Juli 2003 Indien-Pakistan: Vajpayees dritte Friedensinitiative Manfred Haack, Friedrich-Ebert-Stiftung, New Delhi • In einer überraschenden Initiative reicht der indische Premierminister Atal Behari Vajpayee dem Nachbarland Pakistan die„Hand der Freundschaft“. • Einige Tage danach greift der pakistanische Premierminister Zafarullah Khan Jamali zum Telefon und nimmt das Angebot Vajpayees an. • Hintergrund der neuen Dialogbereitschaft der verfeindeten Nachbarn sind die durch den Irakkrieg ausgelösten geopolitischen Verwerfungen. • Die Chancen dieser dritten Friedensinitiative Vajpayees sind auch wegen des Regierungswechsel in Jammu& Kashmir besser als je zuvor. • Sechs Wochen später verlangsamen Zögerlichkeiten und übergroße Vorsicht auf beiden Seiten das Tempo der Annäherung. • Eine Konfliktlösung wird durch die Gegensätzlichkeit der revisionistischen Politik Paki stans und des indischen Beharrens auf dem Status quo schwierig. • Für beide Seiten wird die Fortsetzung der Konfrontation wirtschaftlich und politisch zu teuer. • Nach der Gewährung einer weitreichenden Autonomie für die Kaschmirer würde dem indisch-pakistanischen Konflikt um Kaschmir die streitige Substanz entzogen. Aufbruch in Srinagar Verglichen mit der kriegslüsternen Feindseligkeit, in die sich Indiens Regierung seit Dezember 2001 hineingesteigert hatte, wirkte die jetzt von Premierminister Atal Behari Vajpayee nach Pakistan ausgestreckte„Hand der Freundschaft“ nicht nur überraschend sondern zunächst auch etwas wirklichkeitsfremd. Immerhin hätte er für die spektakuläre Initiative keinen besseren Ort als Srinagar wählen können. Vajpayee war am 17. April in die Hauptstadt des Unionsstaates Jammu& Kashmir gereist, um der Politik des healing touch des dortigen neuen Regierungschefs Mufti Mohammed Sayeed den Segen der Regierung in Delhi zu geben. Freilich hatte bereits im Januar der grandiose Wahlsieg von Sayeeds Peoples Democratic Party eine politische Zeitenwende in Kaschmir eingeleitet, von der sich viele eine innere„Gesundung“ des geschundenen Landes und letztlich die Wiederherstellung eines wie auch immer gearteten Autonomiestatus erhoffen. Eine solche Perspektive würde dem indischpakistanischen Fundamentalkonflikt um die geteilte Provinz weitgehend die streitige Masse entziehen und ihn auf eine vergleichsweise abstrakte Kontroverse um übergeordnete Souveränitätsansprüche reduzieren. In der indischen Öffentlichkeit ist viel darüber spekuliert worden, was Vajpayee dazu bewogen haben mag, die zuvor mit einer an Engstirnigkeit grenzenden Konsequenz vertretene Position seiner Regierung, mit Pakistan nicht auch nur zu reden, solange dieses den grenz überschreitenden Terrorismus nicht unterbindet, dermaßen dramatisch aufzugeben. Er selbst hat in mehreren Interviews hervorgehoben, dass dies sein letzter Versuch sei, mit dem schwierigen Nachbarn Frieden zu schließen. Es wäre auch nicht ehrabschneidend,
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