Internationale Politikanalyse Globalisierung und Gerechtigkeit, Februar 2006 Michael Dauderstädt Sind unsere Löhne zu hoch? Schlaflose Nächte in der Basarökonomie “qÜÉ=êáÅÜ=~êÉ=åçí=ïçêâáåÖ=Ü~êÇ=ÉåçìÖÜ=ÄÉÅ~ìëÉ=íÜÉó= ~êÉ=åçí=ÄÉáåÖ=é~áÇ=ÉåçìÖÜI=ïÜáäÉ=íÜÉ=éççê=~êÉ=åçí= ïçêâáåÖ=Ü~êÇ=ÉåçìÖÜ=ÄÉÅ~ìëÉ=íÜÉó=~êÉ=ÄÉáåÖ=é~áÇ=íçç= ãìÅÜKÒ==== = gKhKd~äÄê~áíÜ=EòáíáÉêí=ÄÉá=m~ääÉó=NVVUW=NPOF= Wirtschaftswissenschaftler haben schlaflose Nächte in Deutschland. Sie haben schließlich das Faktorpreisausgleichstheorem(Sinn 2005: 19ff.) verstanden, das aussagt, dass sich die Löhne in globalisierten Wirtschaften angleichen. Bald ist es also Schluss mit dem guten deutschen Gehalt auf der C4-Stelle. Wie soll man all den gewohnten Luxus, das schöne Auto, gute Essen, die teure Wohnung, den langen Urlaub, die Kindererziehung noch mit den polnischen oder gar chinesischen Löhnen bezahlen können, an die man sich ja anpassen muss? Oder wenn man gar den Job verliert, weil der Staat schlanker werden muss und die Politiker bei jenen Staatsdienern mit dem Sparen anfangen, die ihnen die einschlägigen Empfehlungen gaben? Wenn der Leser jetzt stutzt, dann mit Recht. Weder werden die Basarökonomen ihren Job verlieren noch nur noch ein polnisches oder chinesisches Gehalt beziehen. Denn der Wink mit dem Zaunpfahl des Faktorpreisausgleichstheorems gilt natürlich nie dem Winkendem selbst, sondern anderen Mitbürgern in viel prekäreren Arbeitsverhältnissen. Konkurrieren wir mit Niedriglohnländern? Wer von Niedriglohnkonkurrenz betroffen ist, bestimmt sich durch die Marktmechanismen, die Arbeitnehmer in reichen Ländern mit denen in armen in Wettbewerb bringen. Es sind deren drei: Konkurrenz durch den Import billigerer Güter und Dienstleistungen, Produktionsverlagerung ins Ausland und Einwanderung von Arbeitnehmern aus Niedriglohnländern. Diese Prozesse gehen öfter Hand in Hand, wenn die verlagerte Produktion als billiger Import zurückkehrt, oder der Import von Dienstleistungen sich durch Einwanderung scheinselbständiger Subunternehmer vollzieht. Davon sind überwiegend relativ gering qualifizierte Jobs betroffen, die keine Kundennähe und/oder keine zeitnahe, enge Interaktion mit anderen, nur in reichen Ländern verfügbaren Koproduzenten erfordern. Diese Konkurrenz ist nicht neu. Spätestens seit den 1970er Jahren gingen Wirtschaftszweige wie die Textilindustrie oder der Schiffbau an Billiglohnländer verloren, was schon damals zu einer Debatte um die„neue internationale Arbeitsteilung“ führte. Viele der ausländischen Anbieter waren nationale Unternehmen, oft aber auch damals schon multinationale Konzerne, also in der Regel Töchter von Unternehmen in reichen Ländern. Auch Arbeitsmigration ist kein neues Phänomen, sondern war in den 1960er Jahren eine gewünschte Politik, um durch angeworbene Gastarbeiter Engpässe auf dem Arbeitsmarkt in Deutschland und anderen westeuropäischen Länder zu überwinden. Was sich geändert hat, ist zunächst die Lage auf eben diesem westeuropäischen Arbeitsmarkt. Angesichts von Massenarbeitslosigkeit(die auf vielfältige Ursachen zurückgeht) werden vorher als vorteilhaft empfundene Prozesse skeptischer bewertet. Neben dieser subjektiven Komponente gibt es aber auch objektive neue Wettbewerbslagen, die schlagwortartig mit Globalisierung zu beschreiben sind. Mit der Öffnung Osteuropas drängt ein neues, räumlich nahes und relativ gut qualifiziertes Arbeitskräftepotential auf den westeuropäischen Markt. Die Senkung der Transport- und Informationskosten und die Welle liberaler Reformen während der letzten 20 Jahre haben die Bedingungen für Investoren nicht nur in den postkommunistischen, sondern auch in vielen anderen armen Ländern enorm verbessert. Schließlich hat die europäische Integration einschließlich der Osterweiterung und der Assoziierung von Nachbarländern die Risiken und Schranken sowohl für Investoren als auch für Migranten deutlich reduziert.
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