Machtkampf in Ramallah: Der Anfang vom Ende des Jassir Arafat? Mit einem charakteristischen Wutausbruch soll der PLO-Vorsitzende und Chef der palästinensischen Autonomiebehörde, Jassir Arafat, auf die Kabinettvorschläge des jüngst ernannten, ersten Premierministers in der palästinensischen Geschic hte, Mahmud Abbas alias„Abu Mazen”, reagiert haben. Das vorgesehene Treffen des Zentralkomitees der Fatah, der Mehrheitspartei im Palestinian Legislative Council (PLC), in der eine Probeabstimmung über Abbas’ Liste hätte stattfinden sollen, wurde kurzerhand abgesagt.“Habt Mitleid mit einem alten, gefallenen Führer”, wurde Arafat anschließend etwas versöhnlicher zitiert, der umgehend mit seinen engsten Beratern zusammentraf, um die äußerst kritische Situation zu beratschlagen, hatte nicht zuletzt Präsident Bush die Veröffentlichung der neuen„Road Map” zur Lösung des Nahost-Konflikts von der Vereidigung eines palästinensischen Reform-Kabinetts abhängig gemacht. Abu Mazen meinte, alles unternommen zu haben, um ein Kabinett zusammen zu stellen, das Arafat neutralisieren würde. Genau hier brachen jedoch die von allen Beobachtern erwarteten Konfliktlinien auf. Nur ein Minister aus Arafats Kabinett(Finanzminister Salam Fayad) sollte übernommen, alle anderen mit neuen Aufgaben betraut, degradiert oder entlassen werden. Prominente Mitglieder des Fatah Establishments wie Saeb Erekat(Minister für Lokale Angelegenheiten), Yasser Abed Rabbo (Informationsminister) und Maher al Masri(Handel- und Industrieminister) sollten auf das Niveau eines Staatministers ohne Portfolio heruntergestuft werden oder hätten vermeintlich weniger wichtige Ämter bekleidet. Planungsminister Nabil Sha’ath hätte sich zukünftig mit dem Posten eines Staatsminister zufrieden geben müssen. Die Betroffenen ließen sich darauf hin entschuldigen. Ohne Portfolio, sprich ohne Budget, stünde man für eine zukünftige Regierung nicht zur Verfügung. Saeb Erekat ließ verlauten, er habe nicht vor, ein Staatsminister ohne„Staat” zu werden. Damit war Abbas’ erstes Anliegen bereits gescheitert: die minimale Einbindung der alten Garde zur Sicherstellung einer Vertrauensbasis in der Fatah. Wie ein Angriff auf seine eigene Person muss Arafat die Lektüre der Abbas-Vorschläge empfunden haben als er statt der alten Vertrauten, Namen von Reformern wiederfand, die er selbst versucht hatte, zu marginalisieren. Hierzu gehörten der ehemalige Sicherheitschef(„Preventive Security“) in Gaza, Mohamed Dahlan, der nach fortgesetzter Kritik an Arafats Intifada am 5. Juni 2002 von seinem Amt zurück getreten war oder Nabil Amr, ehemaliger Minister für parlamentarische Angelegenheiten, der ebenfalls(am 4. Mai 2002) aus Protest seinen Posten geräumt hatte und sich daraufhin persönlichen Angriffen durch Arafats Gefolgsleute ausgesetzt sah. Dabei war sich der Premierminister seines Handelns wohl bewusst, als er für Dahlan nur die Aufgabe eines Staatsministers vorsah und sich selbst das Amt des Innenministers vorbehielt. Den 42jährigen Dahlan hatte Abbas dazu auserkoren, die verschiedenen Sicherheitskräfte zu einigen und- wie von der israelischen Regierung erhofft- militante Gruppen außer Gefecht zu setzen. Hierzu gehört in letzter Konsequenz auch die Entwaffnung der Al Aqsa Brigaden, einer Splittergruppe von Arafats Fatah, die für den jüngsten Selbstmordanschlag am Mittwoch nach Ostern in Kfar Sabar verantwortlich gemacht wird und deren Verbindungen zu Arafat ein offenes Geheimnis sind. Gegen die vorgesehene Entmachtung des wenig erfolgreichen Innenministers Hani al Hasssan erhob Arafat heftigen Einspruch. Nach über 18 Monaten erzwungenem Hausarrest wäre seine Nabelschnur zur Außenwelt damit endgültig abgeschnitten. Eine Beibehaltung Arafats Intimus hätte jedoch eine Schwächung des neuen Premiers bedeutet und so musste Abu Mazen auf diese Änderung bestehen. Kritik an der Kandidatenliste kam jedoch auch von anderer Seite. Einigen Reformern, wie den PLC Mitglieder Mohamed Horani oder Hasan Khraisheh, ging Abu Mazen nicht weit genug. Dies sei eine„Sicherheitsregierung”, ließ sich Khraisheh zitieren, deren alleinige Aufgabe es sein werde,„Leute hinter Gitter zu bringen”. In dieser Ansicht bestätigt fühlte man sich durch den Vorschlag, Generalmajor Nasser Jusef zum VizeMinisterpräsidenten zu ernennen. Jusef obliegt zur Zeit die Koordination der zivilen Sicherheitskräfte. 1
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