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Thailand nach den Wahlen : Premier Thaksin zwischen Machtzuwachs und Krise im Süden
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März 2005 Thailand nach den Wahlen: Premier Thaksin zwischen Machtzuwachs und Krise im Süden Dr. Stefan Chrobot, FES Bangkok Premier Thaksin erzielt eine Dreiviertelmehrheit im Parlament. Niederlage im Sieg: Die Regierungspartei verliert den Süden. Die Krise in den muslimischen Provinzen könnte sich verschärfen. Die Opposition formiert sich unter verjüngter Führung. Die Regierungsbildung bringt wenig Neues und festigt Thaksins Macht. Dominierende Mehrheit der Regierungs­partei Thailands Parlamentswahl vom 6. Februar 2005 brachte Premierminister Thaksin Shina­watra und seiner nationalpopulistisch orien­tierten Thai Rak Thai Partei eine Dreiviertel­mehrheit von 377 der 500 Parlamentssitze gegenüber 248 Mandaten im Wahlgang von 2001. Drei weitere im Parlament vertretene Parteien kommen auf insgesamt 123 Sitze: Die liberale Democrat Party erhielt 96 Sitze (127), die Chart Thai Partei 25 Sitze(41) und die mit sozialer Programmatik angetretene Mahachon Partei 2 Sitze(-). Die Opposition bleibt unter 25%, was eine maßgebliche Be­einträchtigung ihrer durch die Verfassung gewährten parlamentarischen Kontrolle der Regierungsarbeit bedeutet. Nach thailändischem Wahlrecht werden 100 Abgeordnete auf Parteilisten in Verhältniswahl mit einer 5% Klausel gewählt. Weitere 400 Mandate ergeben sich aus der Mehrheitswahl von Parteikandidaten in 400 Wahlkreisen. Über ihre jeweiligen Parteilisten erzielten Thai Rak Thai 67 Mandate bzw. 61,1%, Democrat 26 Mandate bzw. 23,3% und Chart Thai 7 Mandate bzw. 6,6%. Mahachon scheiterte mit 4,4% an der 5% Klausel. Schließt man aus der Listenwahl auf die Zustimmung der Bevölkerung zur Politik der Parteiführung, dann erzielte Thaksin mit 61,1% Zustimmung über 75% der Mandate. Die Dreiviertelmehr­heit im Parlament ist für den zum Autokrati­schen neigenden Thaksin ein neuer Höhe­punkt der Macht. Kein gewählter Premier vor ihm bestand eine volle Legislaturperiode. Erstmals erhielt eine politische Partei so viele Sitze, dass sie sogar auf taktische Koalitions­partner verzichtet. Auch im politisch wankel­mütigen Bangkok, das noch Ende August 2004 einen Politiker der oppositionellen De­mocrat Party zum Bürgermeister gewählt hat­te, siegte Thai Rak Thai mit 32 von insgesamt 37 Direktmandaten der Hauptstadt jetzt sehr klar. Ablösung der politisch-wirtschaftlichen Oligarchie Thaksins Wahlsieg verändert Thailands multi­polare politische Struktur. Bisher verteilte sich die wirtschaftliche und soziale Elite auf meh­rere konkurrierende politische Machtzentren, die sich in wechselnden Bündnissen Zugang zu profitablen politischen und wirtschaftlichen Entscheidungen in Parlament und Regierung verschaffen. Den Unterschichten war in die­sem System Aufstieg und direkte Partizipation zwar weitgehend verwehrt(was sich z.B. da­rin ausdrückt, dass Nichtakademiker in Thai­land kein Parlamentsmandat innehaben dür­fen). Die sozial Benachteiligten konnten je-