BÜRO LONDON The Chandlery, Office 609 50 Westminster Bridge Road London SE1 7QY Tel:+44-(0)20-7721 8745 Fax:+44-(0)20-7721 8746 e-mail: feslondon@dial.pipex.com website: www.fes.de/london BLICKPUNKT GROSSBRITANNIEN Hat die Konservative Partei endlich ihren Tony Blair gefunden? Ernst Hillebrand Die britischen Konservativen haben gestern den erst 39-jährigen Schatten-Erziehungsminister David Cameron mit deutlicher Mehrheit zu ihrem neuen Vorsitzenden gewählt. Der Aufstieg Camerons verlief extrem steil. Er ist erst seit 2001 überhaupt im Parlament und hat dort bisher lediglich fünf Reden gehalten. Zuvor hatte er nach einer Schulzeit in der teuren Privatschule Eton und einem Studium in Oxford im Finanzministerium und im Innenministerium gearbeitet. Mit Cameron steht zum ersten Mal seit Mitte der 60er Jahre wieder ein Vertreter der klassischen britischen Oberschicht an der Spitze der Partei: Cameron kann Heinrich den VII. zu seinen Vorfahren zählen und sowohl Urgroßvater wie Großvater waren konservative UnterhausAbgeordnete. Die Familie gilt als begütert und das Beziehungsnetzwerk dank Eton und Oxford als exzellent. Auch Camerons Frau Samantha stammt aus den besseren Kreisen des Landes: Sie ist die Tochter des als vermögend geltenden 6. Barons Sir Reginald Sheffield. Mit der Wahl Camerons hat sich die Parteibasis dazu entschlossen, es noch einmal mit einem jungen Kandidaten zu versuchen – ein„Triumph der Hoffnung über die Erfahrung“, wie es ein Beobachter formulierte. Cameron hatte sich im Wahlkampf als ein Mann der neuen Mitte präsentiert, der den Konservativen ein junges und frisches Gesicht geben würde und die Partei in die Mitte der Gesellschaft zurückführen kann. In seiner Antrittsrede erklärte Cameron denn auch, dass er die Partei für ethnische Minderheiten öffnen wolle, eine„mitfühlende“, im modernen GB verankerte Konservative Partei schaffen und die„skandalöse“ Unterrepräsentierung von Frauen beseitigen werde.„Ich liebe dieses Land so wie es ist, nicht wie es war“ erklärte er. Alter Wein in neuen Schläuchen? Das klingt gut, hat aber ein paar Haken. Zum einen ist es nicht unbedingt neu: Bereits seine Vorgänger William Hague und Ian Duncan Smith waren 1997 und 2001 mit dem Versprechen angetreten, die Tories zu modernisieren und aus der Isolation in einem kulturell konservativen und politisch nostalgischem juste milieu in Süd-England zu befreien. Hague erklärte 2002, die Partei stehe vor der Aufgabe, die Wähler davon zu überzeugen,„dass wir keine absurde Sekte sind.“ Und die Partei-Generalsekretärin Teresa May wies im selben Jahr darauf hin, dass die Partei in Gefahr sei, von den Menschen als„die fiese Partei“ wahrgenommen zu werden(„the nasty party“). Auch der unmittelbare Vorgänger Michael Howard versuchte nach seiner Wahl
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