Überwältigender Sieg für Regierungspartei bei Parlamentswahlen im Jemen Wegen des Irak-Krieges wurden die Parlamentswahlen am 27. April im Jemen von den internationalen Medien kaum beachtet. Insgesamt 1.385 Kandidaten und 11 Kandidatinnen bewarben sich in einem „one person – one vote“Wahlsystem um 301 Parlamentssitze. Obwohl allgemein erwartet wurde, dass die regierende Kongresspartei die Wahlen gewinnen würde, war das Ausmaß des Wahlsieges eine große Überraschung. Mit 238 Abgeordneten besitzt die Regierungspartei nun eine so überwältigende Mehrheit, dass selbst Verfassungsänderungen ohne widerstandsfähige Opposition durchzusetzen sind. Mit einer Bevölkerung von rund 19,2 Millionen Einwohnern, einem Pro-Kopf-Einkommen von 456€, einem Bevölkerungswachstum von 3,4% und einem Wirtschaftswachstum von 4,2% gehört der seit dem 22. Mai 1990 vereinte Jemen zu den 20 ärmsten Ländern der Welt. Die zum Teil noch nicht erschlossenen Öl- und Gasvorkommen tragen mit einer Produktion von 480.000 Barrel/Tag zu rund 75% der Staatseinnahmen bei. Der mit der Vereinigung eingele itete und vom Westen mit viel Aufmerksamkeit verfolgte Demokratisierungsprozess zeichnet sich durch die Zulassung von 22 polit ischen Parteien, einer relativen Pressefreiheit, der Verabschiedung einer Verfassung(1994), Parlaments-(1993 und 1997), Präsidial(1999) sowie Kommunal- und Bezirkratswahlen(2001) aus. Dieser Prozess ist jedoch von tribalen Verhaltensweisen und konservativen Denkmustern sowie von regelmäßigen Akten staatlicher Willkür geprägt. Die Menschenrechtssituation im Jemen wird von Human Rights Watch und Amnesty International als schlecht bezeic hnet: Die Willkür der Sicherheitsdienste reicht von eigenmächtigen Verhaftungen über die verfassungswidrige Überwachung von Bürgern bis hin zu Folter und Erschießungen. Der Beamtenapparat gilt gemeinhin als korrupt. Die gelegentliche Beeinträchtigung der Arbeit von zivilgesellschaftlichen Organisationen und das staatliche Unvermögen gegen die weit verbreitete Kinderarbeit vorzugehen, werfen weitere Schatten auf das Bild der„einzigen Demokratie auf der arabischen Halbinsel“. Auf der anderen Seite vermittelt das regelmäßige Erscheinen von mehr als 25 politischen Tages-, Wochen- und Monatsschriften das Bild einer vielfältigen Presselandschaft. Darüber hinaus arbeiten unzählige zivilgesellschaftliche Organisationen an der Verbreitung der Bürgerrechte und an der Vertiefung des Demokratisierungsprozesses. Dieser Demokratisierungsprozess ist trotz offensichtlicher Schwächen einzigartig auf der arabischen Halbinsel. Politischer Pluralismus und Meinungsfreiheit sind gewährleistet, und das Parlament dient als öffentliches Forum polit ischer Debatten sowie als Treffpunkt gesellschaftlicher, tribaler und regionaler Gruppierungen. Parlamentssitzungen werden in der Regel vom staatlichen Fernsehen direkt übertragen und haben daher langfristig das Potential, Einfluss auf die öffentliche Meinungsbildung zu nehmen. Für den gesamten Wahlkampf waren lediglich 19 Tage angesetzt: 991 Kandidaten von 22 politischen Parteien sowie 405 Unabhängige warben um die Gunst der knapp 8,1 Millionen Wahlberechtigten. Unabhängig von der Parteizugehörigkeit bildeten der Kampf um soziale Gerechtigkeit, die Forderung nach besserer Ausbildung und Gesundheitsversorgung sowie die Kampagne gegen den Internationalen Terrorismus die zentralen Themen der Wahlkampfdebatten. Der mit viel Spannung erwartete Wahltag wurde von 36.000 nationalen und internationalen Beobachtern in mehr als 2.000 Wahllokalen verfolgt. Die Oberste Wahlbehörde hatte sowohl die Wahlregistrierung im Oktober 2002 als auch den technischen Ablauf der Parlamentswahlen sehr gründlich vorbereitet. In allen Wahllokalen war ein dreiköpfiges Komitee der obersten Wahlbehörde vertreten, darüber hinaus waren Vertreter der jeweiligen Kandidaten und un1
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