Martin Muránsky Die Marginalisierung der Linken in der slowakischen Parteienlandschaft D iese Darstellung der Entwicklung der politischen Landschaft in der Slowakei von den Parlamentswahlen 1998 bis Anfang Oktober 2003 will versuchen, die jetzige Krise der Linken zu erklären. Während in den Nachbarländern ein relativer, aber konstanter Erfolg der Postkommunisten zu sehen ist, ist in der Slowakei ein„Auflösungsprozess“ der Linken zu beobachten. Zu Recht hat Peter Weiss, der ehemalige Vorsitzende der SDL, darauf hingewiesen, dass es nicht nur um eine Krise der Parteienlandschaft, sondern um die„Marginalisierung des linken 1 Spektrums“ geht. Verglichen mit den Visegrad-Ländern (Polen, Ungarn, Tschechische Republik) ist dies ein ein2 maliger Vorgang. Im ersten Teil wird die Parteienlandschaft anhand der Wahlergebnisse von 1998 dargestellt, während im zweiten die Veränderungen der Parteienlandschaft nach den Wahlen im Jahre 2002 behandelt werden. Im dritten Teil werden der Zerfall der SDL und seine Hintergründe analysiert. Schließlich wird im vierten Teil die Situation des linken Spektrums mit seinen Integrations3 möglichkeiten dargestellt. Am Ende des Textes befindet sich eine kurze Charakteristik der einzelnen Parteien sowie das Verzeichnis der verwendeten Abkürzungen. Die Wahlen vom September 1998 „Für Meèiar, gegen Meèiar“, also für Europa oder dagegen, so einfach ließen sich die politischen Lager bei den Parlamentswahlen im Herbst 1998 unterscheiden. Damals drängten die Gegner des längst umstrittenen populistischen Ministerpräsidenten Vladimír Meèiar auf eine politische Wende. Die Lage war in der Tat ernst: Der vorläufige Ausschluss von den Beitrittsverhandlungen zur NATO, zur Europäischen Union und zur OECD waren unmittelbare Folgen vonMeèiars Politik. Aufgrund des dominierenden Konfliktes um die„Einführung der Spielregeln“ 1 Peter Weiss, Studie zur Entwicklung des linken Spektrums und den Quellen seines Versagens, Bratislava(in Vorbereitung). 2 Vgl. Lubomír Kopeèek, Strana demokratické levice 1982-2002: Úspìch èi neúspìch slovenských postkomunistù? In: Rudí a ružoví. Transformace komunistických stran. Brno 2002. 3 Zu den Hauptlinien der Entwicklung der Sozialdemokratie in Mit tel- und Osteuropa vgl. das Standardwerk von Nick Crook, Michael Dauderstädt und André Gerrits, Social Democracy in Central and Eastern Europe, Amsterdam 2000. in der Slowakei wurde die Wahl auf ein„Entweder-Oder“ zugespitzt. Dieser Ko nflikt bestätigte die Polarisierung der Parteienlandschaft in ein autoritär-nationales und ein liberal-demokratisches Lager. Das entscheidende Kriterium für eine Beurteilung des Wahlausganges war das Verhältnis zum„Liberalismus“, wobei dieser Terminus als universelle Bezeichnung für Demokratie überhaupt galt. Anderseits wurde der konkret gefasste Liberalismus als Maß für Unterscheidung der „Standardparteien“ von den„Nichtstandardparteien“ ver4 wendet. Diese wertende Unterscheidung mobilisierte die Öffentlichkeit und die meinungsbildenden Schichten zugunsten des Anti-Meèiar Lagers. Im Wesentlichen trug sie zur Stabilisierung d emokratischer Regeln in der Slowakei bei: Dieser polarisierende Konflikt zog eine klare Grenze zwischen Machtmissbrauch und demokratischen Spielre5 geln. Der mobilisierende Effekt wurde anhand einer hohen Wahlbeteiligung von 84 Prozent sichtbar, die mit Hilfe der massiven Unterstützung von Nichtregierungsorg anisationen zustande kam. Einer der Wahlsieger brachte die damalige„rosige“ Stimmung folgendermaßen zum Ausdruck:„Es ist wie 1989, nur dass wir viel mehr Erfahrung 6 haben.“ Die Wahlergebnisse 1998 und Parlaments-parteien im Überblick Eindeutiger Wahlsieger war die von fünf Parteien neu gegründete Slowakische demokratische Koalition(SDK), 7 die mit 42 Mandaten und 26 Prozent der Stimmen die Bildung der Regierung übernahm. Damit war sie vor die Aufgabe gestellt, die Folgen der desaströsen Politik Meèiars zu überwinden. Zu den Wahlsiegern gehörte eine weitere Koalition, die Partei der ungarischen Koalition 4 Vgl. Peter Uèeò, Faktory úspechu strán stredového populizmu. In Grigorij Meseznikov(ed.), Slovenské Voåby 2002. IVO, Bratislava 2003, S. 46-47. 5 Vgl. Darina Malova, K príèinám neúspechu nekomunistickej ¾avice alebo o problémoch ¾avice na Slovensku(in Vorbereitung). 6 Zitat aus: Reinhard Stuth, Die Slowakei auf dem Weg nach Europa, S. 43. 7 Zur Parteienentwicklung in der Slowakei im Zeitraum vom 1998 bis 2000 vgl. Marek Rybaø, Slovac Political Parties before Parlamentary Elections 2002, FES Bratislava 2000.
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Die Marginalisierung der Linken in der slowakischen Parteienlandschaft
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