Paradox: Scheich Ahmed Jassins Tod bedeutet eine Schwächung der Autonomiebehörde – Die Lage in den Palästinensischen Autonomiegebieten im Frühjahr 2004 Mit der Schaffung des Amtes eines Premierministers der palästinensischen Autonomiebehörde(PA) am 18. März 2003 verband die internationale Gemeinschaft die vage Hoffnung, das palästinensische politische System möge sich weiterentwickeln und die allumfassende Macht des als autokratisch empfundenen PLO-Vorsitzenden und Präsidenten der PA, Jassir Arafat, könne doch noch beschnitten werden. Ein Jahr später, im Frühjahr 2004, sind Autonomie und Demokratie in weite Ferne gerückt. Die palästinensischen Gebiete sind de facto wieder von der israelischen Armee besetzt, anstelle eines gestärkten Parlaments und eines selbstbewussten Premierministers zeigen sich erste Auflösungserscheinungen der Behörde, und mit dem Tod Scheich Ahmed Jassins befürchten viele eine neue Welle von Terror und Vergeltung. Mit dem Angriff auf den Hamas-Führer am 22. März 2004 scheinen die Karten zwischen der PA und der islamistischen Hamas-Bewegung endgültig neu gemischt werden zu müssen. Lagen die Popularitätswerte Ahmed Jassins nach Umfragen des Jerusalemer Media and Communication Centers selbst im Gazastreifen mit nur 13,9% hinter denen Arafats, der im Oktober 2003 immerhin noch 29,8% der Befragten hinter sich vereinen konnte 1 , spricht einiges dafür, dass die Hamas nun an Unterstützung gewinnen wird. Schon vor seiner Tötung ging im Gazastreifen die Kunde einer zunehmenden Anzahl von Überläufern aus der Fatah zur Hamas. Tausende gingen anlässlich der Beerdigung Jassins auf die Straßen, und obwohl die Hamas als größte Konkurrentin der Autonomiebehörde gilt, sah sich auch Premierminister Ahmed Kurei veranlasst, den Trauerfeierlichkeiten beizuwohnen. „The Palestinian government expresses its deep condolences to the Palestinian people imploring God to forgive our beloved martyr Sheikh Ahmad Jassin and accepts him as a martyr”, heißt es in der Presseerklärung des Ministerrates, und als ob man die drohende Gefahr eines bevorstehenden Machtkampfes zwischen Hamas und Fatah im Gazastreifen abwenden wolle, fügt Kurei hinzu„the Palestinian government asks all 1 24,1% der Befragten antworteten, sie hätten zu gar keinem palästinensischen Führer mehr Vertrauen. Vgl. http://www.jmcc.org/publicpoll/result s/2003/no49.pdf Palestinian individual and nationalist and Islamic factions to align ranks and enhance national unity”. Die Hamas – so die Hoffnung – möge keine Eigeninitiativen ergreifen, die außerhalb des nationalen Interesses lägen. Andererseits wird jeder Angriff der Autonomiebehörde auf die Anhänger des Scheichs fortan als Kolla boration mit Israel interpretiert werden. Nach Ansicht von Reuven Paz, Direktor des Herzliya Institute for CounterTerrorism, war das Attentat Wasser auf den Mühlen der Radikalen:„Kein moderater Palästinenser kann es sich jetzt erlauben, über Frieden zu sprechen“. 2 Eine wie von Israel geforderte Offensive der PA gegen die Hamas wird nicht nur aus diesem Grund ausbleiben. Seit langem zeigte sich, dass Arafat nicht nur im Gazastreifen die Kontrolle entgleitet. Als hätte die PLO die nun eingetretene Situation der völligen Bewegungseinschränkung geahnt, wurden 2 „Noch extremistischer“. Interview mit Reuven Paz, Frankfurter Rundschau, 23.03.2004 1
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Paradox: Scheich Ahmed Jassins Tod bedeutet eine Schwächung der Autonomiebehörde : die Lage in den Palästinensischen Autonomiegebieten im Frühjahr 2004
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