Michael Dauderstädt& Britta Joerißen Die Europapolitik linker Parteien in den postkommunistischen Beitrittsländern Die europäische Integration in der Politik der Beitrittsländer Im Dezember 2002 vereinbarten die Mitgliedstaaten der Europäischen Union(EU) mit den Kandidaten in Kopenhagen die Bedingungen für einen Beitritt, im April 2003 unterzeichneten sie dann in Athen den Beitrittsvertrag, und am 1. Mai 2004 werden zehn weitere Staaten die EU bere ichern. Mit der Erweiterung verbinden sich in den meisten Mitgliedstaaten Hoffnungen, Europa als politischer Akteur würde mit der Zunahme an Staaten, Menschen und Fläche auch an wirtschaftlicher und politischer Kraft gewinnen. Nun offenbarte jedoch zuletzt der Irak-Krieg, dass die Vielfalt – und somit auch die Vielfalt an unterschiedlichen Interessen, identitätsbedingter Haltungen und Vorstellungen – der EU bzw. ihrer Entscheidungskraft nicht unbedingt zuträglich sein muss. Die EU sprach nicht mit einer Stimme, büßte als ernst zu nehmende Partnerin der USA an Glaubwürdigkeit ein, und hatte doch eben erst ihre„Gemeinsame Sicherheits- und Verteidigungspolitik“ vereinbart. Von einer parteipolitischen Warte aus war es bezeichnend, dass zu den Unterzeichnern des Briefes der Acht auch ein – allerdings selbst parteiloser – Ministerpräsident aus einer sozialistisch geführten Regierung(Ungarn) und ein sozialdemokratischer Ministerpräsident (Polen) zählte. Transformation und Integration in der Parteienkonkurrenz der Beitrittsländer Mit nicht mehr 15, sondern in Zukunft 25 Staaten nimmt also auch diese„Vielfalt“ zu – und von den zehn Be itrittsländern sind acht osteuropäische, die erst vor etwas mehr als einem Jahrzehnt damit begannen, außenpolitisch eine„Rückkehr nach Europa“ anzustreben und nicht zuletzt deshalb auf ein gesellschaftliches, wirtschaftliches und politisches System umstellten, das die Europäische Union als eines der zwingenden Kriterien für einen Beitritt definierte: Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, eine funktionierende Marktwirtschaft und die Übernahme gemeinschaftlicher Regeln, Standards und Politiken etc, kurz des acquis communautaire. Damit setzte die Beitrittsvorbereitung bruchlos die dreifache postkommunistische Systemtransformation von der Parteidiktatur zur Demokratie, von der Planzur Marktwirtschaft, vom Teil des Ostblocks zur offenen, in die globale und vor allem europäische Wirtschaft integrierte Ökonomie fort. Weniger bruchlos war und ist die Verbindung zu einer vierten Systemtransformation, dem Aufbau eines eigenen Nationa lstaats, wie sie ihn sechs der acht Beitrittsländer nach dem Zerfall der Sowjetunion(die drei baltischen Länder), Jugoslawiens(Slowenien) und der Tschechoslowakei(weniger Tschechien, stärker die Slowakei) ab 1991 bzw. 1992 vollziehen mussten. Dieser schwierige Anpassungsprozess setzte einen gesellschaftlichen Konsens in den postkommunistischen Beitrittsländern voraus, der angesichts der anfangs ignorierten, später aber spürbaren Kosten und Enttäuschungen durchzuhalten war. Den Parteien in Osteuropa, auch den linken Parteien, von denen manche aus den ehemaligen Staatsparteien des sozialistischen Systems hervorgegangen waren, mussten diesen Konsens mittragen(oder durchbrechen). Obwohl die frustrierten Wähler in Mittel- und Osteuropa fast jede Regierung nach spätestens einer Legislaturperiode abstraften und abwählten, gab es nach jedem Machtwechsel in der tatsächlichen Politik nur geringe Korrekturen am Reformkurs der Systemtransformation und Beitrittsvorbereitung. Im Fall der linken Parteien war dies besonders bemerkenswert, da ja die Transformation im Kern ein liberales Projekt der Einführung des Kapitalismus war. Auch die linken Parteien hatten sich nun zu den„neuen“ Werten und Vorgaben der EU zu äußern, ob sie diese bereits in ihr Programm aufgenommen hatten oder – eher im Fall der weiterhin kommunistischen Zielvorstellungen verpflichteten Parteien – sich gegen die EU in ihrer jetzigen Form
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Die Europapolitik linker Parteien in den post-kommunistischen Beitrittsländern
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