Anforderungen an ein nachhaltiges Energiesystem für Deutschland „gemeinsamen aber unterschiedlichen Verantwortlichkeiten“ nachgekommen, das den Industrieländern aufgrund ihres historisch und gegenwärtig hohen Emissionsaufkommens eine Vorreiterrolle im Klimaschutz zuweist. Langfristig bedeutet dies, dass der industrialisierte Norden und damit auch Deutschland bis 2050 seine Emissionen um 80% gegenüber dem Niveau von 1990 reduzieren muss(Enquete-Kommission 2002; WBGU 2003). Um einen solchen Emissionspfad zu beschreiten, ist mittelfristig eine Reduzierung der Emissionen um 40% bereits bis zum Jahre 2020 notwendig(Enquete-Kommission 2002). Nur dadurch kann der gegenwärtig ansteigende Trend der globalen Emissionen schnell umgekehrt werden, um die Erfüllung des 2º C-Ziels nicht bereits in den kommenden Jahrzehnten unmöglich zu machen – mit lebensbedrohlichen Folgen für weite Teile der Weltbevölkerung. Die Minderungen der Treibhausgase müssen also erheblich ehrgeiziger ausfallen als im Kioto-Protokoll(KP) bisher vorgegeben.„Die Weiterentwicklung des internationalen Klimaregimes wird daher in den nächsten Jahrzehnten eine drängende Aufgabe für die internationale Politik bleiben.“(WBGU-Sondergutachten 2003) 1.3 Potentiale, Innovation, Arbeitsplätze, Wertschöpfung 1.3.1 Energieeffizienz Gemäß der ökonomischen und ökologischen Einsicht, dass eingesparte Kilowattstunden die billigste, schnellste und einfachste Möglichkeit darstellen, Primärenergieverbrauch und damit CO 2 -Emissionen zu vermeiden, besitzen Maßnahmen zur effizienteren Nutzung von Energie im Rahmen einer klimaschutzmotivierten Energieversorgung höchste Priorität. Effiziente Energieverwendung und-erzeugung ist aus volkswirtschaftlicher Sicht vorteilhaft, weil sie • den größten und profitabelsten Beitrag zum Klimaschutz erbringt; • die Kosten für Produktion und Konsum senkt und so den Wohlstand mehrt und die Wettbewerbsfähigkeit verbessert; • durch Innovation bei energieeffizienten Produkten und Dienstleistungen die Konkurrenzfähigkeit der heimischen Anbieter auf den Weltmärkten stärkt; •(netto) Arbeitsplätze schafft, weil importierte Energie durch heimische Wertschöpfung ersetzt wird und • die Ölpreis- und Energieimportabhängigkeit senkt und damit auch der Friedenssicherung dient. Das technische Potenzial der effizienten Energieverwendung und –erzeugung ist enorm. Bezogen auf die benötigte Energiedienstleistung(warme und helle Räume, gekühlte Lebensmittel, Mobilität, Produktion) könnte der Energieverbrauch technisch um durchschnittlich 80 bis 85% verringert werden. Wird berücksichtigt, dass die Nachfrage nach Energiedienstleistungen mit dem Wirtschaftswachstum steigt, kann bis zur Mitte des Jahrhunderts der Primärenergieverbrauch pro Kopf in Deutschland um etwa zwei Drittel verringert werden. Diese technische Vision einer„2000-Watt-Gesellschaft“, die pro Kopf nur Energie mit einer durchschnittlichen Leistung von 2000 Watt benötigt, hat sich übri8
Druckschrift
Anforderungen an ein nachhaltiges Energiesystem für Deutschland : Studie im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten