FES-Analyse Vietnam Politische und wirtschaftliche Perspektiven Til Schönherr Juni 200 3 Die seit 1986 andauernde Erneuerungs- bzw. Öffnungspolitik der KPV(Doi Moi-Politik) wird durch zahlreiche neue handels- und wirtschaftsrelevante Gesetze bestätigt. Die Parallelen zur Entwicklung in China sind deutlich. Freilich treten insbesondere bei der Implementierung der Reformen in Vietnam Kooperations- und Koordinationsprobleme auf, die auf mangelnde Qualifikation, Erfahrung und/oder Motivation des Managements zurückzuführen sind. Diese Politik ist innerhalb von Regierung und Partei nicht unumstritten, doch zwingen der zunehmende Druck auf den Arbeitsmarkt sowie die steigende wirtschaftliche Konkurrenz in der Region Vietnam zu einer Fortsetzung seiner Politik der wirtschaftlichen Liberalisierung und Modernisierung der staatlichen Administration. Erwies sich Mitte der 90er Jahre die Euphorie über den neuen Tigerstaat im Westen als überzogen, so nimmt die Attraktivität Vietnams für ausländische Investoren seit 1999 wieder kontinuierlich zu. Auch für deutsche Unternehmen bieten sich erhebliche Chancen angesichts eines günstigen wirtschaftlichen, aber auch gerade Deutschland gegenüber aufgeschlossenen soziokulturellen Umfeldes. Die politische Öffnung und vorsichtige Demokratisierung werden gefördert von der schrittweisen Herausbildung einer Zivilgesellschaft mit regierungsunabhängigen Verbänden, Vereinen und Interessengemeinschaften sowie durch kleinere Reformschritte im politischen Prozess. Zugleich wird die Umsetzung des zentral vorgegebenen marktwirtschaftsfreundlichen Modernisierungsprozesses durch die grundsätzlich zu begrüßende Dezentralisierung nicht unbedingt gefördert. Die soziale Situation ist stabil, auch dank erheblicher Fortschritte bei der Armutsbekämpfung. Die Proteste beispielsweise im Zentralen Hochland haben weniger religiöse Ursachen, sondern basieren vielmehr auf dem Unmut der Bevölkerung angesichts einer im Land weit verbreiteten Korruption sowie auf Auseinandersetzungen um Land- und Bodennutzungsrechte. Für die künftige Entwicklung Vietnams ist entscheidend, inwieweit es gelingt, die wirtschaftlichen Reformen zügig durch eine Reform der öffentlichen Verwaltung sowie der Gerichtsbarkeit abzusichern und zu ergänzen. Erste Schritte werden hierzu gemacht. Zur Lösung der Probleme fehlt es in Vietnam nicht am politischen Willen, doch erweisen sich das starre Festhalten am Einparteiensystem sowie die mangelnde Kompetenz insbesondere auf implementierender Managementebene als Hindernisse. Diese können den Reformprozess jedoch langfristig nicht aufhalten. Herausgeber: Albrecht Koschützke, Redaktion: Karen Ziemek, Stabsabteilung der Friedrich-Ebert-Stiftung 53170 Bonn, Tel.: 0228-883376, Fax: 883432, eMail: Albrecht.Koschuetzke@fes.de
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