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Peru: die unbequeme Wahrheit
Entstehung
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pÉéíÉãÄÉê= OMMR= Ekart Wild Peru: Die unbequeme Wahrheit = Vor rund zwei Jahren veröffentlichte die peruanische Wahrheits- und Versöhnungskommission ihren Abschlussbericht über die Verbrechen des Bürgerkriegs(1980- 2000). Die Umsetzung der meisten Emp­fehlungen steht noch immer aus. Die Programme zur Wiedergutmachung lassen auf sich warten, die eingeforderten Reformen in Armee und Polizei sowie bei der Justiz schleppen sich hin. Von Versöhnung kann bisher keine Rede sein. = Im Juni 2001 beschloss die peruanische Über­gangsregierung unter Valentin Paniagua die Schaffung einer Wahrheitskommission. Diese sollte die während des Bürgerkriegs verübten Menschenrechtsverletzungen aufklären. Die jetzige Regierung unter Alejandro Toledo hat dieses Mandat ausdrücklich bestätigt und die ursprüngliche Aufgabe um den Aspekt der Versöhnung ergänzt. Alle Mitglieder der hçããáëëáçå= Ñ ê= t~ÜêÜÉáí= ìåÇ=sÉêë ÜåìåÖ= unter Leitung von Dr. Salomón Lerner Febres galten als qualifizierte und unbe­stechliche Fachleute. Unterstützt wurden sie in ihrer Arbeit von internationalen Experten. Die Kommission hörte rund 17.000 Zeugen. Am 29.8.2003 legte sie ihren Abschlussbericht vor. Demnach hat der Bürgerkrieg nicht wie zuvor angenommen- 35.000 Menschenleben gefor­dert, sondern fast 70.000. Überdies sind unzäh­lige Folteropfer, Waisen, vergewaltigte Frauen, 500.000 Flüchtlinge und ca. 200.000 traumati­sierte Menschen zu beklagen. 85% der Opfer stammen aus den ärmsten, in den Anden gele­genen Regionen des Landes, 75% der Ermorde­ten waren Indígenas. Mehr als die Hälfte der Taten wurden durch die maoistische Guerillaor­ganisation pÉåÇÉêç= iìãáåçëç verübt, 1,5% durch die kleinere Guerilla qìé~Å=^ã~êçLjoq^; 28% der Opfer haben die Sicherheitskräfte (Militärs und Polizei) zu verantworten und 13% die paramilitärischen Gruppen. Die durch Militär und Polizei verübten Menschenrechtsverletzun­gen waren dabei systematisch organisiert und keineswegs individuelle Exzesse. Der Bericht begnügt sich nicht mit der Beschrei­bung und Aufklärung der Gräueltaten. Er be­leuchtet auch die Ursachen des Konfliktes und kommt zu dem Ergebnis, dass der im Lande seit der Unabhängigkeit vorhandene latente Rassis­mus dazu geführt habe, dass das Schicksal der ländlichen, andinen und indigenen Bevölkerung die restliche Bevölkerung des Landes weder interessiert habe noch von ihr wahrgenommen wurde. Dr. Salomón Lerner Febres, der Präsident der Kommission, brachte dies bei der Übergabe des Dokumentes auf den Punkt:Der Bericht hat einen doppelten Skandal aufgedeckt, nämlich die massiven Morde und Folterungen einerseits und die Gleichgültigkeit und Unfähigkeit jener, die die Katastrophe hätten vermeiden können, andererseits. Empfehlungen der Wahrheitskommission Die hçããáëëáçå= Ñ ê= t~ÜêÜÉáí= ìåÇ= sÉêë ÜåìåÖ hat verschiedene Voraussetzungen für einen nachhaltigen Versöhnungsprozess in Peru identi­fiziert und entsprechende Maßnahmen zu deren praktischer Umsetzung empfohlen. 1