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Indien: Rückblick 2005, Ausblick auf 2006
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Indien: Rückblick 2005, Ausblick auf 2006 Manfred Haack, Renate Tenbusch, FES Delhi, Januar 2006 Das Jahr 2005 wird in Indien als ein Jahr der Katastrophen in Erinnerung bleiben. Den Jah­resanfang hatte das Vernichtungswerk des Tsunami überschattet, nun beschwert das un­gewisse Schicksal zehntausender Obdachloser, die nach dem verheerenden Erdbeben im winterkalten Kaschmir ums Überleben kämpfen, den Jahresausklang. Anderthalb Jahre nach ihrem Wahlsieg werden bei der vom`çåÖêÉëë geführten råáíÉÇ= mêçÖêÉëëáîÉ=^ääá~åÅÉ= Erm^F erste Abnutzungserscheinungen sichtbar. Andererseits wirken die unbestrittene Autorität des Premierministers Manmohan Singh und die Integrations­kraft der Congress-Präsidentin Sonja Gandhi auseinanderstrebenden Tendenzen entge­gen. Der Niedergang der_Ü~ê~íáó~=g~å~í~=m~êíó=E_gmF, die nur wenige Jahre zuvor noch als eine dem`çåÖêÉëë= ebenbürtige nationale Partei angesehen worden war, setzt sich un­vermindert fort. Im Koordinatensystem der indischen Außenpolitik gibt es mehr Variablen als Konstanten, ganz zu schweigen von einigen Unbekannten. Erkennbar sind der beständig weiter gezo­gene Radius indischer Sicherheitsinteressen, die behutsame Hinwendung zu einem be­dingten Multilateralismus und das Bemühen um größeren Einfluss auf weltwirtschaftliche Entwicklungen. Das Wirtschaftsjahr 2005 wird in allen einschlägigen Medien als Boomjahr gefeiert. Wie die Regierung versucht, den Spagat zwischen Wachstums- und Sozialpolitik zu vollbrin­gen, zeigt sich in dem in diesem Jahr von der Lok Sabah verabschiedeten und von den Medien als historisch gefeierten k~íáçå~ä=oìê~ä=bãéäçóãÉåí=dìê~åíÉÉ=^ÅíK Die 2001 durchgeführte Volkszählung hatte die tödliche Form der Diskriminierung gegen Frauen in Indien in Zahlen sichtbar gemacht: Auf 1000 Männer in Indien kommen gerade einmal 947 Frauen. Aus der Sicht der Gewerkschaften war es das Verdienst der die råáíÉÇ=mêçÖêÉëëáîÉ=^ääá~åJ ÅÉ= unterstützenden Linksparteien, den als neoliberal inspiriert angesehenen Reformeifer des Premierministers Manmohan Singh und seines Finanzministers Palaniappan Chidam­baram gebremst und die Regierung zu einer schnelleren Gangart bei den Sozialreformen gedrängt zu haben. Das Mitte-Links-Regierungsbündnis unter Premierminister Manmohan Singh hat ent­gegen mehrheitlicher Prognosen nach ei­nem turbulenten Jahr zumindest seine Halt­barkeit unter Beweis gestellt. Im aktuellen Koordinatensystem der indischen Außenpo­litik gibt es allerdings mehr Variablen als Konstanten, ganz zu schweigen von einigen Unbekannten. Erkennbar sind Tendenzen wie die ständige Erweiterung des Radius in­discher Sicherheitsinteressen, die behutsame Hinwendung zu einem bedingten Multilate­ralismus freilich ohne von dem im postko­lonialen Selbstverständnis Indiens wurzeln­den Unilateralismus prinzipiell abzurücken und das Bemühen um größeren Einfluss auf weltwirtschaftliche Entwicklungen. Gestei­gertes Interesse und Ansehen Indiens im Ausland sind der Integrität Premierminister Manmohan Singhs und den Erwartungen an das wirtschaftliche Potential des Subkonti­nents geschuldet. Konsolidierte Instabilität des regieren­den Mitte-Links-Bündnisses Anderthalb Jahre nach ihrem Wahlsieg wer­den bei der vom`çåÖêÉëë geführten råáíÉÇ= mêçÖêÉëëáîÉ=^ääá~åÅÉ= Erm^F erste Abnut­1