„ M ISSION IMPOSSIBLE “ – Der Rücktritt des palästinensischen Premiers Mahmud Abbas und seine Auswirkungen auf die Zukunft der road map Nach nur 131 Tagen im Amt hat der palästinensische Ministerpräsident Mahmud Abbas am Samstag, den 6. September, seinen Rücktritt eingereicht. Präsident Jassir Arafat hat das Gesuch angenommen. In seiner Rede vor den Abgeordneten in Ramallah führte Abbas folgende Gründe für seine Entscheidung an: • Das grundsätzliche Problem sei Israels Unwille zur Umsetzung der road map und jeglicher konstruktiver Maßnahmen. So setze Israel auch nach Einwilligung der extremistischen Gruppen in einen Waffenstillstand die Praxis der„targeted killings“ fort. • Die USA und die internationale Gemeinschaft hätten nicht genügend Einfluss auf Israel zur Umsetzung seiner Verpflichtungen, zur Weiterführung des Friedensprozesses und zur Beendung seiner Militärmaßnahmen ausgeübt. Während die medienwirksam in Szene gesetzten Prügeleien zwischen der israelischen Armee und radikalen Siedlern um die Entfernung einiger Siedlungsaußenposten als schmerzhafte Zugeständnisse seitens Israels an den Friedensprozess gefeiert wurden, habe man gleichzeitig die Politik des Tatsachenschaffens – z.B. der Weiterbau des„Sicherheitszaunes“ – unablässig fortgeführt. Für die palästinensische Bevölkerung sei keine Verbesserung ihrer Lage spürbar. • Die notwendige Unterstützung aus den eigenen Reihen zur Umsetzung der Regierungspolitik sei ausgeblieben. Abbas befand sich in einem Dilemma. Ohne jeglichen Einfluss, ohne Akzeptanz in der eigenen Bevölkerung musste er die road map und den Waffenstillstand trotz des Ausbleibens sichtbarer Vorteile für die Betroffenen„verkaufen“. Schließlich machte er Präsident Arafat für sein Scheitern direkt verantwortlich. Dieser habe seine Arbeit untergraben und seine Anstrengungen zur Führung der Regierung torpediert. Der Machtkampf in Ramallah Dem Rücktritt des Premiers ging ein Streit zwischen Abbas und Arafat voraus. Die road map sieht die Vereinigung der palästinensischen Sicherheitsdienste unter einer gemeinsamen Leitung vor. Abbas erhielt aber nur die Kontrolle über die Polizei. Arafat bestimmte weiterhin über den Geheimdienst und die Nationale Sicherheit. Zudem intens ivierte der PLO-Vorsitzende in den letzten Wochen den Aufbau einer Art Parallelregierung. Ein Nationaler Sicherheitsrat sollte, mit Zustimmung von Abbas, demnächst über den Bereich bestimmen, der eigentlich dem Innenministerium und damit Abbas allein- unterlegen hätte. Beide, Abbas und Arafat wollten diesen Rat mit ihren jeweiligen Parteigängern besetzen. Nach Abbas’ Abdankung nimmt nun auch der von Arafat stets abgelehnte Sicherheitschef Mohammed Dahlan seinen Hut. Für Arafat ist dies nach den Auseinandersetzungen vom April ein nachträglicher Sieg. Der späte Sieg des Jassir Arafat Die Schaffung eines Amtes des palästinensischen Ministerpräsidenten war eine Forderung der road map. Um die internationale Anerkennung zu behalten, war Arafat gezwungen gewesen, der Ernennung des international favorisierten Abbas zuzustimmen, wohlwissend, dass dies eine Einschränkung seines eigenen Machtbereiches bedeuten würde. Eine Ablehnung hätte ökonomische Sanktionen, diplomatische Ächtung der gesamten Autonomiebehörde und eine Konsolidierung der direkten israelischen Militärbesatzung zur Folge gehabt. Abbas und seine Regierung hatten jedoch nur wenig Einfluss in den besetzten Gebieten. In einer von der Friedrich-Ebert-Stiftung geförderten Umfrage äußerten sich 43,2% der Befragten skeptisch, dass Abbas einen Einfluss auf innerpalästinensische Reformen nehmen könnte. 67,8% führten seine Ernennung auf außenpolitischen Druck und nicht auf seine persönliche Eignung zurück. Jassir Arafat dagegen genießt noch immer die höchsten Popularitätswerte. Durch seine Kontrolle des Finanzflusses 1
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"Mission impossible" : der Rücktritt des palästinensischen Premiers Mahmud Abbas und seine Auswirkungen auf die Zukunft der road map
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