des Iran) die größte, ja eine existenzielle Bedrohung für den jüdischen Staat dar(aus diesem Grund wurde 1981 auch der irakische Atomreaktor in Osiak von israelischen Kampfflugzeugen zerstört, was nach Meinung von Experten das irakische Nuklearprogramm um 15 Jahre zurück geworfen hat). In israelischen Sicherheitskreisen geht man davon aus, daß Saddam Hussein Atomwaffen in seiner Hand zur permanenten Erpressung seiner Nachbarn und zum Ausbau einer Vormachtstellung in der gesamten Region benutzen würde; das strategische Gleichgewicht und die Position Israels wären damit dauerhaft gefährdet. Da Israel offiziell nie zugegeben auch Atomwaffen besitzt, wäre bestenfalls einGleichgewicht des Schreckens herstellbar, im Unterschied zur Zeit des Kalten Krieges in Europa allerdings mit einem unberechenbaren Diktator alsPartner, der nach Meinung des führenden israelischen Irak-Experten Amatzia Baram zwar keinVerrückter, aber doch einSpieler ist. Deshalb stellt sich für Israel ein amerikanischer Krieg gegen den Irak kurzfristig zwar als risikobeladen dar, doch langfristig überwiegen die positiven Aspekte: ein von Saddam Hussein befreiter Naher Osten und ein ABC-Waffen­freier Irak sind Grundvoraussetzungen für eine Stabilisierung der Region. Zunächst aber steht Israel möglicherweise vor einem schwerwiegenden Dilemma, dann nämlich wenn der Irak tatsächlich mit chemischen oder biologischen Sprengköpfen bestückte Raketen auf Israel abfeuern und diese zahlreiche Todesopfer unter der Bevölkerung fordern würden. Die von den USA geforderte und von Israel(wie auch schon im letzten Golfkrieg 1991) stillschweigend akzeptierte Zurückhaltung wäre dann in Frage gestellt, vor allem unter der wahrscheinlichen Konstellation einer rechten Regierung, auch nach den Wahlen vom 28. Januar 2003. Ein Gegenschlag mit konventionellen Waffen würde zwar zu einem Aufschrei in der arabischen Welt führen und die amerikanische Strategie beinträchtigen, letztlich aber keine schwerwiegenden Auswirkungen haben. Anders verhielte es sich bei einem Einsatz nuklearer Waffen, doch davon redet niemand, zumal die Gefahr eines zerstörerischen israkischen Angriffs als relativ gering eingeschätzt wird, einmal, weil der Irak wohl nur noch wenige abschußbereite Raketen besitzt, und zum anderen, weil Israel heute über das recht wirkungsvolle neueArrow-Raketenabwehrsystem verfügt. Die Maßnahmen der Friedrich-Ebert-Stiftung zum Brennpunkt IRAK werden vom Referat Naher/Mittlerer Osten und Nordafrika koordiniert. Informationen zum Thema finden Sie unter www.fes.de/brennpunkt