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Nach 170 Jahren, nun auf dem Weg zu einer linken Regierung? : Urugay vor den Wahlen
Entstehung
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30.06.2004 Nach 170 Jahren, nun auf dem Weg zu einer linken Regierung? Uruguay vor den Wahlen Wahlen in Uruguay, einem Land, dem bis in die sechziger Jahre der Ruf einer Schweiz Latein­amerikas vorausging, und welches trotz seiner aktuellen ökonomischen Probleme weiterhin eine beachtli­che politische Stabilität aufweist, galten eher als eine Routineangelegenheit, die wenig Interesse außerhalb des Landes provozierte. Dies wird sich möglicherweise mit den Wahlen vom Oktober 2004 ändern. Denn allen Umfra­gen nach hat die politische Linke exzellente Chancen, die Präsidentschafts--und Parlamentswahlen mögli­cherweise schon im ersten Wahlgang zu gewinnen. In diesem Fall würde die 170jährige Dominanz der beiden Traditionsparteien Colorados und Blancos, abgesehen von der Militärdiktatur 1973-1984, durcbrochen werden. Ein Wahlsieg der Linken würde nicht nur für das Land selbst einen tief greifenden Wechsel bedeuten, sondern auch Auswirkungen auf die Region haben. Denn die aktuelle Regierung hat sich wenig in der von Brasilien und Argentinien aktiv betriebenen Fortentwicklung des regionalen Bündnisses MER­COSUR engagiert. Eine linke Regierung, das steht fest, würde sich dagegen nahtlos in das Konzept einer ver­stärkten ökonomischen und politisch-institutionellen Gestaltung des MERCOSUR einfügen. Aus diesem Grund, aber auch wegen politischen Sympathien, haben die Regierungen von Brasilien und Argentinien deutlich ihre Unterstützung für den Präsidentschaftskandidaten des Linksbündnisses zum Ausdruck ge­bracht. Von der Schweiz Lateinamerikas zum klassi­schen 3.-Welt-Land? Bis in die sechziger Jahre war Uruguay der Ruf vorausgeeilt, die Schweiz Lateinamerikas zu sein. Dieses letztlich etwas zweifelhafte Prädikat war dem Land nicht nur wegen seiner soliden wirt­schaftlichen Entwicklung, sondern auch wegen der hohen Stabilität seiner politischen Institutio­nen, dem soliden Parteiensystem und dem vorbildlichen Sozialstaat verliehen worden. Diese und andere Faktoren, wie die konsequente Trennung von Kirche und Staat oder das relativ ausgeglichene Einkommensniveau trugen dazu bei, dass die anderen Lateinamerikaner die Uruguayer- und diese sich auch selbst- eher als Europäer denn als Lateinamerikaner empfanden. Verschiedene Faktoren provozierten die Erosion dieser idyllischen Welt. In den sechziger Jahren fing die Wirtschaft an zu kriseln. Und auch Uruguay konnte sich nicht dem Zyklus der Militärdiktaturen, die sich in den 1970ern und 1980ern im südlichen Lateinamerika verbreite­ten, entziehen, wenn auch im Unterschied zu anderen lateinamerikanischen Ländern die Mili­tärs weder in der Bevölkerung noch bei der politischen Elite nennenswerte Unterstützung fanden. Die letzten Illusionen zerstoben mit der schwe­ren Wirtschaftskrise, die in Folge der argentini­schen Finanzkrise 2001/2002 das Land erfasste. Nur knapp zwei Jahre später hat sich die Armut verdoppelt, ist die Arbeitslosigkeit auf ca. 15%