Das„Genfer Dokument“ aus palästinensischer Perspektive Vor etwa zwei Jahren entstand auf einem Treffen der Israeli-Palestinian Peace Coalition(IPPC) die Idee zur Ausarbeitung eines alternativen Friedensplanes. Mit logistischer Unterstützung des schweizerischen Außenministeriums diskutierten die Beteiligten seitdem unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Publik wurden ihre Aktivitäten erst Mitte Oktober 2003, pünktlich zur nachrichtenarmen Zeit der jüdischen Feierwoche zum Laubhüttenfest. Der Vertrag war schnell in aller Munde und zog schwere Kritik von Seiten der israelischen Regierung auf sich. Das Dokument soll am 1. Dezember mit internationaler Beteiligung in Genf verabschiedet und danach von den Beteiligten in vielen Ländern vorgestellt werden. Die wesentlichen Inhalte des Dokuments Die sogenannte„Grüne Linie“ bildet die Grundlage für die Grenzziehung beider Staaten. Palästina würde demnach auf 22% des ehemaligen britischen Mandatsgebiets Palästina gegründet, mit Ost-Jerusalem als Hauptstadt. Einige der größeren Siedlungs blöcke im Westjordanland sollen von Israel annektiert werden können. Die Palästinenser erhalten im Gegenzug andere Gebiete im Verhältnis 1:1. Palästinensische Flüchtlinge erhalten die Wahl, sich entweder im künftigen Staat Palästina oder in einem Drittland nie derzulassen. Israel soll eine noch zu verhandelnde Anzahl von Flüchtlingen aufnehmen. Die palästinensischen Stadtteile Ost-Jerusalems werden Teil Palästinas. Die jüdische Kla gemauer(Westmauer) in der Altstadt sowie das jüdische Viertel werden zu Israel geschla gen. Eine internationale militärische Präsenz in den jetzt noch is raelisch besetzten Gebieten soll einen reibungsloseren Rückzug des Militärs innerhalb von 30 Monaten gewährleisten. Die palästinensischen Akteure Die Organisatoren arbeiten unter der Leitung von Jassir Abed Rabbo, dem ehemaligen Informationsund Kulturminister. Qaddura Fares und Muhammad Hurani sind als Vertreter der Fatah und Parla mentsmitglieder vertreten, Nabil Qassis und Hisham Abdel Raseq als ehemalige Kabinettsangehörige. Mit Suheir al-Manasra, einem langjährigen Partner der FES, ist auch ein Angehöriger des Sicherheitsbereichs Teil der Planungen. Jassir Arafat, der Vorsitzende der Autonomiebehörde, begrüßt die Arbeit des Teams. Ein derartiges Engagement ohne seine Unterstützung wäre in den besetzten Gebieten auch nicht vorstellbar. Die Büros der Verwaltung des palästinensischen Teams sind im offiziellen Medienzentrum in Ramallah untergebracht und identisch mit den Räumen des palästinensischen Teils des IPPC. Die israelischen Akteure Der Druck auf das israelische Team von Seiten der Regierung ist immens. Auch in der Presse werden sie häufig bestenfalls als Ansammlung einflussloser Randfiguren dargestellt. Aber vom linken Flügel der Arbeitspartei sind mit dem Ex-Minister Jossi Beilin, dem ehemaligen Knessetsprecher Avraham Burg und dem vormaligen Parteivorsitzenden Amram Mitzna prominente gemäßigte Politiker vertreten. Angehörige der Meretz-Partei und sogar eine ehemalige Likudabgeordnete sind beteiligt. Das Team umfasst ehemalige Militär- und Geheimdienstmitarbeiter, aber auch Mitglieder der Friedensbewegung Peace Now. Wie nehmen die Palästinenser den Vorschlag auf? Am 16. November begann das palästinensische Team mit der Kampagne für das Dokument. Die Mitglieder diskutieren es nun persönlich mit Jugendorganisationen, Studenten, Bewohnern von Flüchtlingslagern und anderen Gruppen und stellen sich im palästinensischen Fernsehen zur Diskussion. Der arabische Text des Dokuments ist als Beilage palästinensischer Tageszeitungen in 40.000 Exemplaren verteilt worden. Nach dem 1. Dezember, dem Tag der Verabschiedung in Genf, beginnt eine professionelle Werbekampagne in den besetzten Gebieten. Die palästinensische Öffentlichkeit reagiert bisher zurückhaltend auf das Dokument. Nach dem Motto:„Was schlecht für Scharon ist, ist gut für uns“, erhielt der Friedensvorschlag sozusagen einen Trotz-Bonus, noch bevor seine Inhalte überhaupt bekannt wurden. Die Kritik am Genfer Dokument ist dennoch vielfältig. Aus Frustration über die als uferlos empfundene Unterlegenheit gegenüber Israel und den USA winken viele den Vorschlag ab. 1
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