Internationale Politikanalyse Globalisierung und Gerechtigkeit, Juni 2005 Christoph Zöpel* Die Sozialistische Internationale und globale Demokratie Die Sozialistische Internationale und globale Demokratie D ie in Frankfurt a.M. gegründete Sozialistische Internationale(SI) beging im Juni 2001 in Lissabon im Rahmen einer ihrer Ratstagungen(Council Meeting) ihren 50. Jahrestag. Im Vorwort zum Beiheft der aus diesem Anlass präsentierten Ausstellung„50 Jahre Sozialistische Internationale. Für Soziale Gerechtigkeit und internationale Solidarität in Frieden und Freiheit“ schreibt ihr Vorsitzender, der damalige Ministerpräsident von Portugal, Antonio Guterres:„Im Verlauf von fünf Jahrzehnten hat die Sozialistische Internationale sich darum bemüht, zur Förderung der Demokratie in der Welt beizutragen und die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit auf die Verletzung von Menschenrechten zu lenken[…]“ Er führt weiter fort: ł aáÉ=pçòá~äáëíáëÅÜÉ=fåíÉêå~íáçå~äÉ=Ü~í=ÉáåÉ=ÖäçÄ~äÉ= ^ÖÉåÇ~=Ñ Ω ê=oÉÑçêãÉåW=páÉ=êáÅÜíÉí=ëáÅÜ=~ìÑ=ÉáåÉ=áå=áÜJ êÉå=éçäáíáëÅÜÉå=píêìâíìêÉå=ãÉÜê=ãìäíáéçä~êÉ=ìåÇ= ~ìëÖÉÖäáÅÜÉåÉ=tÉäí=ëçïáÉ=ÉáåÉ=êÉÖìäáÉêíÉ=däçÄ~äáëáÉJ êìåÖI=ÇáÉ=ÇáÉ=båíÑ~äíìåÖ=ÇÉê=táêíëÅÜ~ÑíI=ÇÉê=mêçÇìâJ íáîáí®í=ìåÇ=ÇÉë=tÉäíã~êâíÉë=ÖÉëí~ííÉíI=~ÄÉê=áã=o~ÜJ ãÉå=îçå=dÉêÉÅÜíáÖâÉáíI=çÜåÉ=däçÄ~äáëáÉêìåÖ=ÇÉê= ^êãìí=ìåÇ=sÉêíáÉÑìåÖ=ÇÉê=wïÉáíÉáäìåÖ=òïáëÅÜÉå= ÇÉå=ÉêÑçäÖêÉáÅÜÉå=ìåÇ=ÇÉå=îçå=ÇÉå=pÉÖåìåÖÉå=ÇÉë= cçêíëÅÜêáííë=~ìëÖÉëÅÜäçëëÉåÉå=mÉêëçåÉåI=oÉÖáçåÉå= çÇÉê=i®åÇÉêåK=^ìÑ=ÇÉê=~åÇÉêÉå=pÉáíÉ=áëí=ÇáÉ=pí®êJ âìåÖ=ÇÉê=oçääÉ=áåíÉêå~íáçå~äÉê=ìåÇ=êÉÖáçå~äÉê=fåëíáJ íìíáçåÉå=åçíïÉåÇáÖI=ìã=ÉáåÉ=ìåâçåíêçääáÉêíÉ=ìåÇ= ïáäÇÉ=däçÄ~äáëáÉêìåÖ=òì=îÉêãÉáÇÉå=xÁz“=(Guterres 2001).= Geschichte, gegenwärtige Situation und perspektivische Möglichkeiten der SI sollen unter dieser programmatischen Vorgabe dargestellt und bewertet werden: dem Verhältnis zwischen Demokratie, Menschenrechte als ihre Voraussetzung implizierend, und Globalisierung. Dabei ist von vornherein festzuhalten, dass es Aufgabe einer Gemeinschaft demokratischer * MdB, Vorsitzender des SI-Komitees für Wirtschaft, Sozialen Zusammenhalt und Umwelt Parteien ist, dieses Verhältnis in der globalgesellschaftlichen Wirklichkeit praktisch zu gestalten, nicht nur oder vorrangig theoretisch zu erfassen und dann zu bewerten. Es macht allerdings Sinn, den wissenschaftlich-theoretischen Kontext dieser praktischen politischen Aufgabe zu kennen. Dabei zeigt sich, dass anwendbare politikwissenschaftliche Erkenntnisse für das Wirken von demokratischen Parteien bzw. Parteiengemeinschaften auf der globalen Ebene bislang nur ansatzweise, mit begrenztem Wirklichkeitsbezug wie mit begrenzter allgemeiner – also wirklich globaler und nicht nur europäischer bzw.„westlicher“ – Geltung, wissenschaftlich erarbeitet sind. Globale Demokratie- Aspekte der politikwissenschaftlichen Diskussion Generell nimmt in der wissenschaftlichen wie in der politischen Diskussion der handlungsorientierte Konsens über Begriffe im Kontext von Globalisierung zu. Diesem durchaus entsprechend definiert die SI in ihrem programmatischen Report„Governance in a Global Society“(Socialist International 2003) Globalisierung als„Integration des Güter- und Finanzverkehrs wie der kulturellen Kontakte und der Information in globalem Maßstab.“ Der begrifflichen Verständigung über den historischen Prozess der Globalisierung(Osterhammel/Petersson 2003) folgt der Konsens über die Notwendigkeit, ihn verantwortlich zu steuern. Global Governance ist dafür die konzeptionelle Orientierung. Dass Global Governance globale Politik bedeutet, ist offenkundig – partiell wird Governance auch mit Politik übersetzt. Dieser Konsens erstreckt sich besonders im europäischen Diskurs auch auf das Postulat, dass Global Governance demokratisch sein sollte.„Im Unterschied zu früheren Globalisierungswellen verläuft die gegenwärtige unter dem Vorzeichen von Demokratie und Demokratisierung“, konstatiert Klaus Müller(Müller 2002). Was aber„demokratisch“ auf globaler Ebene bedeutet, darüber gibt es in den letzten fünf Jahren eine intensive und widersprüchliche wissenschaftliche Diskussion.
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