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Standortkonkurrenz, Arbeitsplatzexport und Beschäftigung
Entstehung
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Internationale Politikanalyse Globalisierung und Gerechtigkeit, September 2004 D eutschland ist nicht mehr wettbewerbsfähig. Die Kosten, vor allem die Löhne, sind zu hoch. Kluge Unternehmen verlagern daher die Produktion an andere Standorte mit niedrigeren Löhnen und sonstigen Kos­ten. In der Folge gehen in Deutschland Arbeitsplätze verloren. Nur niedrigere Löhne(oder alternativ längere Arbeitszeiten bei gleichem Lohn) können die vorhande­nen Arbeitsplätze retten und einen weiteren Anstieg der Arbeitslosigkeit verhindern. Was ist dran an dieser Mantra, die die Reformdebatte in Deutschland seit Jah­ren beherrscht? Wie wirkt sich dieser Prozess global aus und wie kann er gerechter gestaltet werden? 1. Freihandel vernichtet Arbeitsplätze Nach der klassischen Außenhandelstheorie gibt es kei­ne Standortkonkurrenz, weswegen prominente Wirt­schaftswissenschaftler wie Paul Krugman schon vor zehn Jahren die Wettbewerbsfähigkeit einen gefähr­lichen Wahn genannt haben(Krugman 1994). Statt­dessen spezialisieren sich Länder gemäß ihren kompa­rativen Vorteilen(bei Ricardo 1817 waren es Portugal und England). Selbst wenn ein Land alles günstiger produzieren kann als sein potentieller Handelspartner, lohnt es sich für beide, sich auf ihre jeweils produktivs­te Beschäftigung zu konzentrieren und dann mittels internationalem Handel zu tauschen. Selbst in diesem klassischen Idealfall gibt es eine Reihe von oft nicht ganz erfüllten Bedingungen und Folgeproblemen, die das Bild der Interessenharmonie trüben(Dauderstädt 2000): Die Spezialisierung gelingt nur, wenn die Produk­tionsfaktoren leicht von einem Sektor in den ande­ren wandern können. Wenn die Umstellungskosten zu hoch werden, lohnt sich die Arbeitsteilung nicht. Nach vollzogener Spezialisierung werden alle ur­sprünglich beschäftigten Arbeitskräfte nur weiter voll beschäftigt, wenn der Produktivitätsgewinn in höheren Output und nicht in mehr Freizeit umge­setzt wird. Letztere kann eventuell auch zu Arbeits­losigkeit führen, wenn der Mindereinsatz von Arbeit nicht in Form von kürzerer Arbeitszeit geschieht. Michael Dauderstädt Standortkonkurrenz, Arbeitsplatzexport und Beschäftigung Die Gewinne der Spezialisierung können im und zwischen den Ländern unterschiedlich verteilt wer­den, je nach dem, welches Austauschverhältnis sich einstellt, auch wenn ein Land letztlich nicht schlech­ter fährt als im Autarkiefall vor der Spezialisierung. Je nach Austauschverhältnis verteilt sich auch die Beschäftigung. Das begünstigte Land braucht weni­ger Arbeit(hat also eventuell mehr Arbeitslose) als das benachteiligte. Das ist derselbe Grundzusam­menhang, bei dem durch Lohnsenkung bzw. Ab­wertung die Beschäftigung angekurbelt werden kann. Selbst im einfachen Fall zweier Länder, die zwei Güter tauschen, kann es also zu Arbeitslosigkeit kommen, die zwischen den beteiligten Ländern zu verteilen ist, wo­bei das Land mehr Arbeitsplätzerettet, das auf Wohlstand verzichtet, indem es ein ungünstigeres Aus­tauschverhältnis akzeptiert. In der klassischen Ökono­mie ist Arbeit ein Leid, dessen Minimierung bei glei­chem Konsumniveau den Wohlstand erhöht. Diese Weisheit ist in der heutigen Reformdebatte verloren gegangen. Das Ricardo-Modell ist aber von der heutigen Reali­tät noch wegen einer Reihe anderer Aspekte weit ent­fernt: Alle Länder sind wenn auch in unterschiedlichem Maß schon in die globale Ökonomie integriert. Es geht also nicht mehr nur um mögliche Spezialisie­rungsgewinne, sondern auch um Verluste, wenn vorhandene Handelsbeziehungen zurückgehen. Da viele(und nicht nur zwei) Länder beteiligt sind, kann ein Land durch ein anderes aus einer vorteilhaften Austauschbeziehung mit einem dritten Land ver­drängt werden, womit die entsprechenden Wohlstandsverluste einhergehen. Dies ist der Fall, in dem man sich wirklich Sorgen machen muss(siehe Exkurs 1 im Kasten unten). Die Spezialisierung erfolgt nicht nur über den Han­del, sondern auch über Faktorbewegungen. Dabei bewegt sich vor allem das Kapital, aber auch in ge­ringerem Umfang die Arbeit(Migration). Dazu un­ten mehr in Abschnitt 2.