100 Tage Road Map – eine Bestandsaufnahme Am 30. April diesen Jahres wurde dem palästinensischen Premierminister Mahmud Abbas und seinem israelischen Kollegen, Premierminister Ariel Sharon, ein Papier ausgehändigt, das den gewaltsamen Konflikt zw ischen Israel und den Palästinensern mit Hilfe von UN, EU, USA und Russland bis 2005 beenden soll. In drei Etappen soll das gesteckte Ziel zu erreichen sein. Im Vergleich zum Oslo-Abkommen beinhaltet die Road Map für die Palästinenser die Option auf einen eigenen Staat. Das wird vielerorts als Fortschritt gegenüber vorherigen, nicht erfolgreichen Befriedungsansätzen bewertet. Die Road Map geht auf eine Diskussion innerhalb der EU zurück und greift die Initiative der Arabischen Liga vom März 2002 (Abdullah-Plan) auf, indem das bekannte Angebot, Land für Frie den, plus Anerkennung des Staates Israels durch die arabischen Länder übernommen wird. Der Friedens-Plan sah bis Ende Mai 2003 eine Beendigung der Gewalt gegen Israel vor. Dies hätte bedeutet, die aktuelle temporäre Waffenruhe in eine endgültige zu transformieren, eine Normalisie rung im Leben der Palästinenser eintreten zu lassen, eine Reformie rung palästinensischer Institutionen vorzunehmen und freie Wahlen vorzubereiten. Weiterhin essentiell wäre ein eindeutiges Statement der Palästinensischen Führung zur Anerkennung des Rechts auf Frieden und Sicherheit des Staates Israel und ein Ende sämtlicher negativer Äußerungen gegen Israel bis Ende Mai gewesen. Die israelische Seite hätte sich verpflichten müssen, die Zwei-Staaten-Lösung und damit ein souveränes, unabhängiges und lebensfähiges Palästina zu akzeptieren, den Siedlungsbau zu stoppen, nach März 2001 errichtete illegale Außenposten zu räumen, aus den nach September 2000 besetzten Gebieten abzurücken sowie verbale negative Attacken zu unterlassen. In der 2. Phase, die für Juni 2003 bis Dezember 2003 angesetzt war, ist neben der Fortsetzung und Konsolidierung von Maßnahmen aus Phase 1 die Option auf einen unabhängigen, souveränen palästinensischen Staat mit provisorischen Grenzen vorgesehen. Auf dem letzten Streckenabschnitt der Road Map, 2004/05, sollen die für viele Palästinenser so dringenden Endstatusfragen behandelt werden: die Zukunft von Jerusalem, die Flüchtlingsfrage, der endgültige Grenzverlauf. Laut palästinensischen Aussagen ist der Ausschluss dieser Fragen aus den bisherigen Verhandlungen eine große Schwäche des Oslo-Abkommens gewesen. Dennoch scheint sich dieser Fehler zu wiederholen. Die erste Phase sollte bereits im Mai 2003 abgeschlossen sein, doch ist der erste Meilenstein noch in weiter Ferne: Soll und Ist divergieren. Die amerikanische Vorbedingung zur Road Map an die Palästinensische Autonomiebehörde(PA) war die Berufung und Einsetzung eines Ministerpräsidenten. Indem die Palästinenser mit der Designie rung von Mahmud Abbas am 19. März 2003 und dessen Vereidigung am 30. April dieser Forderung nachgekommen sind, haben sie ihrem Willen zum Frieden deutlich Ausdruck verliehen. Am Sonntag, dem 25. Mai, stimmte das israelische Kabinett mit sehr knapper Mehrheit für den Plan zum Frieden und erkannte damit die Forderung der Palästinenser auf Eigenstaatlichkeit an. Ursprünglich hatte Israel ein Paket von 14 Änderungswünschen angemeldet, die jedoch von der palästinensischen Seite, der Nationalen Sicherheitsberaterin der USA Condoleezza Rice und U.S. Außenminister Colin Powell abgelehnt wurden. U.S. Präsident George W. Bush machte dahingehend Konzessionen, diese Einwände im Auge zu behalten. Sharon und Abbas erklärten Anfang Juni in Aqaba/Jordanien ihre Verpflichtung zur Anwendung der Road Map. Es dauerte weitere drei Wochen bis der große Schritt auf beiden Seiten getan wurde. Hamas und Isla mischer Jihad erklärten einen dreimonatigen, Fatah einen sechsmonatigen Waffenstillstand am 29. Juni 2003. Die Vorbedingungen an Israel hierfür waren der Abzug aus den nach dem 28. September 2000 wiederbesetzten Gebieten, die Einstellung militärischer Angriffe gegen die palästinensische Bevölkerung, die Freilassung aller Gefangenen und die Aufhebung der Ausgangssperre. An das Quartett erging die Aufforderung, internationale Beobachter und 1
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