Stefanie Flechtner Neue Impulse in der europäischen Außenund Sicherheitspolitik Der Verfassungsentwurf des Konvents und die Sicherheitsstrategie von Solana Die Europäische Union als außenpolitischer Akteur im 21. Jahrhundert Die Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik(GASP) und die Europäische Sicherheits- und Verteidigungspolitik(ESVP) gehören heute zu den dynamischsten und meist diskutierten Politikbereichen der Europäischen Union(EU). Laut Javier Solana, dem Hohen Vertreter der GASP, bildet die ESVP das zentrale Integrationsprojekt dieser Dekade. Dabei klaffen allerdings Anspruch und Erwartungen der Europäer und die politische Realität weit auseinander. Die Absicht, die EU zu einem ernstzunehmenden und zentralen Akteur im internationalen Konzert der Mächte zu machen, wird von europäischen Politiker regelmäßig hervorgehoben. In der Erklärung von Laeken erteilte der Europäische Rat dem Konvent den Auftrag, dazu beizutragen,„die Union zu einem Stabilitätsfaktor und zu einem Vorbild in der neuen Weltordnung zu machen“. Nicht zuletzt beurteilt auch die europäische Öffentlichkeit das Engagement der Union in der Außen- und Sicherheitspolitik sehr positiv. So befürworteten in einer Umfrage des Jahres 1999 64 Prozent der befragten EU-Bürgerinnen und Bürger eine gemeinsame europäische Außenpolitik, im Bereich der Verteidigungspolitik lag der Zustimmungswert sogar bei 73 Prozent. Dem Enthusiasmus der Europäer für die Idee einer gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik steht jedoch nicht erst in jüngster Zeit die gravierende Ernüchterung der Praxis geDas Scheitern einer gemeinsamen Politik der Europäer in der Irak-Frage hat sich zu einem Katalysator für Reform und Neuorientierung der GASP entwickelt. genüber. Das Nicht-Zustandekommen einer gemeinsamen Position der EU im Irak-Krieg zeigte nicht nur, dass in Europa die Verfolgung nationaler Interessen in der Außenpolitik nach wie vor dominiert, es belegt auch die Fülle ungelöster konzeptioneller und institutioneller Fragen im Bereich der GASP und der ESVP. Die derzeitige Krise entwickelt sich jedoch auch zu einem Katalysator für Reform und Neuorientierung der europäischen Außenpolitik. Der im Juni von Javier Solana vorgelegte Entwurf einer europäischen Sicherheitsstrategie und die Vorschläge des EU-Konvents zeugen von einer neuen Dynamik in der außen- und sicherheitspolitischen Debatte Europas. Ob sich diese Initiativen zu einem politischen Erfolg entwickeln können, hängt letztendlich davon ab, ob es der europäischen Politik gelingt, ein an die sicherheits- und außenpolitischen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts angepasstes und gleichzeitig für die erweiterte Union tragfähiges Gesamtkonzept für die europäische Außen- und Sicherheitspolitik zu entwickeln. Die Entwicklung der europäischen Außenund Sicherheitspolitik Aller guten Dinge sind drei – ein Start mit Hindernissen Die Idee, Europa in der Außenpolitik eine gemeinsame Stimme zu geben, ist so alt wie die europäische Integration selbst. Fast genauso alt ist aber auch die Erkenntnis, dass der Weg dorthin überaus schwierig und von zahlreichen Hindernissen gesäumt ist. So stand am Beginn der europäischen Außen- und Sicherheitspolitik zunächst ein zweifaches Scheitern. 1950 sah der Pleven-Plan die Gründung einer Europäischen Verteidigungsgemeinschaft(EVG) mit einer integrierten europäischen Armee unter gemeinschaftlicher Führung vor(vgl. Tabelle 1). Nachdem der EVG-Vertrag von den Regierungen der Mitgliedsländer bereits unterzeichnet war, brachte der Widerstand der französischen Nationalversammlung den Plan zu Fall. In den frühen 60er Jahren wurde ausgehend von den Fouchet-Plänen die Einrichtung einer politischen Union mit gemeinsamer Außen- und Sicherheitspolitik diskutiert. Aber auch diese Initiative scheiterte an den Vorbehalten der Nationalstaaten gegenüber einem Souveränitätsverzicht in der Sicherheits- und Verteidigungspolitik.
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Neue Impulse in der europäischen Außen- und Sicherheitspolitik : der Verfassungsentwurf des Konvents und die Sicherheitsstrategie von Solana
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