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Uribe bis 2010? : Kolumbien zwischen Wiedereingliederung und Wiederwahl
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19.01.2005 Uribe bis 2010? Kolumbien zwischen Wiedereingliederung und Wiederwahl Von Wolf Grabendorff Auch nach mehr als 2 Jahren Amtszeit unterstützt ein Großteil der Bevölkerung die Politik der Regierung Uribe, vor allem wegen der verbesserten Sicherheitslage. Präsident Uribe möchte diese Popularität nutzen und auf Grund einer gelungenen Verfassungsänderung seine Wiederwahl anstreben. Im Rahmen des Plan Patriota wurden die Guerillaorganisationen FARC und ELN militärisch zurückgedrängt. Die einseitige Anwendung derPolitik der demokratischen Sicherheit führte zu ei­nem Erstarken der paramilitärischen Gruppen . Sie sind der neue dominierende Akteur im internen Konflikt und in 35% des Landes präsent. Trotz nicht eingehaltenem Waffenstillstand und fehlenden rechtlichen Grundla­gen hat die Wiedereingliederung verschiedener paramilitärischer Gruppen bereits zur Entwaffnung von über 3.000 Kämpfern geführt. Der Prozess soll 2005 abgeschlossen werden. Wichtigster außenpolitischer Partner militärisch wie finanziell sind weiterhin die USA. Von der EU erwartet die Regierung Uribe mehr Engagement. Steuer-, Arbeitsmarkt- und soziale Reformen wurden durch die politisch dominieren­de Wiederwahldebatte verzögert. Positiven Wirtschaftsdaten steht eine sich verschärfende soziale und humanitäre Krise gegenüber: 66% der Bevölkerung leben in Armut, und die Zahl der internen Vertriebenen hat die 3-Millionen-Schwelle überschritten. Erstarken der Paramilitärs Der kolumbianische Präsident Álvaro Uribe Vélez kann weiterhin auf hohe Zustim­mungsraten in der Bevölkerung zählen. Umfragen zufolge sind 79 Prozent der Be­fragten in den städtischen Gebieten mit seiner Amtsführung zufrieden, und 68 Pro­zent befürworten seine Wiederwahl. Der ist er aufgrund einer Verfassungsänderung vom 1.12.2004 ein gutes Stück näher gekom­men. Uribes Popularität ba­siert vor allem auf derPolitik der demo­kratischen Si­cherheit. Nach Regierungsangaben sank die Zahl der jährli­chen Morde in seiner Amtszeit um 19%. Mit 42 Morden pro 100.000 Einwohnern konnte 2004 die niedrigste Rate seit 20 Jahren verzeichnet werden. Die Zahl der Entführun­gen ging sogar um 39% zurück. Städte wie Cali und Medellín, einst für ihre extrem hohen Mordraten bekannt, sind spürbar sicherer geworden. Trotz positiver Statistiken hat es jedoch hinsichtlich des Kolumbien seit Jahrzehnten dominierenden inneren Kon­flikts wenig Fortschritte bei der Friedenssu­che gegeben. Die beim Amtsantritt versprochene Politik derharten Hand richtet sich primär si­cherheitspolitisch auf die Eliminierung der Guerillagruppen, also auf eine militärische 1